Gippingen

Vor dem Räbeliechtliumzug geht es ans Schnitzen

Das Verzieren der Räbe ist nicht einfach – doch die Erst- und Zweitklässler aus Gippingen haben trotzdem Spass daran. Wobei nicht jede und jeder den Geschmack der Räbe auch mag.

Das ganze Schulzimmer ist erfüllt von einem erdigen Geruch. Auf den Pulten sind Tücher ausgebreitet. Darauf liegen Messer, Förmchen und andere Schnitzutensilien. 15 Kinder sitzen an ihren Plätzen und arbeiten konzentriert. Die Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Klasse bereiten ihre Räbeliechtli für den Umzug am gleichen Abend vor. Zur Unterstützung beim Schnitzen sind sechs Mütter und ein Grossvater in die Schule gekommen.

Kreative Ideen für die Verzierung

«Das riecht gut!», sagt Pascale und schnuppert an der Schnittstelle ihrer Räbe. Sie schnitzt in diesem Jahr zum ersten Mal ein Räbeliechtli. «Es ist schon ein bisschen schwierig», sagt sie, während sie versucht, ein Sternförmchen in die Schale zu drücken. «Aber es gefällt mir trotzdem.» Raphael findet das Verzieren der Räbe einfach: «Das habe ich schon ein paar Mal gemacht.» Während andere Kinder zaghaft mit dem Messer oder den Fingern an der Schale ihrer Knollen kratzen, hat er schon die Hälfte seiner grossen Räbe mit Sternen, Schmetterlingen und Herzen verziert.

Jessica hat eine besondere Idee. «Ich möchte meinen Namen auf das Räbeliechtli schreiben», verkündet sie der Lehrerin. Gemeinsam zeichnen die beiden den Namen erst auf ein Papier vor und übertragen die Buchstaben dann auf die Räbe. Als die anderen Kinder das kleine Kunstwerk sehen, wollen auch sie ihr Licht mit dem eigenen Namen verzieren.

Hier haben die Kinder das Sagen

Philipp hat zum Schnitzen sein Lieblingsmesser mitgebracht. Es hat einen gelben Griff und kleine Kürbisse auf der Klinge. Trotz der guten Ausrüstung steht er vor einer Herausforderung: Seine Räbe ist härter als die der anderen. «Das Schnitzen braucht sehr viel Kraft», sagt er. Zum Glück stehen ihm die Erwachsenen zur Seite. «Aber der Stern kommt über den Tannenbaum! Sonst ist die Welt verkehrt!», warnt er. Die Eltern sind nur zum Helfen da. Das Sagen haben heute die Kinder. «Nimm doch das Sternförmchen», schlägt eine Mutter ihrer Tochter vor. «Nein, ich nehme das», antwortet sie bestimmt und greift zu einem Förmchen in Rechteckform.

Nach eineinhalb Stunden Schnitzen herrscht im Schulzimmer Chaos. Die Schüler laufen im Zimmer umher, um Formen zu finden, die sie noch nicht auf ihre Räbe gebracht haben. Überall liegen Räbenstücke herum. Während sich einige Kinder die Stücke genussvoll in den Mund schieben, verziehen andere nur angewidert das Gesicht.

Am Ende des Morgens sehen alle Räbeliechtli unterschiedlich aus. Einige sind mit grossen, geordneten Formen verziert, andere mit kleinen, wild verteilten. Auch wenn die Meinungen über den Geschmack der Reben und die beste Verzierung auseinandergehen, sind sich die Kinder in einem einig: «Das Schnitzen macht viel Spass. Doch am meisten freuen wir uns auf den Umzug am Abend.»

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