Reglemente legen eine Gesetzmässigkeit, einen Standard fest. Eine Regel bestimmt, was in welchem Fall zu tun ist. In besonderem Masse gilt das für ein «Reglement über den neuanzulegenden Weinberg in Degerfelden» aus dem Jahr 1876. Darin wird festgehalten, wie die Ortsbürgergemeinde Tegerfelden auf dem ihr gehörenden, 28 Jucharten grossen Land im «Rebhaldenbuck» und «ob dem Weiher» angelegt und bewirtschaftet werden soll. Gleich der erste Paragraf schreibt vor, dass das Gebiet als «der neue Berg» zu bezeichnen ist. Heute heisst das Weinbaugebiet «Neuberg», liegt nordöstlich der Zurzibergstrasse und wird von Othmar Kalt bewirtschaftet.

Im Reglement wird in der Rechtschreibung früherer Jahrhunderte festgelegt, dass «der neue Weinberg mit behauenen Steinen vermarchet, in gleich grosse, möglichst regelmässige Parzellen getheilt, diese numerirt und an die berechtigten Bewerber zum Weinbau überlassen» werden».

«Verloosung vorräthiger Parzellen»

Aus heutiger Sicht muten die Paragrafen 22 bis 26 besonders eigentümlich an: Da ist nachzulesen, dass alljährlich anfang März unter Aufsicht der Rebkommission «die Verloosung der vorräthigen Parzellen» stattzufinden habe. Wer sich zum Besitz einer solchen berechtigt glaube, habe sich beim Gemeindeammann anzumelden. «Zur Ziehung ist er vom Gemeindeweibel einzuladen.»

Bei der Verlosung der Parzellen im neu anzulegenden Weinberg bestimmte das Alter die Rangordnung respektive die Reihenfolge der Ziehung. Die ausgelosten Nutzniesser der neuen Rebparzellen mussten der Ortsbürgergemeinde einen jährlichen Pachtzins zwischen 3 und 8 Franken zu bezahlen. Die ersten vier Jahre der auf 25 Jahre angelegten Pachtzeit waren pachtzinsfrei. Dem Gemeindeschreiber mussten die neuen Parzellenbesitzer 20 Rappen für die erste zugeloste Parzelle entrichten; für jeder weitere zugeloste Parzelle waren 50 Rappen fällig. «Hinterlassene Erben» waren von dieser Taxe befreit.

Strenge Vorschriften

Im «Reglement über den neu anzulegenden Weinberg in Degerfelden» wird respektive wurde nicht nur bis ins Detail festgelegt, wie die Verlosung der Rebparzellen abzuwickeln war, sondern auch, wie der Weinberg anzulegen war und welche Traubensorten gepflanzt werden durften: «Die Weinstöcke sollen in schnurgeraden Reihen und wenigstens 12 Zoll innerhalb der Marchlinie gepflanzt werden.» Ein Zoll entspricht der Länge dreier hintereinander gelegter Gerstenkörner.

Zur Anpflanzung erlaubt waren nur Edelgewächse wie Gutedel, Klevner «oder eine ihnen gleichkommende Sorte.» Mörsch wurden nur 20 Stöcke geduldet. «Andere Sorten wie Hüntsch, Elbling und dergleichen sind untersagt», heisst es im Reglement, in dem mehrmals mit Strafe bei Nichtbefolgung der Vorschriften gedroht wird. «Nach einmaliger fruchtloser Mahnung lässt die Kommission die unzulässigen Weinstöcke auf Kosten des Besitzers entfernen und verzeigt Letzteren überdiess dem Gemeinderath zur Bestrafung.»

«Keine leeren Zwischenräume»

Für die Gestaltung der einzelnen Parzellen wurden schon vor 136 Jahren strenge Vorschriften erlassen: Mit Bewilligung der Rebkommission durfte der Inhaber eines Rebstückes auf eine Entfernung von 20 Zoll vom nachbarlichen Grundstück Erhöhungen und Vertiefungen vornehmen oder Mauern und Grasböschungen errichten. Nicht geduldet wurden hingegen leere Zwischenräume, aufgehäufte Steine sowie Bäume und Zwischennutzungen.

Erwähnenswert ist auch der dritte Paragraf des Weinberg-Reglements. Darin ist festgehalten, dass die Gemeinde Tegerfelden die Anlage der Wege und Wassergräben übernimmt. Gleichzeitig wird aber auch vor Unfug oder böswilligen Aktionen gewarnt: «Das Ändern oder Ausgraben der Wege ist bei 10 Franken Busse verboten.»