Gemeindename

Von Zurzach zu Bad Zurzach und wieder zurück: Wie die sturen Zürcher doppelt Geld gespart haben

Als Bad Zurzach offiziell zum Bäderkurort wurde: Franz Nebel, der damalige Ammann (rechts) und Peter Andres, Präsident von Bad Zurzach Tourismus, bei der Präsentation der neuen Ortstafel 2006 im Kurpark.

Als Bad Zurzach offiziell zum Bäderkurort wurde: Franz Nebel, der damalige Ammann (rechts) und Peter Andres, Präsident von Bad Zurzach Tourismus, bei der Präsentation der neuen Ortstafel 2006 im Kurpark.

Der Bezirkshauptort erhält mit der Fusion zur Gemeinde Zurzach seinen alten Ortsnamen. 2006 sorgte die letzte Änderung für eine Posse.

Der Bäderkurort Zurzach hatte im August 2006 seinen Namen aus wettbewerbspolitischen Gründen offiziell auf Bad Zurzach geändert – gut geheissen von der aargauischen Regierung. Daraufhin wurden auf Aargauer Kantonsgebiet zahlreiche Wegweiser und Ortstafeln eine entsprechende Anpassung vorgenommen. So ist es auch bei der anstehenden Änderung in zwei Jahren geplant.

Mit der Fusion der acht Rheintal+-Gemeinden, die auf 1. Januar 2022 in Kraft tritt, wird aus Bad Zurzach wieder Zurzach. Der Leiter Verkehrstechnik des Kantons, Kurt Grauwiler, erwartet keinen grossen Aufwand für die bevorstehenden Anpassungen. «Von der neuen Signalisation betroffen sind hauptsächlich die Ortstafeln. Der Rest bleibe in der Regel gleich.»

Das gilt im Übrigen auch für die gelben Wanderschilder, wie der Geschäftsführer von Aargauer Wanderwege, Horst Sager, mitteilt. «Das Ziel bleibt letztlich das gleiche.» Die Umsetzungskommission der neuen Gemeinde wird sich dem Thema «Beschilderung», laut Daniel Baumgartner, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung, im Verlauf dieses Jahres annehmen.

Verwunderung und Verärgerung in Zurzach

Nicht rund gelaufen war seinerzeit die Neusignalisation nach der letzten Änderung von Zurzach auf Bad Zurzach im Kanton Zürich, wo man von diesem Namenswechsel damals angeblich nichts wusste. Im Zürcher Unterland, im Furttal und auch in Zürich Nord gab es mehrere Dutzend Wegweiser an Autobahnen, Staats- und Nebenstrassen, die mit dem Ortsnamen «Zurzach» versehen waren. Im Bereich von Glattbrugg – im Zusammenhang mit der Erstellung der Glatttalbahn und der Verlängerung der Birchstrasse – waren neue Wegweiser montiert worden, allerdings mit der nicht mehr korrekten Bezeichnung «Zurzach».

Der damalige Gemeindeschreiber und heutige Direktor des Spitals Leuggern, René Huber, hatte die Zürcher Kantonspolizei auf die Änderung aufmerksam gemacht. Dort sei den Zurzachern klar gemacht worden, dass man sie zur Kasse bitten werde, falls sie eine Auswechslung der Tafeln auf Zürcher Kantonsgebiet verlangen sollten. Dieser forsche Ton hatte im Badekurort Verwunderung und Verärgerung ausgelöst.

Gravierende finanzielle Folgen für den Kanton

Dem Dienstchef der Strassensignalisation der Zürcher Kantonspolizei war der Namenswechsel nicht zu Ohren gekommen. Der Austausch von Tafeln und Wegweisern hätte für den Kanton aber gravierende finanzielle Konsequenzen, hiess es.

Er sah keine Veranlassung, die Orientierungshilfen der Verkehrsteilnehmer zu ersetzen. Zurzach bleibe Zurzach, und da gebe es für die Strassenbenützer auch ohne den Zusatz «Bad» keine Verwechslungen. Wenn man von offizieller Seite eine Änderung gewünscht hätte, hätte der Aargauer Regierungsrat und vielleicht auch die Standortgemeinde den Zürcher Amtskollegen ein entsprechendes Begehren stellen müssen, liess sich die zuständige Person in der NZZ zitieren.

Er wies im Weiteren auf das frisch ausgearbeitete Wegweiserkonzept hin: Damals wurden die regionalen Wegweiser «Kaiserstuhl (AG)» und «Koblenz» durch «Zurzach» ersetzt, weil der Bäderkurort bekannter sei als etwa der Grenzort Koblenz. Lediglich im Bereich des Zürcher Bucheggplatzes und am Milchbuck seien einige wenige Koblenz-Schilder erhalten geblieben – und das bis heute. Bezüglich der Schilder in Glattbrugg und Eglisau hatte sich der Dienstchef strikt an die bestehende Signalisation gehalten.

Viel Erfindergeist bei der Erneuerung der Tafeln

Der Presseabteilung der Zürcher Kantonspolizei war der Namenswechsel zwar bekannt, doch hatte man dort die Änderung ganz offensichtlich nicht weiter verfolgt. Wieso Zurzach einen neuen Namen brauche, wenn die bisherige Bezeichnung jahrhundertelang genügt habe, fragte man.

Georg Edelmann, der frühere Zurzacher Gemeinderat, berichtete, dass das Auswechseln der Schilder im Kanton Aargau wiederum mit viel Erfindergeist über die Bühne gegangen sei. Wo nötig, wurden neue Tafeln angefertigt. Wo es der Platz zuliess, sei der alte Schriftzug mit dem neuen überdeckt und mit Knöpfen befestigt worden.

Und die Moral von der Geschichte: Die Sturköpfigkeit der Zürcher hatte immerhin zur Folge, dass man nicht nur einmal, sondern gleich doppelt Geld gespart hat.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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