Es war Anfang Januar: Der Zürcher Autor Hannes Glarner hatte «Verena – ein modernes Mirakelspiel» vollendet; in der Propstei Bad Zurzach begann Regisseur Hannes Leo Meier mit den regelmässigen Proben. Alle Rollen waren besetzt – bis auf jene von Jacky. Als Flight Attendant setzt sie alles daran, die Wahl zur «Miss Heaven» zu gewinnen. Es ist eine zentrale Figur im Stück, doch die Suche nach einer hübschen jungen Frau mit einer gewissen Theatererfahrung gestaltete sich äusserst schwierig. 

In Würenlingen wurde Gisela Aeschbach, Vorstandsmitglied des Vereins Verenaspiel, schliesslich fündig: Als sie in einem Geschäft das Thema Theater und die verzweifelte Suche nach derjenigen Person ansprach, welche die Hauptfigur im Stück darstellen sollte, da bekam sie einen Tipp, der zum glücklichen Ende dieser Suche führte.

Die Würenlingerin Jessica Oeschger – sehr natürlich und mit einem zauberhaften Lächeln ausstaffiert – hat bereits mehrfach in Stücken mitgespielt, die nach dem Jahreskonzert vom örtlichen Männerchor aufgeführt worden sind. «Das sind jeweils drei Vorstellungen – ‹Verena› hingegen wird 20-mal gespielt, der Regisseur ist ein Profi und es handelt sich ausserdem eine aufwendige, grosse Produktion.»

Dennoch, oder gerade deswegen, hat das Mitmachen Jessica sehr gereizt. Und der Zufall wollte, dass sie zusagen konnte: «Eigentlich hatte ich geplant, mich in dieser Zeit in einem Spezialkurs zur Gemeindeschreiberin weiter zu bilden, doch der Kurs wurde um ein Jahr verschoben.»

Strenge Zeiten, auch beruflich

Bei der Verwaltung von Würenlingen, die Gemeinde, in der die 22-Jährige aufgewachsen ist und immer noch bei den Eltern lebt, hatte sie die KV-Lehre gemacht. Seit einem Jahr arbeitet Jessica Oeschger in Turgi als Stellvertreterin von Gemeindeschreiberin Michaela Egloff und als Leiterin Einwohnerdienste. «Wegen des grossen Zügeltermins Anfang Juli habe ich es im Moment beruflich etwas streng», erklärt sie.

Und «theatralisch» hat sie das schon länger: Oeschger war erst im März zur Truppe gestossen. Seither hat sie fast ausnahmslos jede Woche mittwochs und donnerstags von 19 bis 22 Uhr Probe. Dazu kam einmal pro Monat ein ganzes Probenwochenende. «Das ist zwar ganz schön anstrengend, aber es macht auch viel Freude. Es sind lauter lässige Leute. Sie kommen teilweise von recht weit her, etwa aus Würenlos, Basel, Zürich und auch von ennet der Grenze.»

Apropos: Sind die Dialoge in Hoch- oder Schweizerdeutsch, und wie schwierig war das mit dem Auswendiglernen? «Gesprochen wird sowohl als auch. In den Szenen, die ins ‹anno dazumal› zurückblenden, wird in einem alten Hochdeutsch geredet. Das auswendig zu lernen, hat mir etwas Mühe bereitet, ansonsten ist es mir einfach gefallen.» Im Stück, so Oeschger, gebe es ebenso lustige, wie dramatische Sequenzen: «Das macht es besonders spannend.»

So, wie Kinder denken

Seit vielen Wochen wird am «Tatort», dem Chilebückli in Bad Zurzach, geprobt. Dort stehen in der letzten Woche vor der Premiere noch Intensivproben an. «Da muss ich mir dann eine Woche Ferien nehmen.» Ihr Freund, meint Jessica lachend, trage es mit Fassung, dass er zurzeit so oft auf sie verzichten müsse. Doch sie habe ihren Entscheid noch keinen Moment bereut: «Es ist eine tolle Erfahrung. Jacky ist eine interessante, farbige Figur, jemand, der sich selber ist und sich nichts daraus macht, was andere über sie denken. Da blitzt auch Mal das kleine Kind in mir auf.»