Siglistorf

Von 640 Einwohnern auf 850: Das ist die Zurzibieter Boom-Gemeinde

Das Gebiet Kirchwiesen: Hier entstehen 18 Reiheneinfamilienhäuser und sechs Mehrfamilienhäuser.

Das Gebiet Kirchwiesen: Hier entstehen 18 Reiheneinfamilienhäuser und sechs Mehrfamilienhäuser.

Die Bevölkerung in Siglistorf soll in den nächsten Jahren um einen Drittel wachsen – eine Folge der gescheiterten Fusion mit Schneisingen.

Innerhalb von fünf Jahren von aktuell rund 640 Einwohnern auf 850 wachsen: Das ist das erklärte Ziel von Siglistorf. «Es können gern noch mehr sein», sagt Gemeindeammann Stefan Schuhmacher. Möglich machen das Bevölkerungswachstum um einen Drittel verschiedene Überbauungen.

Zurzeit werden zwei Mehrfamilienhäuser mit je zwölf Wohnungen an der Alten Poststrasse, weitere zwölf Wohnungen gegenüber der Kapelle und Terrassenhäuser mit neun Wohnungen am Belchen gebaut.

Das grösste Projekt sind die 18 Reiheneinfamilienhäuser und die sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 35 Wohnungen, die im Gebiet Kirchwiesen geplant sind.

Projekt kann nun im Detail ausgearbeitet werden

«Das ist eine riesen Sache», sagt Schuhmacher. Die Weichen dazu sind gestellt: Der Kanton genehmigte den Gestaltungsplan im September. Und kürzlich sagte die Wintergmeind Ja zum Erschliessungskredit der Kirchwiesen über 1,595 Millionen Franken. Nun kann die Bauherrschaft das Projekt im Detail ausarbeiten.

Siglistorf ist die Boom-Gemeinde im Bezirk – im Gegensatz zum restlichen Zurzibiet, das immer wieder über zu wenig Wachstum klagt. Jüngstes Beispiel: das Bez-Dilemma.

Eine der vier Zurzibieter Bezirksschulen Endingen, Klingnau, Leuggern oder Bad Zurzach muss auf August 2022 aufgrund mangelnder Schülerzahlen schliessen. Siglistorf hingegen kann nicht über mangelnden Wachstum klagen – was ist das Erfolgsrezept?

Interessant für Menschen aus dem Zürcher Unterland

Ammann Schuhmacher, der seit 18 Jahren im Gemeinderat sitzt, sagt: «2006 lehnte Schneisingen eine Fusion mit Siglistorf ab – heute können wir sagen: Zum Glück.» Denn das Dorf habe sich danach Gedanken über seine Zukunft machen müssen.

«Vorher hatte der Gemeinderat vor allem verwaltet. Wir sagten uns nach der gescheiterten Fusion: Jetzt geben wir Gas, wir wollen wachsen.» Siglistorf zonte dazu Bauland ein – bevor 2013 das neue Raumplanungsgesetz angenommen wurde.

«Wir gingen zudem aktiv auf Landbesitzer zu und animierten sie, ihr Land an Investoren zu verkaufen oder selbst ein Projekt anzupacken», sagt Schuhmacher. «Heute zahlt sich unsere Arbeit aus und wir können die Früchte ernten.»

Wachstum ist nötig

Bis in fünf Jahren sollen rund 200 Personen mehr in Siglistorf wohnen. Das Wachstum sei nötig, sagt Schuhmacher. Insbesondere auch, um die Ziele des Leitbildes erreichen zu können – eigenständig bleiben, eine eigene Schule haben und familienfreundlich sein.

«Zudem bedeuten mehr Einwohner auch mehr Steuerzahler», sagt Schuhmacher. Das Wachstum soll aber kontinuierlich erfolgen, nicht auf einen Schlag in einem Jahr. «Die Überbauung auf der Kirchwiesen ist in Etappen vorgesehen.»

Bis Ende 2022 sollen die ersten Häuser stehen. Danach soll die nächste Bauetappe erfolgen. Der Ammann ist überzeugt, dass die Wohnungen und Häuser nicht lange leer bleiben. Vor allem aus dem Zürcher Unterland würde es viele ins Zurzibiet ziehen, da im Nachbarkanton kaum mehr Bauland vorhanden sei.

«Die meisten kaufen dort ein, wo sie arbeiten»

Dass der relativ hohe Steuerfuss von 121 Prozent oder die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten im Dorf abschreckend wirken könnten, das glaubt Schuhmacher nicht. «Der Steuerfuss schenkt vor allem bei hohem Einkommen ein.»

Und als die Gemeinde vor vier Jahren einen Anlauf nahm, um wieder einen Dorfladen zu eröffnen, sei das Interesse in der Bevölkerung kaum vorhanden gewesen.

«Die meisten kaufen dort ein, wo sie arbeiten.» Einer der Hauptgründe, nach Siglistorf zu ziehen, seien ohnehin vor allem die ländliche Gegend und die Nähe zur Natur.

Noch genügend Platz für Schüler

Kann ein kleines Dorf wie Siglistorf einen Zuwachs der Bevölkerung um einen Drittel innerhalb weniger Jahren überhaupt verkraften? «Ja», sagt der Ammann. «Wir sind vorbereitet, haben laufend die Strassen und Werkleitungen saniert und die Primarschule – unser Aushängeschild – ist zwar gut ausgelastet, hat aber noch Platz für mehr Schüler.»

Schuhmacher hofft, dass vor allem auch Familien ins beschauliche Dorf ziehen. Und wenn die Schülerzahlen stärker steigen als erwartet, würde man Lösungen finden, ist er überzeugt.

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