Thomas Knecht ist ein viel beschäftigter Mann. Nicht nur als Gemeindeammann von Baldingen, sondern auch in seinem Hauptberuf als Immobilienmarkt-Manager im Fachbereich Management Dispositionsbestand der Armasuisse Immobilien. Die etwas sperrige Bezeichnung steht für den Verkauf von Liegenschaften aus dem Portfolio des VBS, die nicht mehr benötigt werden. Thomas Knecht ist dabei für ein Gebiet zuständig, das sich vom Rhein bis in die Innerschweiz erstreckt. Soeben hat er beim Notar den Verkauf eines Bunkers im Zurzibiet abgewickelt.

Und dieses Zurzibiet ist innerhalb des Aargaus – der die grösste Dichte an Kampf- und Führungsbauten aller Schweizer Kantone aufweist– besonders reich mit solchen Anlagen gesegnet.

«Im Bezirk Zurzach befinden sich momentan rund 300 Objekte des sogenannten Dispositionsbestandes», erklärt Thomas Knecht. «Das sind Objekte, die nicht mehr zur Erfüllung des Hauptauftrages der Armee und der Verwaltung von Nutzen sind.» Bei diesen Objekten handelt es sich vor allem um Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, um Panzerbarrikaden, Geländepanzerhindernisse aber auch um so genannte Atomsichere Unterstände aus der Zeit des Kalten Krieges. «Es ist die ganze Palette der Kampf- und Führungsbauten», sagt Thomas Knecht. «Verwaltungsbauten wie Zeughäuser oder Depots stehen im Bezirk Zurzach aber keine mehr zum Verkauf.»

Erhalt steht im Vordergrund

«In den vergangenen 25 bis 30 Jahren sind im Bezirk Zurzach rund ein Drittel der Anlagen verschwunden», erklärt Thomas Knecht. Dabei handelt es sich vor allem um Panzerbarrikaden-Objekte in Strassen und die dazugehörenden Magazine, die oft im Zusammenhang mit Strassensanierungen abgebrochen worden sind.

«Rund 40 Objekte – primär Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges – sind bis jetzt verkauft worden», sagt Thomas Knecht. «Rund die Hälfte davon an den Verein Festungsmuseum Reuenthal. Bei diesen Objekten steht klar der Erhalt im Vordergrund.» Der Verein Festungsmuseum Reuenthal, der sich schon sehr früh für den Erhalt der militärhistorisch interessanten baulichen Zeugen eingesetzt hat, besitzt neben dem Artilleriewerk Reuenthal auch Anlagen in Leibstadt, Full und Koblenz sowie im Gebiet des Wasserschlosses und des Bözbergs.

Zum Teil sind Anlagen auch an Privatpersonen verkauft worden. «Dabei besteht aber die Problematik der Umnutzung», stellt Thomas Knecht fest. «Vor allem dann, wenn die Objekte, insbesondere Bunker, ausserhalb des Baugebietes liegen. Das Umfunktionieren eines Bunkers zu einer Festhütte ist daher nicht denkbar.» Möglich allerdings ist – wie derzeit aktuell – aufgrund einer Bewilligung des Kantons die Umnutzung eines Bunkers in einer Landwirtschaftszone als Käselager. Etwas anders verhält es sich, wenn ein Bunker in der Bauzone steht. Da kann er durchaus als zwar stabiles, aber vielleicht nicht unbedingt praktisches Erdgeschoss verwendet werden.

«Beim Verkauf von Grundstücken mit Sperren steht oft der ökologische Gedanke im Vordergrund», sagt Thomas Knecht. «Oft sind zwischen Höckerhindernissen Hecken entstanden. Beim VBS ist man froh, diese Hecken nicht pflegen zu müssen. Ein Verkauf solcher Grundstücke an Naturschutzorganisationen ist daher sinnvoll.»

Auflagen beim Verkauf

«Bei Objekten, die im Inventar der militärischen Denkmäler aufgeführt sind, machen wir Auflagen», betont Thomas Knecht. «Bei Objekten von nationaler Bedeutung sind wir verpflichtet, ein Veränderungsverbot zu begründen, falls nicht der Kanton oder die Gemeinde diese Objekte unter Schutz stellt.» Als von nationaler Bedeutung eingestuft sind im Zurzibiet neben der Sperrstelle Reuenthal die Sperrstellen Koblenz Aarebrücke, Koblenz Dorf und Zurzach.

Der Kanton hat inzwischen eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Grossrat Titus Meier (Brugg) eingesetzt, die evaluiert, welche Objekte allenfalls vom Kanton übernommen werden sollen. Zudem sind flächendeckend die Gemeinden angeschrieben worden, ob sie allenfalls Objekte zur historischen oder ökologischen Erhaltung übernehmen würden.

Thomas Knecht stellt aber fest: «Der Verkauf dieser Objekte bezweckt die Reduktion der Unterhaltskosten und nicht die Erzielung grosser Verkaufserlöse.»