Am 24. September wird Lengnaus Stimmbevölkerung an die Urne gebeten. Einerseits stehen die Gesamterneuerungswahlen auf dem Programm, andererseits wurde gegen einen Gmeinds-Beschluss vom 28. Juni erfolgreich das Referendum ergriffen. Es geht dabei um einen Kredit über 220 000 Franken für das Testplanverfahren der Zentrums- und Dorfplatzentwicklung. Mit 66 zu 29 Stimmen wurde er an der Gmeind angenommen. 491 Unterschriften sammelten im Anschluss die Gegner. Bereits 183 wären ausreichend gewesen.

Uneinigkeit herrscht nicht etwa über konkrete Gestaltungsvorschläge oder Ideen, sondern um die Wahl des geeigneten Planungsverfahrens und dessen Kosten. Das Referendumskomitee bevorzugt einen Wettbewerb, der Gemeinderat ein modernes Testplanverfahren. Weil der Kanton an solchen Testplanverfahren ebenfalls interessiert ist, würde er sogar 10 Prozent der Kosten übernehmen.

«Es geht um die Zukunft von Lengnau. Es gibt keinen Plan B zum Testplanverfahren.»

Franz Bertschi, Gemeindeammann Lengnau

«Es geht um die Zukunft von Lengnau. Es gibt keinen Plan B zum Testplanverfahren.»

Gestern nun ergriff Ammann Franz Bertschi das Wort. An seiner Seite Bernd Scholl, Professor für Raumentwicklung an der ETH Zürich und wohnhaft in Lengnau. Sie stehen nach wie vor zum Testplanverfahren. Auch, weil ein Wettbewerb der Komplexität des Vorhabens nicht gerecht würde. Es geht in Lengnau nicht alleine um die Gestaltung des Dorfplatzes, es geht um das Gebiet von Rietwise bis über die Bleiwiese hinaus. Es geht um den Verkehr, um die Siedlungsentwicklung, um ein mögliches Begegnungszentrum für das Projekt Doppeltür und vieles mehr. «Es geht um die Zukunft von Lengnau», fasst Bertschi zusammen, «es gibt keinen Plan B zum Testplanverfahren.» Der Gemeinderat will ein nachhaltiges Gesamtkonzept, auch mit Blick auf das zu erwartenden Bevölkerungswachstum.

Ideen lassen sich kombinieren

Beim Testplanverfahren sollen vier unabhängige Planungsbüros Möglichkeiten für ein attraktives Zentrum der Gemeinde erarbeiten und testen. Ein Büro kann etwa auf Verkehr spezialisiert sein, ein anderes auf Städtebau. Dabei entsteht eine Bandbreite an Lösungen, aus denen Lengnau die beste auswählen und weiterverfolgen kann. Speziell: Die Ideen von den verschiedenen Teams können kombiniert werden. Es besteht kein Urheberrecht.

«Im Gegensatz dazu können mit Projektwettbewerben nur Teilaufgaben mit klar definierten Rahmenbedingungen abgedeckt werden», sagt Bertschi. Somit wären verschiedene Projektwettbewerbe nötig mit entsprechenden Folgekosten und ohne das gewünschte gesamtheitliche Resultat.

«In der Raumentwicklung hält ein neues Denkmuster Einzug», stellt Scholl fest. Solche Testplanverfahren kamen schon in Bad Zurzach, Neuenhof oder Spreitenbach zum Einsatz. «Gerade kleine und mittlere Gemeinden müssen ihren begrenzten Raum besser nutzen. Auch Dorfplätze haben mit dem Ladensterben schwierige Zeiten vor sich.» Scholl ist sicher: «Es gibt keine valable Alternative zum Testplanverfahren.» Klassische Zonenplanmassnahmen oder ein Wettbewerb seien im Falle Lengnaus nicht geeignet.