Bad Zurzach

Verenatag: Oder wenn die Kirche aus allen Nähten platzt

Im Verenamünster in Bad Zurzach wurde der Verenatag begangen. Das Interesse war derart gross, dass die Messe vom Schweizer Fernsehen und Radio live übertragen wurde.

Die Rolle eines Türstehers einzunehmen, ist für Norbert Buchmeier, Koordinator des Verenatags und früherer Kirchenpfleger, ungewohnt. «An normalen Sonntagen sind wir ja froh um jeden und lassen auch gerne jeden ein, aber heute geht das eben leider nicht.» Er hat alle Hände voll zu tun, die Leute ein- und so manche eben auch abzuweisen. Nicht alle sehen ein, dass heute das Fernsehen das Sagen hat. Mit einem Paar, das eigens in aller Frühe aus dem Kanton St. Gallen aufgebrochen und in den Flecken gereist ist, geraten Buchmeier und die beiden umstehenden Kantonspolizisten in eine kontroverse Diskussion. «Traurig» seien die angereisten Gläubigen, sagen sie. «Gehen Sie doch bitte in die obere Kirche, dorthin wird der Gottesdienst live übertragen. Sie können dort auch mitbetten und mitsingen und die Kommunion empfangen», wirbt Buchmeier. Doch für das Paar kommt das nicht infrage. Und stehen? «Nein, auch das ist heute aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt», erklärt der Koordinator.


Liveübertragung hat Priester Andreas Stüdli nicht nervös gemacht

Der Verenatag wird in Erinnerung an die helige Verena begangen. Sie soll der Legende nach in Zurzach gelebt haben und dort auch in der Krypta des Münsters begraben liegen. 9.45 Uhr: Kirchenleiter Marcus Hüttner, Priester Andreas Stüdli und Lektor Lukas Zimmermann nehmen gemeinsam mit den Ministranten Aufstellung vor dem Münsterportal. Da und dort wird noch ein wenig gepudert, werden die Messgewänder auf ihren ordentlichen Sitz hin überprüft. Vier Schweizergardisten umrahmen den Gastprediger des Verenatages 2019 – Kardinal Kurt Koch, laut Buchmeier schon 2011 einmal zu Gast in Bad Zurzach und als früherer Bischof von Basel sowieso dem Aargau verbunden. Eigens aus Rom sind die Gardisten angereist. «Wir sind von unserem Vorgesetzten abkommandiert worden», berichtet Romano Pelosi aus Rheinfelden. Jetzt sollen sie Koch den «Ehrendienst» erweisen und ihn durch den Verentatag eskortieren.
In seiner Festpredigt spricht Koch von der Heiligen Verena und sagt: «Unser christlicher Glauben hat seine Wurzeln nicht bei uns.» Von Theben im heutigen Ägypten sei die Heilige nach Bad Zurzach gekommen, erzählt Koch. «Sie weitet uns damit den Blick, macht uns international.» Die jungen Erwachsenen, die eigens aus Toronto/Kanada zum Festgottesdienst angereist sind, dürften es mit Interesse vernommen haben. Ihre koptische Gemeinde hat ebenfalls Verena als Kirchenpatronin.
Die SRF-Fernsehkamera nimmt sie während der Heiligen Messe auch ins Bild, wenn sie nicht lange Fahrten über Orgel, Statuen oder Bilder unternimmt. « Soviel ich weiss, ist es das erste Mal, dass das Schweizer Fernsehen den Gottesdienst am Verenatag in Bad Zurzach live überträgt», berichtet Produzentin Christine Stark. «Jede Kirche hat ihre ganz eigenen Herausforderungen», weiss die Redaktorin. Hinterher, nach knapp einer Stunde Sendezeit, kann sie eine positive Bilanz ziehen: «Es war eine Punktlandung.» In der Hauptprobe am Samstag waren sie noch fünf Minuten drüber. So konnten sie für die Live-Sendung den Gottesdienst da und dort straffen. «Die Gemeinde St. Verena hat da sehr professionell mitgewirkt», lobt die Fernseh-Frau.
Priester Andreas Stüdli ist nach dem Gottesdienst erleichtert: «Das ist mein erster Verenatag in Bad Zurzach und dann auch noch mit dem Fernsehen.» Anspruchsvoll sei es schon gewesen, eine zeitlich streng durchgetaktete Messe zu zelebrieren. Die Tatsache, dass ihm heute nicht nur die zuschauen, die im Zurzacher Münster sitzen, sondern noch weitere tausende zuhause an den TV-Geräten, hat ihn aber nicht nervös gemacht: «Da ist man als Pfarrer schon Profi genug, das auszublenden.»

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