Kleindöttingen

Velos im Wert von 200'000 Franken geklaut – nun standen die Diebe vor Gericht

Velos im Wert von 200‘000 Franken geklaut

Im Velo-Geschäft von Walter Keller wurden 2018 hochwertige Velos gestohlen – so berichtete Tele M1 darüber.

Einbrecher klauten 2018 in Kleindöttingen und am Zürichsee teure Velos aus Fahrradgeschäften. Nun fand der Prozess gegen drei Balten unter speziellen Bedingungen statt.

40 hochwertige Velos im Wert von rund 200'000 Franken hatten Diebe im Mai 2018 aus einem Fahrradgeschäft in Kleindöttingen gestohlen. Wenige Tage vorher gingen diese offenbar auf ähnliche Art und Weise in einem Velogeschäft am Zürichsee vor. So erbeuteten sie insgesamt 74 Fahrräder im Gesamtwert von 426'000 Franken, die sie anschliessend mit einem Lieferwagen nach Deutschland transportierten. Dabei richteten sie Sachschäden in Höhe von 6200 Franken an.

Nun hat am Montag der Prozess gegen zwei lettische Brüder und einen Litauer im Bezirksgericht Horgen stattgefunden. Die Beschuldigten befänden sich bereits seit April 2019 in Haft, weswegen eine sogenannte «Überhaft» drohte, wie die NZZ berichtet. Daher sei der Prozess unter speziellen Corona-Bedingungen durchgeführt worden. So verteilten sich die drei Beschuldigten, drei Verteidiger, zwei Staatsanwälte, sechs Polizisten, eine Russisch-Dolmetscherin, mehrere Anwaltsgehilfen und drei Journalisten auf insgesamt vier Gerichtssäle. Für Befragungen mussten die Beschuldigten jeweils in den Hauptsaal wechseln, von dem aus per Video in die übrigen Räume übertragen wurde.

Per Telefon verraten

Die Polizei ist den Tätern per Zufall auf die Spur gekommen. Weil der in Deutschland wohnende Lette des Diebstahls von 200 Kilogramm Kokain verdächtigt wurde, überwachten deutsche Behörden sein Telefon, schreibt die NZZ im Artikel zum Prozess. Dabei habe die Polizei Gespräche abhören können, in denen der heute 39-jährige Verdächtige mit seinem jüngeren, 32-jährigen Bruder über die Velodiebstähle in der Schweiz sprach.

Beide Brüder haben die Beteiligung an den Velodiebstählen vor Gericht gestanden. Der jüngere mietete den Kleintransporter und half, die Velos in Deutschland auszuladen. Der ältere war zwar der Fahrer, will aber mit den Einbrüchen selbst nichts zu tun gehabt haben. Die am Telefon genannten Namen von zwei Mittätern führten schliesslich zur Verhaftung eines 43-jährigen Litauers. Letzterer bestritt vor Gericht jegliche Tatbeteiligung. Er sei im Jahr 2018 nie in der Schweiz gewesen. Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist dessen Handy jedoch an beiden Einbruchstagen im aargauischen Frick eingeloggt gewesen. Dort wurde der Mann im April 2019 verhaftet. Dabei fand die Polizei neben einer Sturmhaube im Auto auch eine Liste von 50 Velogeschäften und Drogerien in der Schweiz.

Verteidiger verlangte Freispruch

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Verurteilung wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Geldwäscherei sowie Freiheitsstrafen von 5 respektive 2,5 Jahren sowie einem Jahr. Zudem sollen die drei Beschuldigten, die alle bereits mehrfach vorbestraft sind, für 7 Jahre des Landes verwiesen werden.

Die Anwälte der beiden Brüder plädierten auf auf 9 Monate für den jüngeren und maximal 12 Monate für den älteren. Der Verteidiger des mutmasslichen Haupttäters forderte sogar einen Freispruch. Zudem forderten die Anwälte über 70’000 Franken Genugtuung für die zu viel erlittenen Hafttage.

Das Urteil wird das Bezirksgericht Horgen am Dienstag nach Ostern eröffnen. (phh)

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