Bad Zurzach

VCS schaltet sich ein: «Diese Umfahrung ist unnötig»

Die Visualisierung zeigt das Nordportal der geplanten Ostumfahrung.

Die Visualisierung zeigt das Nordportal der geplanten Ostumfahrung.

Der VCS Aargau schaltet sich in die Diskussion um die umstrittene Ostumfahrung in Bad Zurzach ein. Diese sei «unnötig». Ganz anders sieht dies der Gemeinderat: «Es gibt keine Alternative.»

«Das Umfahrungsprojekt ist rücksichtslos den Anwohnern gegenüber. Die Strasse führt durch ihr Land», sagt Micha Siegrist, Geschäftsführer VCS Aargau. «Es ist problematisch, was man den Leuten unter dem Namen ‹Umfahrung› schmackhaft machen möchte.»

Siegrist redet von der umstrittenen Ostumfahrung in Bad Zurzach. «Eine Umfahrung bedeutet immer auch ein Neubau von Strassen. Diese erzeugen Mehrverkehr, brauchen Land, machen Lärm und belasten die Luft.»

Es sei nicht der Durchgangsverkehr, der den Flecken belaste, sondern zum grössten Teil der Binnen-, Quell- und Zielverkehr. Der Nutzen einer Umfahrung sei also marginal. «Dafür gibt es eine Verlagerung des Verkehrs in andere Gebiete.» Im Falle des Fleckens sei das ein ruhiges Wohnquartier.

Keine zusätzliche Umfahrung

Siegrist versteht nicht, weshalb der Flecken eine zusätzliche Umfahrung brauche. Normalerweise werde erst ab 15000 Fahrten durch eine Ortschaft über eine Umfahrung diskutiert. «In Bad Zurzach sind es etwa 9000.» Er kommt zum Schluss: «Die Ostumfahrung ist unnötig. Sie schadet nur und bringt nichts.» Er empfiehlt den Bad Zurzachern, noch mehr Unterschriften gegen das Projekt zu sammeln und später den Kredit für die Umfahrung zu verhindern. «Im Flecken gibt es gute Möglichkeiten, die Verkehrssituation auf der bestehenden Strasse erträglich zu machen.»

Letzte Woche hat die Gegnerschaft der Ostumfahrung eine Petition mit 135 Unterschriften eingereicht (az vom 29. Juni). Sie bittet die grossrätliche Kommission für Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung (UBV) dem Antrag des Regierungsrates für eine Festsetzung der Ostumfahrung im Richtplan nicht zuzustimmen. Eine Zustimmung würde bedeuten, dass die Umfahrung bald möglichst umgesetzt werde. Bisher ist die Ostumfahrung nur als Zwischenergebnis eingetragen. Mit dieser Petition versuchen die Gegner, früh in das Projekt einzugreifen. Damit soll verhindert werden, dass das gleiche wie in Mellingen geschehe, wo sich die Gegner zu spät formiert hätten, um sich gegen die Umfahrungsstrasse zu wehren.

«Eine Alternative gibt es nicht»

Franz Nebel, Gemeindeammann von Bad Zurzach, sah sich gezwungen, auf die Petition zu reagieren. Der Gemeinderat verfasste Antworten auf die von der Widerstandsgruppe verfassten Punkte gegen eine Umfahrung. In der Stellungnahme steht, dass die östliche Umfahrung von Bad Zurzach die einzige Möglichkeit sei. «Eine Alternative gibt es nicht.»

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Der Gemeinderat geht auch auf die Anwohner ein. Auf Nachfrage sagt Franz Nebel: «Direkt betroffen sind etwa 7 Häuser. Mit den Bewohnern suchen wir individuelle Lösungen.» Es werde auch abgeklärt, ob ein Verkauf des Hauses, und ein Umzug innerhalb des Fleckens, in Betracht käme. «Eine Enteignung wollen wir natürlich nicht, das wäre die letzte Möglichkeit.»

Entscheid lässt warten

Wenn die Kommission UBV des Grossen Rates der Bitte der Gegnerschaft Folge leisten würde, käme das einer Absage an die Ostumfahrung gleich. Franz Nebel betont: «Der Flecken muss vom Verkehr entlastet werden. Die Altstadt geht kaputt, das sieht man nur schon, wenn man die Häuser anschaut.» Die Gemeinde arbeitet schon länger an den flankierenden Massnahmen, die so oder so zum Tragen kommen. «Das Fleckenkonzept zur Verkehrsberuhigung ist schon weit fortgeschritten. Wir wollen Leben zurück in die Altstadt bringen», sagt der Gemeindeammann.

Auf Nachfrage bei Martin Keller, Kommissionspräsident UBV, ob er schon etwas über den Entscheid zur Ostumfahrung sagen könne, sagt der Grossrat: «Wir haben die Petition zur Kenntnis genommen und bei unserem Entscheid gewürdigt.» Publiziert werde dieser aber erst Mitte August. Er als Grossrat finde die Umfahrung aber sinnvoll. «Es ist ein gutes Projekt, das realisiert werden soll und damit den Flecken aufwertet.»

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