Man tat gut daran, sich mit einem Schirm auszurüsten, denn der Regen hielt, wie die Hundertschaften Besucherinnen und Besucher dieser siebten Kulturnacht, tapfer durch. Der fein duftende Safran-Risotto in der Wefi-Schreinerei in Bad Zurzach konnte einen allerdings auch zu einem längeren Aufenthalt im Trockenen verführen, erst recht wenn der in Zurzach aufgewachsene Gregor Loepfe, Musikredaktor bei Radio SRF, in die Tasten griff. Für die verhinderte Yumi Ito sprang die Sängerin Julia Schiwowa ein, die, mit allen musikalischen Wassern gewaschen, unter anderem Loepfes verjazzten Arien aus Georges Bizets Carmen interpretierte, ein ganz und gar exquisites Vergnügen.

Über hundert Künstler und Aussteller haben in der Nacht auf Sonntag das Kaleidoskop einer grossen kulturellen Vielfalt dargeboten. «Safer Sax» im Weingut in Hohentengen, Artistik und Comedy auf dem Bauernhof im Döttinger Sänneloch, zeitgenössische Malerei in der Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach oder Zithermusik in Hettenschwil - es war die Qual der Wahl, die den Besucher zur schieren Verzweiflung treiben konnte.

Fährmann hol über

Den Auftakt in Bad Zurzach machte die Eröffnung der Barzfähre zwischen Bad Zurzach und Kadelburg. «Fährmann hol über» riefen Landtagsabgeordneter Felix Schreiner und Landrat Martin Kistler ebenso wie Bürgermeister Manfred Weber, Kadelburg. Als Fährmann amtete der ehemalige Gemeindeammann von Mellikon, Paul Knecht, denn er verfügt, obligatorisch für die rund 15 Fährleute, über eine Lizenz für Motorboote, obwohl doch die Seilfähre von der Kraft des Stroms und nicht von einem Motor angetrieben wird. 15 000 Eurofranken (die neue Währung am Rhein) seien aufgewendet worden, um die Fähre wieder in Schuss zu bringen, erklärte Gemeindeammann Reto S. Fuchs, Bad Zurzach. Das sei gut investiertes Geld in die freundschaftlichen Beziehungen über den Rhein.

Barz-Brot und Parmaschinken

Die Fähre spielt auch in der Geschichte der Barzmühle eine Rolle. Wie Gottfried Rudolf von der Stiftung Barzmühle den Besuchern berichtete, kollidierten vor rund 220 Jahren drei Eglisauer Schiffe, beladen mit Salz, mit der Fähre, weil die damals noch im Fluss verankerte Schiffsmühle die Sicht behinderte. In der vor gut 15 Jahren restaurierten einzigen noch intakten Getreidemühle am frei fliessenden Rhein mahlen Gottfried und Trudi Rudolf einmal pro Jahr Mehl aus Weizen und Urdinkel und lassen vom Becker ein würziges und auch begehrtes Brot backen.

Während im Höfli-Museum im Bezirkshauptort der Klingnauer Alfred Mrose Kinder in die Kunst der Kalligrafie einführte, las die Journalistin Rosmarie Mehlin im Barrique-Keller der Tegerfelder Weinbauernfamilie Baumgartner gleichsam Amuse-Gueules für die Ohren. Vor oder nach der Grillwurst erfuhr der geneigte Zuhörer, dass der Parma-Schinken durchaus erotische Fantasien zu entfesseln vermag. Diese stossen allerdings ins Leere, wenn das Objekt der Begierde den Schinken mit einem Fussball assoziiert. Ein köstlicher Abend, den die originellste Jodlerin der Schweiz, Christine Lauterburg, abrundete.