In den Tagen nach dem 7. August 2016 musste sich Arak Kin einige Sprüche anhören. «Neuer Teambetreuer für die NLB», stand auf der Website des TV Endingen geschrieben, daneben das Foto von Arak Kin, ausgerechnet im Trikot des Kantonsrivalen SC Siggenthal. Sein Wechsel sorgte für Gesprächsstoff. «Anfangs hatte ich Mühe mit den Sprüchen, es war ein komisches Gefühl, als Ur-Siggenthaler zum TV Endingen zu gehen», sagt Kin und fügt an: «Heute kann ich darüber lachen.» Besonders gefreut habe ihn, als ihm die ehemaligen Weggefährten zum Cupfinal-Einzug mit dem TV Endingen gratuliert haben.

Als 9-Jähriger hat Kin 1990 mit dem Handballspielen begonnen. Minihandball hiess das damals. Der Verein seiner Wahl war der SC Siggenthal. In den folgenden Jahrzehnten durchlief er fast alle Stationen: Von Spieler über Trainer bis Teammanager. Dem Verein hielt er stets die Treue. Dann kam der August 2016. Kin wechselte als Teambetreuer zum TV Endingen und folgte damit Trainer Peter Szilagyi zum Aufstiegsfavoriten. Auch Endingens Captain Christian Riechsteiner dürfte eine Rolle gespielt haben: Einen Monat vor dem Wechsel gründeten er und Kin eine WG in Baden. «Natürlich hat er mir den Verein schmackhaft gemacht», sagt Kin.

Morgen (16 Uhr) treffen die beiden Teams in der «Go Easy»-Halle aufeinander. «Beim Gedanken daran kommen mir fast die Tränen», sagt der bald 36-Jährige. Es ist ein Treffen von Freunden. Von besten Freunden. Bereits das erste Aufeinandertreffen im Oktober war emotional. «Ich war unfassbar nervös und konnte vorher kaum schlafen», sagt Kin.

In Endingen hat er sich inzwischen gut eingelebt. Und als Spieler im Herren 3 (4. Liga) hält Kin auch dem SC Siggenthal weiterhin die Treue. Er kennt beide Vereine bestens. «Sie funktionieren ähnlich», sagt er, «die Basis beider Vereine bildet der Breitensport.» Und dennoch sei beim TV Endingen alles eine Spur professioneller. Gerade was die 1. Mannschaft betrifft. «Als ehemaliger Nationalliga-A-Klub hat der TV Endingen eine andere Vergangenheit und damit auch eine andere Erwartungshaltung. Das Budget ist grösser und man kann sich mit Nemanja Sudzum einen Vollprofi leisten.» Auch die Zahl der Trainings ist in Endingen höher als bei den Siggenthalern.

«Sieg wäre schön, wenn ...»

Der Leistungsgedanke, das Umfeld und die Kaderzusammenstellung wirken sich in der Tabelle aus: Endingen führt diese an und steht vor der Rückkehr in die höchste Liga. Siggenthal/Vom Stein kämpft gegen den Abstieg. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gewinnen. Aber der Sieg wäre schöner, wenn Siggenthal bereits gerettet wäre.» Schenken werde man sich im «Derby der Freunde» nichts, ist Kin überzeugt. «Wir benötigen jeden Punkt für den Aufstieg, Siggenthal jeden für den Ligaerhalt.» Und wer verliert, müsse sich danach im Ausgang Sprüche anhören.