Fisibach

Unsicherheit statt Aufbruchstimmung: Möglicher Exit aus dem Aargau wühlt Gemeinde auf

Trügerische Idylle: Der Dorffrieden wird in Fisibach auf die Probe gestellt.

Trügerische Idylle: Der Dorffrieden wird in Fisibach auf die Probe gestellt.

Der vorgeschlagene Kantonswechsel teilt die Zurzibieter Gemeinde Fisibach. Auch in Zürich löst die Idee gemischte Gefühle aus.

Ein Wortspiel macht in Fisibach die Runde: «Fixit». Das Zurzibieter Pendant zum Brexit. Seit die Stimmbürger an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung dem Überweisungsantrag auf einen Wechsel in den Kanton Zürich zustimmt haben, ist es mit der Beschaulichkeit im kleinen Dorf am Hochrhein vorbei.

Die Stimmung ist aufgekratzt. Wer sich im Ort umhört, erhält nicht den Eindruck von einer Aufbruchstimmung. Es dominiert vielmehr Unsicherheit. Einige bereuen bereits ihren Entscheid, andere finden, dass nun eine dringend nötige Diskussion angestossen worden sei.

Auch an Gemeindeammann Marcel Baldinger gingen die letzten Tage nicht spurlos vorbei. Er erhält Reaktionen von Bewohnern, die ihm erklären, dass sie den Finger nicht nochmals in die Höhe strecken würden. Welche Folgen das Ja für den angestrebten Kantonswechsel haben wird, lässt sich schwer abschätzen. Als Nächstes ist nun der Regierungsrat am Zug, der das Begehren der Zurzibieter Gemeinde prüfen wird.

Fisibach steht mit einem Schlag vor neuen Herausforderungen. «Aber vermutlich nicht so, wie sich das viele vorgestellt haben», glaubt Marcel Baldinger. Auch ihn umtreiben Gedanken. Die Frage steht im Raum: Soll er im Herbst nochmals als Ammann kandidieren. Er, der einem Kantonswechsel offenkundig skeptisch gegenübersteht.

Bräuchte es jetzt nicht Kräfte, die mit voller Überzeugung hinter der Idee stehen und den eingeschlagenen Weg glaubhaft vertreten? Drei seiner Gemeinderatskollegen haben einem möglichen Anschluss an Zürich zugestimmt. Baldinger will in Kürze bekannt geben, ob er an den Gesamterneuerungswahlen nochmals antreten wird.

Besorgte Bürger auch in Weiach

Die Fisibacher Wechselgelüste sorgen auch in der Nachbargemeinde Weiach für viel Gesprächsstoff. An einer Informationsveranstaltung waren diese Woche so viele Personen wie noch nie anwesend, hat Gemeindepräsident Stefan Arnold bemerkt. Auf der Traktandenliste war der Punkt «Rheintal+» zwar nicht aufgeführt, dennoch wurde unter «Diversem» zu diesem aktuellen Thema Stellung genommen.

«Die Leute wollten wissen, was der Entscheid der Fisibacher für Auswirkungen auf unsere Gemeinde haben könnte», sagt Arnold. Man habe das Abstimmungsresultat der Fisibacher zur Kenntnis genommen. Ein Zusammenschluss wird in Weiach aber nicht als dringlich erachtet.

Schliesslich wurde nicht über eine Fusion, sondern lediglich um einen Kredit für eine vertiefte Prüfung eines Zusammenschlusses mehrerer Aargauer Gemeinden abgestimmt. Weiach als eine der am stärksten wachsenden Gemeinden der Schweiz habe zurzeit andere Aufgaben zu bewältigen, als zusätzlich Fusionsgespräche anzureissen, heisst es.

Einem Kantonswechsel etwas Positives abgewinnen könnte dagegen Daniel Frei. Der SP-Kantonsrat aus dem Bezirk Dielsdorf bringt für die Argumente der abwanderungswilligen Fisibacher Verständnis auf. Ähnlich klingt es bei Monika Stadelmann, der SP-Grossrätin aus dem Bezirk Zurzach. Sie kann die Beweggründe nachvollziehen.

«Die Fisibacher befinden sich am Rand einer Randregion und fühlen sich in finanzpolitischen Fragen oft benachteiligt.» Stadelmann sagt es etwas plakativ: «Ich würde den Austritt bedauern, weil das Fusionsprojekt Rheintal+ den Fisibachern Chancen eröffnen würde. Auf der anderen Seite soll man Reisende nicht aufhalten.»

Nicht abbringen von der Idee eines Wechsels lässt sich an diesem Morgen ein Fisibacher, der sich gerade auf dem Weg an seinen Arbeitsort nach Zürich befindet. «Fixit bedeutet nicht nur Austritt.» Fix it heisse übersetzt auch reparieren, für Dinge, die falsch gelaufen sind.»

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