Am Freitagabend lud der Gemeinderat die Bevölkerung ein, um über den Ausbau der Asylunterkunft in Rekingen zu informieren. Neben den aktuell 81 Asylsuchenden quartiert das Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) in zusätzlichen sechs Wohnungen bis zu 60 weitere Flüchtlinge ein. Der neue Mietvertrag ist fünf Jahre gültig.

Für die Bevölkerung eine befremdliche Nachricht, denn: 2009 soll das DGS versprochen haben, keine weiteren Asylsuchenden einzuquartieren. Die Rekinger fühlen sich hintergangen und stellen der Departementsvorsteherin Susanne Hochuli drei Forderungen.

Rekingen stellt Bedingungen

„Wir wollen keine weiteren Asylsuchende aus dem Maghreb“, betont Gemeindeammann Werner Schumacher. Die Erfahrungen nach dem Arabischen Frühling hätten gezeigt, dass besonders diese Klientel den Beamten Probleme bereiteten. Der anwesende Repol-Chef, René Lippuner, bestätigt dies.

„Weiter wollen wir keine Familien aufnehmen“, sagt Schumacher. Was herzlos klingen mag, habe einen berechtigen Hintergrund: Denn die Kinder müssten - ohne ein Wort Deutsch zu verstehen - in Rekingen zur Schule. „Das bedeutet einen riesigen Mehraufwand und somit extreme Kosten“, so der Gemeindeammann.

„Und wir wollen eine finanzielle Abgeltung vom Kanton.“ Denn die Belegung von zwölf Wohnungen bedeute einen potenziellen Steuerausfall von zwölf Familien.

Susanne Hochuli und ihre Begleitschaft kommentierten diese letzte Forderung am Infoabend noch nicht.

Die ersteren beiden sind bereits erfüllt: In Rekingen sind nur Einzelmänner, vornehmlich aus Syrien, Eritrea und Afghanistan untergebracht. Der Wohnungsbezug der Neuankömmlinge ist – entgegen ersten Meldungen - für Mitte November geplant.

„Das Gesetz wird missbraucht“

Der Unmut in der Rekinger Bevölkerung bleibt gross. Insbesondere, weil der Kanton vor fünf Jahren versprochen haben soll, keine weiteren Wohnungen in der Gemeinde zu mieten. „Damals war ich noch nicht im Amt“, verteidigt sich Hochuli. Sie sei zwar ebenfalls der Meinung, dass es nicht gerecht sei, einer solch kleinen Gemeinde so viele Asylbewerber zuzuschieben. „Doch die Anzahl Asylsuchenden steigt dieses Jahr wieder sprunghaft. Zudem missbrauchen zahlreiche Gemeinden den gesetzlichen Spielraum und kaufen sich mit der Ersatzabgabe frei – darum müssen wir nehmen, was wir bekommen.“

Das DGS will dieser „mangelnden Solidarität“ jedoch bald einen Riegel schieben. „Die jetzige Ersatzabgabe von 10 Franken pro Asylbewerber und Tag ist zu attraktiv“, sagt Stephan Campi, Generalsekretär des DGS. Ab Januar 2016 soll sie durch die sogenannte Ersatzvornahme abgelöst werden: Dann müssten die Gemeinden jene Kosten übernehmen, die durch die Umverteilung der Asylsuchenden entstünden.

„Die Ersatzzahlung wird dadurch massiv höher ausfallen. Dann überlegen sich die Gemeinden zweimal, ob sie wirklich keine Asylbewerber aufnehmen wollen.“

Das besänftigt die Rekinger nur bedingt. Sie befürchten, dass auch der letzte Teil der Liegenschaft bald zur Asylunterkunft umfunktioniert wird. „Würden Sie ein solches Angebot annehmen?“, fragt ein Bürger eindringlich. Nach längerem Zögern antwortet Hochuli schliesslich: „Nein, es wird in Rekingen kein weiterer Vertrag unterzeichnet.“