Rosmarie Mehlin sah eine Aufführung des Erfolgsstücks von A. R. Gurney am Kurtheater Baden – vor vielen Jahren, und war derart begeistert, dass sie es selber spielen wollte. Der Traum wurde wahr, als die damalige Redaktorin des Badener Tagblatts, mithin ausgebildete Schauspielerin, im Kaiserstuhler Jon Laxdal den idealen Bühnenpartner fand.

Nun, 15 Jahre später, wird das Stück auf der gleichen Bühne wieder aufgeführt. Diesmal ist Mehlins Partner Bruno Meier, der während der Laxdal-Ära oft brillierte. Regie führt Theaterleiter Peter Niklaus Steiner.

Das 1988 uraufgeführte Stück besteht aus Brief-Dialogen. Die sich die «Love Letters» schreiben, sind Andy Makepeace und Melissa Gardner, zwei Königskinder, die zueinander nicht kommen, voneinander aber auch nicht lassen können. Melissa aus reichem, Andy aus gutem Haus. Angefangen vom Kennenlernen der Schulkinder bis zu Melissas Tod spannt sich die Beziehungskiste.

Eifersucht und Sehnsucht, Annäherung und Abweisung, Entfremdung und Anziehung – die inszenierte Lesung der Briefe entwickelt sich zu einem weiten Panorama der Gefühle. Witzig, ironisch, feinfühlig, romantisch, hin und wieder schnoddrig, wenn Melissa zur Feder greift, werden die kleinen Probleme und grossen Sorgen ausgebreitet.

Er trifft seine Entscheidung reiflich überlegt, beflissen, oft pedantisch und macht Karriere als Jurist und Senator. Sie ist spontan und unberechenbar, chaotisch und launisch, wird Künstlerin. Beide heiraten, haben Kinder. Doch Melissa scheitert auch in der Ehe und verliert, dem Alkohol verfallen, das Sorgerecht über ihre Kinder.

Das wahre Ich nicht in den Briefen

«Wie konnte die Welt nur so verschiedene Menschen hervorbringen», schreibt Melissa verzweifelt: «Du bist das Einzige, was ich noch habe, mein einziger Halt.» Doch Andy verweigert sich. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere will er wieder gewählt werden. Eine Affäre, von der Presse ausgeschlachtet, würde schaden. Er ist überzeugt: «Wenn wir heiraten, würde es nur eine Woche dauern.» – «Aber, wir können uns ja Briefe schreiben.»

Schreiben bedeutet für Andy, sich hinsetzen, seine Gedanken ordnen. Noch mehr: «Wenn ich Dir schreibe, fühle ich mich wie ein echter Liebhaber.» Ordnung ist mithin sein Lebensprinzip, während Melissa verzagt: «Das wahre Ich und das wahre Du findet sich nicht in den Briefen. – Diese ganze Schreiberei hat alles versaut.»

Rosmarie Mehlin und Bruno Meier haben dem begeisterten Premierenpublikum einen berührenden, feinsinnigen, und vor allem auch vergnüglichen Theaterabend beschert. Es ist eine dialogische Lesung; die beiden Schauspieler sitzen während der ganzen Aufführung nebeneinander am Tisch.

Doch ihr diskretes Minenspiel, die zurückhaltende, aber gezielt eingesetzte Gestik spiegeln und betonen die Brief-Botschaften und Gefühlslagen der beiden Briefeschreiber perfekt.

Love Letters von A. R. Gurney, Kaiserbühne im Amtshaus Kaiserstuhl, Fr, 13./Sa, 14., und So, 15. April, 20 Uhr (Sonntag 17 Uhr).