«Und bitte!» Mit diesen Worten des Produzenten beginnt der Filmdreh der mittelalterlichen Szene. Ein junger Strassenmusiker spielt auf seiner Geige in der Gasse. Etwas Maschinennebel verdüstert die Szenerie. Ein Händler läuft abschätzend vorbei. Der Geiger schrummt weiter melodisch auf seinem Streichinstrument, während eine Mutter und ihr Sohn vorbeikommen. Die beiden halten inne und hören dem Musikanten einen Augenblick zu. Der Knabe wirft einige Geldmünzen in den Hut, der vor den Füssen des Geigers am Boden positioniert liegt, und geht mit seiner Mutter weiter. Der Geiger spielt noch weiter, während im Hintergrund eine ältere Frau mit einem Korb voll Eier und ein Mann mit einem Ziehkarren vorbeigehen.

Der Ausschnitt stellte eine Szene aus der Sage des Lindegigers dar. Sie diente als Drehauftakt zu mehreren Beiträgen der Videoproduktionsfirma TPC für die Unterhaltungssendung «SRF bi de Lüt» – Live. Diese wird am 25. Mai direkt vom Vorplatz des Verenamünsters in Bad Zurzach ausgestrahlt. Das Produktionsteam habe noch elf Einspieler vor sich, sagt Produzent Heikko Böhm: «Davon sind zwei Sagen des Lindegigers. Für einen Beitrag rechnen wir zwei Arbeitstage. So ergeben sich für uns rund 24 Drehtage.»

Die Sendung «SRF bi de Lüt» – Live bringt Zuschauern eine Region in der Schweiz näher. Im Mittelpunkt stehen Tradition und Brauchtum, Musik, Gäste und Live-Aktionen. Das Format ist die grösste Open-Air-Unterhaltungssendung des Unternehmens, die vom Moderationsduo Nik Hartmann und Annina Campell moderierte wird. Dass Bad Zurzach als Ort des Geschehens auserkoren wurde, habe einen einfachen Grund, so Böhm: «Ein Kriterium ist immer die Frage nach dem Einsatz einer Gemeinde: Wie sehr will eine Gemeinde, wie stark setzt sich das Organisationsteam ein. Hier stimmte beides.» Im Dezember erhielt Bad Zurzach die Bestätigung, nachdem sich die Gemeinde im Herbst 2018 beim SRF beworben hatte.

Die Sage des Lindegigers findet Ende Mai ihren Platz in der Livesendung, auch durch Mitplanung der Gemeinde, erklärt Böhm: «Die Geschichte ist für die Bevölkerung der Region offenbar sehr präsent. Es gibt noch andere Sagen, die des Lindegigers schien uns aber am besten umsetzbar.» Die Sage des Lindegigers handelt von einem seit vielen Jahren verstorbenen Geiger, dessen Geist in der «Gigerlinde» bei Tegerfelden wohnte, Geige spielte und Schabernack trieb. «Eine Geschichte mit Drachen wäre bei der Inszenierung schwierig gewesen», erklärt Böhm. Ein Sagenelement gehöre überdies zu jeder Sendung der Reihe dazu, bei der Produktion wirken jeweils fünf bis zehn Statisten mit.

Für die Gemeinde Bad Zurzach ist der Live-Event von SRF ein Höhepunkt in diesem Jahr. Nachdem der «Donnschtig-Jass» im letzten Sommer bereits in Klingnau stattfand, geniest das Zurzibiet nun wieder mediale Aufmerksamkeit, freut sich Daniel Baumgartner, Gemeindeschreiber von Bad Zurzach, auch wenn sich dabei Einschränkungen im Dorf ergeben: «Insbesondere in der Sendewoche sind wir auf das Verständnis der Anwohner und des Gewerbes angewiesen.» Durch die Sendung wird das Ortszentrum teilweise für den Verkehr gesperrt, zudem fällt der Frühlingsmarkt dieses Jahr aus.

Vom Theater zum Fernsehen

Unter den sechs Statisten der Lindegiger-Szenen befinden sich auch zwei Mitglieder des Laientheaters Latz Zurzach. Einer davon ist Patric Much, der zum ersten Mal in einer Fernsehproduktion mitwirkt und den Händler spielt. «Das unterscheidet sich zur Bühne insofern, da man beim Fernsehen die Szene nochmals neu drehen kann», sagt Much und lacht. Auch in eine Rolle schlüpfen durfte Karin Fuchs. Die Frau des Zurzacher Gemeindeammanns Reto S. Fuchs spielte die Frau mit dem Eierkorb: «Ich durfte schon beim Kinofilm über Papa Moll mitspielen. Mit den Sagenszenen über den Lindegiger kann ich weiter Filmerfahrung sammeln.»

Neben der Rathausgasse, wo die Szene mit dem Lindegiger als Strassenmusiker spielte, ist auch die Rosengasse in Bad Zurzach ein weiterer Drehort eines Sageneinspielers. Am Donnerstag drehte die Crew in Schupfart. Weitere Drehtage bis zur Sendung folgen um Bad Zurzach sowie in Endingen.

Bad Zurzach in Bildern: