Eigentlich schien beim TV Endingen alles in trockenen Tüchern: Der Aufstieg war nach nur einer Saison in der Nationalliga B geschafft, die letzten Personalien waren geklärt: Rückraumspieler Armin Sarac wechselt zum Finalgegner aus Stäfa und Flügelspieler Tano Baumann zieht es zum HV Olten.

Doch dann erfuhr die AZ von einem Anruf des zypriotischen Goalies Christophoros Nungovitch. «Er rief uns aus den Ferien an», bestätigt Christian Villiger, der Geschäftsführer der GmbH. «Eigentlich zu spät aus unserer Sicht.»

Er sagte uns, dass er ein Angebot von Spartak Moskau vorliegen habe. Und dies zeigt ja, dass er willig ist, zu gehen», schildert Villiger die Situation. Das Problem: Grundsätzlich läuft der Vertrag mit Nungovitch noch bis zum Ende der kommenden Saison.

Goalie Christophoros Nungovitch hat sich die Meister-Zigarre verdient.

Goalie Christophoros Nungovitch hat sich die Meister-Zigarre verdient.

«Es kam für uns völlig überraschend», sagt Villiger, der schon lange dabei ist und schon vieles erlebt hat.

Was tun? Auf dem Vertrag beharren?

Sollte der TV Endingen nicht auf dem gültigen Vertrag beharren? Auch das war ein Thema bei den Verantwortlichen der Surbtaler. «Doch dann hätte er für uns spielen müssen. Und die Betonung liegt auf müssen», so Villiger.

Ob die Motivation von Nungovitch noch gross gewesen wäre, beim TV Endingen statt in Moskau die Bälle abzuwehren, wäre zumindest fraglich gewesen. So wollte der TV Endingen mindestens die Auslagen rückerstattet haben, die aus der Verpflichtung eines neuen Torhüters entstehen.

Denn auch die Endinger müssen zu diesem späten Zeitpunkt einen Goalie aus einem laufenden Vertrag herauskaufen. Zudem verlangten sie noch eine Schippe drauf.
Aufmerksam geworden sind die Moskauer auf Christophoros Nungovitch an einem Vorbereitungsturnier vor der letzten Saison, als die Russen in der Go-Easy-Arena in Siggenthal Station spielten.

Dieses Turnier steht im August wieder an. Mit dem Unterschied, dass weder Nungovitch noch Moskau dabei sein werden. Und es bleibt zu hoffen, dass nicht wieder ein ausländischer Verein einen Spieler so kurzfristig aus einem laufenden Vertrag holt.

Trainer Zoltan Majeri wusste Rat

So machten sich die Endinger mit Feuereifer daran, einen Ersatz zu finden. Es bestanden auch Kontakte zu drei Keepern in der Schweiz, diese zerschlugen sich indes alle aus unterschiedlichen Gründen. Doch Endingens Trainer Zoltan Majeri war nicht nur selbst ein exzellenter Goalie, sondern ist auch in ganz Europa vernetzt. So konnten die Surbtaler den 2,03 Meter grossen Tschechen Vit Schams verpflichten.

Bereits ab dem 22. Juli wird der Hüne für die zweite Vorbereitungsphase dabei sein. Damit haben die Endinger mit Schams und Dennis Grana zwei äusserst grossgewachsene Keeper, was möglicherweise auch Auswirkungen auf ihr Deckungsverhalten haben wird. «Ich möchte mich in einer besseren Liga behaupten», erklärt der 28-jährige Schams, der alle Junioren-Nationalteams seines Landes durchlaufen hat und der kürzlich auch für die Nationalmannschaft aufgeboten wurde.

«Ich möchte hart arbeiten und mich weiter verbessern. Ich denke, dass ich das mit dem TV Endingen kann», ergänzt der tschechische Cupsieger. «Ich freue mich auf die neue Herausforderung und mein erstes Auslandsengagement», sagt er.«Schams wird uns dank seiner individuellen Klasse nochmals einen Schritt nach vorne bringen», ist Trainer Majeri überzeugt. So ist bei Endingen nach einem kurzen und heftigen Intermezzo wieder alles in trockenen Tüchern, um die Vorbereitung auf die anstehende Saison in der Nationalliga A in Angriff zu nehmen.