Kleindöttingen

Typisch Rumpold, typisch Schweizer! Der Schwergewichts-Champ passt nicht ins Boxer-Schema

Eingerahmt von Box-Legenden: Stefan Rumpold in seinem Trainingsraum in Kleindöttingen.

Eingerahmt von Box-Legenden: Stefan Rumpold in seinem Trainingsraum in Kleindöttingen.

Stefan Rumpold ist zum zweiten Mal Schweizer Meister im Schwergewicht geworden. Dabei macht er mehr den Eindruck eines sanften Riesen. Sein Vorbild ist allerdings ein Boxer, der für Pöbeleien bekannt ist.

Stefan Rumpold öffnet die Haustüre seiner Wohnung in Kleindöttingen. Sieht so ein Schwergewichtsboxer aus, der seine Gegner reihenweise auf die Bretter schickt? Der 26-Jährige ähnelt eher Dario Cologna. Nicht nur äusserlich.

Eine smarte Erscheinung. Zurückhaltend, höflich, bedacht in seiner Wortwahl. Lieber einmal einen Satz weniger, als einer zuviel. Keiner der mit Entgleisungen auf sich aufmerksam macht. Von Exzessen ganz zu schweigen. Ein Gang durch die Wohnung verstärkt den ersten Eindruck. Hier hat alles seinen Platz, hier ist peinlichst aufgeräumt. Rumpold gibt den perfekten Schwiegersohn ab. Seit einem Jahr lebt er hier mit seiner Partnerin. Ausgerechnet dieser sanfte Riese wurde im vergangenen November in St. Gallen zum zweiten Mal Schweizer Meister in der Gewichtsklasse bei den ganz schweren Jungs, der Kategorie bis 91 Kilogramm, der Königsklasse.

Wir gehen einen Stock tiefer. Im Untergeschoss hat sich Stefan Rumpold seinen Trainingskeller eingerichtet. Auch hier herrscht Ordnung. Die Hanteln sind sauber aufgereiht. «Ich entspreche eher dem Bild des typischen Schweizers», sagt er von sich aus. Rumpold kann mit dieser Schubladisierung sehr gut leben. Weil sie zutrifft. Sein Werdegang hat mehr mit jenem eines Roger Federers gemein, als mit jenem von David Haye, seinem Box-Vorbild, der nebst seinen Schlagkünsten vor allem durch die ständigen Pöbeleien auffällt.

Politisch immer korrekt

Rumpold wuchs behütet in Klingnau auf. Er machte die kaufmännische Lehre auf der Neuen Aargauer Bank. Sportlich versuchte er sich zunächst im Fussballklub und bei den Handballern. Beides war ihm zu langweilig. Er liess sich zum Kantonspolizisten ausbilden, wie sein Onkel und sein älterer Bruder Mark. Inzwischen arbeitet er auf dem Posten in Bad Zurzach. Zum Kampfsport fand er erst mit Neunzehn. Er wählte eine Disziplin, die gegen aussen ein politisch korrektes Bild abgeben sollte. Oder wie es Rumpold nennt: «Die gesellschaftlich akzeptiert ist.» Deshalb Boxen.

Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Drei Jahre nachdem er die Handschuhe erstmals geschnürt hatte, wurde der Athlet des Boxclubs Brugg Schweizer Meister. Letzten November liess er den zweiten folgen. Und was kommt danach? Der dritte, der vierte? Ist das Anreiz genug? Olympia-Teilnahme oder vielleicht Profi? Ersteres ist wahrscheinlich, Letzteres bleibt Wunschdenken.

Stefan Rumpold boxt – und spricht über seine Ziele.

Stefan Rumpold boxt – und spricht über seine Ziele.

«Die Schweiz hat im Boxen zwar Fortschritte gemacht. Der Abstand zu den führenden Nationen ist aber noch immer beträchtlich.» Einer, der Rumpold davon ein Lied singen kann, heisst Davide Faraci. Als einer der international erfolgreichsten Schweizer Boxer verpasste er die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London knapp. Warum ausgerechnet Faraci? Die beiden wohnen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Willkommen in Kleindöttingen, der «Box-Hauptstadt der Schweiz».

Stefan Rumpold lässt sich angesichts dieser Aussichten nicht entmutigen. «Ich bin 90 Prozent Realist und 10 Prozent Träumer.» Von den weltweit rund 1500 lizenzierten Schwergewichtsboxern können vielleicht 15 wirklich davon leben. Dass ausgerechnet Rumpold zu diesem kleinen Kreis zählen soll, hält er selbst für utopisch. «Dafür sind die Rahmenbedingungen bei uns zu schwierig.»

Trainings und Wettkämpfe baut er um seinen Job herum. 15 bis 20 Stunden im Kraftraum und im Ring kommen wöchentlich zusammen. Ein Bruchteil dessen, was die internationale Konkurrenz investiert. Dennoch wird Stefan Rumpold in diesem Jahr vermehrt Kämpfe im Ausland bestreiten.

Das Highlight wartet auf ihn am 21. Mai ausserhalb des Rings. An diesem Tag bestreitet David Haye seinen nächsten Kampf in London. Läuft alles nach Plan, sitzt Stefan Rumpold im Publikum und wird für einen Abend Teil des Box-Univerums sein. «Darauf freue ich mich.» Ebenso gerne reist er danach wieder zurück in seine kleine, überschaubare Welt nach Kleindöttingen. Typisch Stefan Rumpold, typisch Schweizer.

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