Schon seit knapp zehn Jahren fliegen keine gelben Filzbälle mehr über die Tennisplätze im Sportcenter in Lengnau. Doch erst jetzt soll der Wegweiser mit dem Schläger und dem Ball an der Hauptstrasse verschwinden. Und durch das Schild «Eventhalle Lengnau» ersetzt werden. Ein entsprechendes Umnutzungsgesuch der Sport- in eine Eventhalle liegt bis zum 3. September auf der Bauverwaltung in Unterendingen auf.

Der grüne Teppich im Innern der Halle ist bereits verschwunden und mit weissen Platten ersetzt worden. Die Decke zieren weisse Tücher und zahlreiche Kronleuchter. An die früheren Tennisplätze erinnert nichts mehr. Seit 2018 gehört das ehemalige Sportcenter Tahir Fesli. «Hier finden jetzt vor allem Hochzeiten, Seminare, Geschäftsanlässe oder Bankette statt», sagt der Fislisbacher. Auf die Halle stiess er, als seine Tochter heiratete und einen geeigneten Saal für die Feier suchte. Kurzerhand entschloss er sich, die Halle zu kaufen.

Die Eventhalle Lengnau:

Halle über Landesgrenze hinaus bekannt

«In unserer Kultur sind grosse Hochzeitsfeste wichtig», sagt der kurdische Alevit. Bei Türken, aber auch Tamilen, Südländern oder im Balkan würden an Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder nach Todesfällen jeweils mehrere hundert Personen teilnehmen. «Deshalb sind Hallen wie hier in Lengnau sehr gesucht», sagt er. Die Lage im Industrieareal sei ideal, und auf 1800 Quadratmetern gebe es genügend Platz. Zudem sei die Halle aufgrund von Hochzeitsfesten in den vergangenen Jahren bereits über die Schweizer Grenze hinaus bekannt geworden.

Schon seit Mai organisiert Feslis Schwager, Hüseyin Vural, mit seiner Frau und seiner Schwester insbesondere Hochzeiten, an denen bis zu 1900 Gäste teilnehmen. Sie sorgen für die Dekoration oder das Essen. «Wenn keine Tische, sondern nur Stühle aufgestellt werden, haben sogar bis zu 3000 Personen Platz», sagt Hüseyin Vural. Neben Hochzeiten möchten sie auch Bankette, Seminare, Geschäftsanlässe oder andere private Feiern organisieren. Wie sie die Halle auch unter der Woche auslasten können, wissen sie noch nicht genau. «Da sind wir noch auf Ideensuche», so Fesli. «Denkbar wäre, wie früher im ehemaligen Restaurant zwei, drei Mittagsmenüs anzubieten.»

Gemeinde rechnet mit Widerstand

Gegen die Umnutzung hat die Gemeinde grundsätzlich nichts einzuwenden, sagt Gemeindeschreiber Anselm Rohner. «Bei den Hochzeiten handelt es sich um private Anlässe, die auch ihren Platz haben sollen.» Aber gleichzeitig solle das Wohngebiet nicht beeinträchtigt werden. Denn je nach Lautstärke der Musik kann dies bis in den Steig hinauf schallen. Und bei türkischen Hochzeit sei es Tradition, dass die Geschenke zu Paukenschlägen übergeben werden.

Da könne es schon laut werden, so Rohner. Deshalb kann sich der Lengnauer Gemeindeschreiber vorstellen, dass es Anwohner geben könnte, die Einwendungen gegen das Vorhaben einreichen. «Mit baulichen Massnahmen besteht aber die Möglichkeit, allfälligen Lärm einzudämmen.»

Mit den neuen Klimaanlagen sei das Lärmproblem bereits stark reduziert, ist Besitzer Tahir Fesli überzeugt. «Denn so können die Fenster geschlossen bleiben.» Und Schwager Vural ergänzt: «Ab 22 Uhr wird die Musik leiser gestellt. Ab Mitternacht ist meist Schluss.» Ansonsten würden sie eine Spezialbewilligung beantragen.

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