Schon vor Beginn der ausserordentlichen Gmeind am Mittwochabend wurde eifrig diskutiert. «Fisibach geht es doch gut, am besten lassen wir alles so, wie es ist», meinte ein Stimmbürger. «Es wird aber immer schwieriger alleine», entgegnete ein anderer. «Wenn wir nicht unabhängig bleiben können, dann sollten wir uns Richtung Zürich orientieren», sagte ein Dritter. Und weiter: «Ich verstehe nicht, wieso unser Gemeinderat nach dem Nein des Regierungsrats zum Kantonswechsel so schnell eingeknickt ist und das Thema ad acta legte.» Und schliesslich: «Es gibt nichts Neues zu diskutieren. Sagt Ja oder Nein. Die Gmeind dauert höchstens fünf Minuten.»

In der Tat stimmte Fisibach vor exakt fünf Monaten schon einmal über denselben Sachverhalt ab: den Kredit von maximal 55 000 Franken für die vertiefte Prüfung einer Fusion von insgesamt 10 Zurzibieter Gemeinden (Rheintal+). Doch es dauerte keine fünf Minuten, sondern eine Stunde, ehe sich die Stimmbürger neuerlich entschieden hatten. Im Gegensatz zum ersten Mal, als der Kredit mit 58:30-Stimmen abgelehnt wurde, sagte Fisibach diesmal mit 38:34-Stimmen knapp Ja (bei 2 Enthaltungen). Noch ist das Referendum möglich. Scheitert Fisibachs Comeback im Rheintal+-Verbund doch noch? Ammann Marcel Baldinger kann und will nicht glauben, dass die Gemeinde ein drittes Mal über den Kredit abstimmen wird.

Mehrkosten für die Extrarunde

Die Ängste waren auch am Mittwoch noch gross. Etwa, dass kleine Gmeinden wie das 458-Einwohner-Dorf bei einer Fusion nichts mitzubestimmen hätten und die Rahmenbedingungen von Bad Zurzach diktiert würden. Auch die Zusicherung des Regierungsrats, dass Fisibachs Schüler weiter in Zürich die Schule besuchen dürften, wurde angezweifelt. Denn für die Schulstandorte Weiach und Stadel ist die Zustimmung aller Vertragspartner, sprich der anderen fusionswilligen Gemeinden, nötig. «Wenn in Bad Zurzach die Schliessung der Oberstufe wegen zu geringer Schülerzahlen droht, dann müssen unsere Kinder bestimmt nach Bad Zurzach», so der Tenor.

Baldinger betonte, dass die Mitarbeit der Fisibacher Bevölkerung an den Workshops essenziell sei: «Die Anliegen unserer Gemeinde müssen im Fusionsvertrag enthalten sein. Einen Vertrag, der unseren Kindern den Schulbesuch in Zürich untersagt, werden wir kaum unterzeichnen.» Sauer stiess einigen auch auf, dass Fisibach für seine fünfmonatige Extrarunde mit Mehrkosten belastet wird. «Insbesondere Projektbegleiter Jean-Claude Kleiner hat für Rheintal+ bereits viel Vorbereitungsarbeit geleistet», erklärte die Projektleitung und ergänzt: «Deshalb müssten die Unterlagen für die geplanten Workshops der Fachgruppen bei einer Fisibacher Beteiligung von ihm intensiv nachbearbeitet werden.» Die Mehrkosten liegen im vierstelligen Bereich.

Aktiv die Zukunft gestalten

Die Befürworter entgegneten den Kritikern, man solle das Urteil erst am Ende des Prozesses fällen und nicht schon am Anfang. Schliesslich stimme man erst über eine vertiefte Prüfung ab und nicht über die Fusion. Letzteres dürfte erst im Herbst 2019 der Fall sein. Baldinger betonte, wie wichtig es sei, mit den Nachbarsgemeinden an einem Tisch zu sitzen und über die Gestaltung der Zukunft zu reden. «Ich weiss, dass jetzt viele Fisibacher nicht glücklich sind. Es war eng, aber das ist Demokratie.» Die Fisibacher können nun in den Arbeitsgruppen den Fusionsvertrag mitgestalten. Bereits konnten Teilnehmer für alle acht Facharbeits- und Echogruppen gefunden werden. Am 14. September findet der erste Workshop statt.