An der Bushaltestelle Brücke in Lengnau wird gebaut. Dabei wird die Geduld der Verkehrsteilnehmer auf die Probe gestellt. Der Bus muss während der Bauarbeiten Mitten auf der Strasse halten, ragt sogar ein Stück weit in den Kreisel hinein. «Es kommt zu Rückstaus», sagt Gemeindeschreiber Anselm Rohner. Bis Ende November sollte der Verkehr wieder ungehindert fliessen.

Doch weshalb werden an den beiden Haltezonen überhaupt Arbeiten ausgeführt? Denn seit April 2018 ist bekannt: Das Wartehaus Brücke und die anliegende Entsorgungsstelle sind ein Fall für das Verwaltungsgericht. Der Gemeinderat hatte ein Gesuch für Ausbauarbeiten gestellt, der Kanton hatte eine Einsprache gutgeheissen.

Die Lengnauer Exekutive akzeptiert den Entscheid des Aargauer Regierungsrats nicht und ging vor das Verwaltungsgericht. Das Urteil der letzten kantonalen Instanz wird erst im Frühjahr 2019 erwartet. «Die aktuelle Bautätigkeit hat nichts mit dem Fall vor dem Verwaltungsgericht zu tun», sagt Rohner, «dieses Urteil steht nach wie vor aus.»

Barrierefreier Zugang

Die momentanen Arbeiten betreffen den behindertengerechten Umbau der Bushaltestelle. Mit rund einem halben Jahr Verspätung wurden sie diesen Oktober in Angriff genommen. «Zur Verzögerung kam es, weil wir mit dem Kanton nochmals die Zahlen des Projekts durchgegangen sind», sagt Rohner. Die Gemeinde beteiligt sich zur Hälfte an den Kosten. Pro Bushaltestelle werden in der Regel 100'000 bis 150'000 Franken investiert.

Der Kanton will in den nächsten Jahren über 200 Haltestellen behindertengerecht gestalten. Dazu werden die Trottoirs erhöht, um Rollstuhlfahrern einen barrierefreien Zugang zum Postauto zu ermöglichen. In Lengnau wird die Pflästerung entfernt und stattdessen eine Betonplatte eingebaut. Die Haltekante des Trottoirs wird erhöht und der Einstiegsbereich verbreitert. «Die Arbeiten, die jetzt ausgeführt werden, haben aber keinen Einfluss auf den hängigen Gerichtsfall», sagt Gemeindeschreiber Rohner.

Gericht behandelt den Abstand

Vor Gericht geht es um das Baugesuch eines Buswarteraums, den Neubau einer Entsorgungshalle, Abstellplätze für Mofas und Velos und Unterflurcontainer (AZ vom 12. April). Im März hatte der Regierungsrat einen Punkt der Einsprache gutgeheissen. Der Abstand zur Kantonsstrasse sei zu gering und eine Ausnahme könne nicht erteilt werden.

Der Gemeinderat entgegnete: «Damit stirbt gemäss Regierungsrat das ganze Bauvorhaben mit den zusammenhängenden Gebäudebereichen Wartehaus Bus, Betriebsgebäude Regenbecken und Entsorgungsgebäude nur wegen der Frage des richtigen Abstands zur Kantonsstrasse.» Vorgängig, teilt die Gemeinde mit, hatte sie Abklärungen getroffen und von verschiedenen Amtsstellen signalisiert bekommen, dass die Abstände in Ordnung seien. Das Verwaltungsgericht wird diesen Widerspruch klären müssen.