In wenigen Wochen hat die Einkaufsstadt Waldshut kein Spielwaren-Fachgeschäft mehr. Das Traditionshaus May gibt Vedes Spiel + Freizeit in der Kaiserstraße 41-43 auf, informierte Geschäftsführer Ulrich Gröber bei einem Pressegespräch. Alle sieben Beschäftigten könnten bleiben und erhielten andere Arbeitsplätze innerhalb des Hauses, so der Firmenchef. Noch bis Ende Januar läuft der Räumungsverkauf. Nach voraussichtlich rund vierwöchigen Umbauarbeiten soll dann Ende Februar auf zwei Geschossen ein May-Wäsche-Haus eröffnen.

Das Angebot wird Tag- und Nachtwäsche für Damen und Herren, Dessous, Strümpfe, Socken, Bademoden, Homewear, Pflegeprodukte umfassen, und an einer Bar werden Kunden zu einem Tee eingeladen. Das neue Haus ist die Weiterführung der 2016/17 erfolgten Um- und Anbaumaßnahmen, durch die May seine Angebote im Bereich Mode erweitert hat, zusätzlich wurde ein Café eingerichtet. Bereits 2008 war nach einem Komplettumbau aus dem Kaufhaus ein Modehaus geworden. Die Entscheidung, die Spielwaren aufzugeben, ist dem Unternehmen nach Aussage von Geschäftsführer Ulrich Gröber schwergefallen. Nicht die nach seinen Worten nach wie vor vernünftigen Umsätze hätten den Ausschlag geben, sondern der Blick nach vorne: "Wir sehen die Zukunft der Spielwarenbranche schwierig und glauben, dass sie weiter unter Druck gerät, in Deutschland sterben überall Spielwarengeschäfte."

Die Konzentration des Spielwarenverkaufs auf die Zeit vor Weihnachten, massive Konkurrenz und Preisdruck durch das Internet macht er verantwortlich. "Speziell vor Weihnachten steigt die Bereitschaft, vom Sofa aus zu bestellen", so Gröber. Eine sich immer mehr zuspitzende Parkplatzproblematik verschärft nach Aussage des Geschäftsführers die Lage in Waldshut. Besonders vor Weihnachten und an Samstagen seien die Parkhäuser schon vormittags voll, deshalb wünscht sich das Haus May einen Dialog mit der Stadt. "Für die Besucher und die Leute, die hier arbeiten, für alle Geschäfte hier sind Parkplätze existenziell wichtig", sagt Gröber. Das neue Wäsche-Haus ist nicht das einzige Projekt des Hauses May. Im Herbst 2019 plant May die Eröffnung eines Restaurants im Neubau – auf den Flächen, auf denen sich bis zur Eröffnung des neuen Hauses die Wäscheabteilung befindet. Hier ist gegenwärtig auch die Kindermodeabteilung. Sie wird im Herbst 2018 eine neue Heimat finden, wo genau, ist noch offen.

Jochen Seipp, Sprecher des Werbe- und Förderungskreises Waldshut, meint zu der Schließung des Spielwarengeschäfts: "Die Digitalisierung verändert unwiderruflich den stationären Einzelhandel und somit das Stadtbild. Leider verringert sich die Angebotsvielfalt der Innenstadt durch die Aufgabe von Spielwaren Vedes. Die Politik könnte helfen, mit gleichen Gesetzen einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen – zum Beispiel bei der Unternehmensbesteuerung des Mittelstandes gegenüber globalen Online-Unternehmen."

Neben dem Fachhandel bieten in Waldshut-Tiengen mehrere Handelsketten Spielzeug als Randsortiment an. Einziges Spielwaren-Fachgeschäft in der Doppelstadt nach der Vedes-Schließung bleibt der alteingesessene Betrieb Max Fritz in der Hauptstraße von Tiengen. Klara Maier, seit 39 Jahren Inhaberin, sagt über die Perspektiven: "Es wird im Zeitalter des Internet immer schwieriger. Es gelingt uns nur zu bestehen, weil wir ein Familienunternehmen sind und jeder mit anpackt. Wir haben die Hoffnung, auch in Zukunft zu bestehen, weil wir sehr viel Wert auf Beratung legen."