«Leben wie vor 500 Jahren»

Teilnehmer am Pilger-Projekt: «Hoffentlich halten die Schuhe»

© Merly Knörle

Noël Emmenegger aus Hettenschwil ist einer von fünf Pilgern am Projekt «Leben wie vor 500 Jahren» des Radio und Fernsehens SRF. Er erklärt, wovor er am meisten Respekt hat.

Wem es pressiert, der erreicht heute Fribourg mit dem Auto von Basel in gut anderthalb Stunden. Wer es gemütlicher mag, der kann die Strecke vom Rheinknie in die Saanestadt auch in knapp zwei Wochen zu Fuss zurücklegen. So wie Noël Emmenegger aus dem Leuggemer Ortsteil Hettenschwil. «Leben wie vor 500 Jahren» heisst das Sommerprojekt von Radio und Fernsehen SRF, das am Montag beginnt und von Ralph Wicki angeführt wird. Der «Nachtclub»-Moderator nimmt die Strecke mit vier Mitpilgern, die sich in einem Casting durchgesetzt haben, unter die Füsse. Er wird die Abenteuerlustigen auf den 240 Kilometern bis zum 4. August begleiten. Radio SRF 1 und «Schweiz aktuell» berichten täglich über die Erlebnisse der medialen Wallfahrer. Der Start erfolgt am Montag in Basel beim Münster.

Anlass für das Living-History-Projekt ist das bedeutende Jubiläum des westlichen Christentums: Vor 500 Jahren hat der Theologe Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation ausgelöst und eine Phase grosser gesellschaftlicher Veränderungen eingeläutet.

Stichwort Veränderung: Für Noël Emmenegger fällt das bevorstehende Experiment in eine Zeit, in der er sich privat und beruflich auf eine Pilgerreise aufmacht. Erstmals steht der 24-Jährige im wahrsten Sinne auf eigenen Füssen: Emmenegger zügelte vor zwei Wochen vom elterlichen Bauernhof in Hettenschwil nach Gümligen bei Bern. Dort trat der gelernte Schreiner eine neue Stelle an. «Weil ich Herausforderungen mag und weil ich ein neugieriger Mensch bin», begründet er seinen Schritt. Voraussetzungen, die ihm auch in den nächsten knapp zwei Wochen zugutekommen sollten.

Er weiss, wie man anpackt

Noël Emmenegger ist der Typ «Challenger». «Dieses Abenteuer passt garantiert in diese Kategorie», ist er sich sicher. Gefragt ist neben einer guten Fitness die Bereitschaft zum Verzicht. Die Gruppe, der neben ihm ein ehemaliger Schweizergardist sowie zwei Frauen aus dem Kanton Bern und dem Kanton Uri angehören, wird bei ihrem Selbstversuch Bekanntschaft mit einem enthaltsamen Lebensstil machen. Wie lebt es sich ohne Handy und Facebook? «Das wird eine interessante Erfahrung», sagt Emmenegger.

Das Konzept der Sendung beruht auf den historischen Gegebenheiten und soll das Leben von 1517 möglichst authentisch wiedergeben. Sprich: Detailgetreue Kleidung tragen, Nahrung in der freien Natur beschaffen und Fortbewegung wie im späten Mittelalter.

Auf ihrer Reise, auf der täglich bis zu sechs Stunden Fussmarsch auf die Teilnehmer warten, geniessen die Pilger das mittelalterliche Gastrecht. Der Weg führt sie an «heiligen» Orten der Schweiz vorbei, an denen Pilgernde auf ihren Reisen einst Kraft schöpften. Die körperlichen Fähigkeiten bringt Noël Emmenegger zweifelsfrei mit. Als gelernter Schreiner weiss der Handwerker, wie man anpackt. Und einen grossen Teil seiner Freizeit verbringt er beim Wandern in den Bergen.

Um bei diesem Experiment zu bestehen, wird nebst einer guten Physis Teamfähigkeit gefragt sein. Mit ein Grund, warum Emmenegger sich für das Projekt beworben hat. Obschon man ihn oft alleine in der Natur antrifft, ist er alles andere als ein Einzelgänger. Ganz im Gegenteil: «Ich bin ein geselliger Mensch, der gerne in der Gruppe etwas erlebt.» Der Zurzibieter verbrachte einen grossen Teil seiner Jugend in der Jungwacht und im Blauring. Und in der Stadtmusik Klingnau bläst er bis heute ins Saxofon. «Am meisten freue ich mich aufs Zusammensitzen am Lagerfeuer nach den Tagesetappen.»

Ohne fremde Hilfe geht es nicht

Einen Vorgeschmack, was auf ihn zukommen wird, hat Emmenegger bei der Anprobe der historischen Kostüme bereits erhalten. «Da wurde mir bewusst, was es heisst, keine funktionale Kleidung zu tragen. Alles wird gebunden und geschnürt.» Ohne fremde Hilfe geht das Anziehen nicht. Eine spezielle Beziehung hat er bereits zu den Schuhen entwickelt. Er durfte das Modell aus Leder zum Einlaufen mit nach Hause nehmen. Emmeneggers Kommentar: «Hoffentlich halten sie.»

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