Es ist nun 45 Jahre her, aber vergessen kann Arthur Schneider nicht. «Meine erste Begegnung war eine Hand auf dem Waldboden. Ein Anblick, der mir nie aus dem Kopf gehen wird.»

Am 21. Februar 1970 stürzte im Unterwald von Würenlingen eine Maschine der Swissair ab. Verantwortlich war ein Bombenanschlag, der 38 Passagieren und 9 Besatzungsmitgliedern das Leben kostete. 

Die Convair-990 Coronado «Basel-Land» der Swissair war um 13.14 Uhr auf dem Flughafen Zürich Kloten mit dem Ziel Tel Aviv gestartet und flog im Steigflug Richtung Süden.

Bei Sattel-Hochstuckli explodierte im hinteren Laderaum eine Bombe. Über dem Vierwaldstättersee meldete Captain Karl Berlinger, das Navigationssystem sei ausgefallen; die Instrumente könnten wegen des dichten Rauchs im Cockpit nicht mehr abgelesen werden.

Wegen zu schlechter Sicht für eine Notlandung im Süden wiesen Fluglotsen Swissair-Captain Berlinger und Co-Pilot Armand Etienne an, eine Notlandung von Norden her zu versuchen. Doch der Rauch im Cockpit nahm zu. Über Klingnau durchbrach die Maschine die Wolkendecke und zerschellte im Würenlinger Wald.

Arthur Schneider, damals frischgebackener Gemeinderat und von 1993 bis 2009 Gemeindeammann, war als einer der ersten vor Ort. «Wir haben zuerst gar nicht gewusst, um was es geht», erzählt er Tele M1, «wer denkt schon an einen Flugzeugabsturz.»

Vor Ort waren viele Gaffer, die auch nicht davor zurückschreckten, die verstreuten Wertsachen einzusammeln. «Es ist peinlich, was alles mitgenommen wurde.»

Flugzeugabsturz in Würenlingen: "Goodbye Everybody"

Buchautor Arthur Schneider: «Man hat keine Strafverfolgung gemacht und kein Auslieferungsgesuch gestellt.»

Seine Erlebnisse, ergänzt mit jenen von weiteren Zeitzeugen, Medienberichten und Funkgesprächen, hat er nun in in einem Buch zusammengefasst. «Goodbye everybody» erscheint nächste Woche und ist der Versuch, den Fall neu ins Rollen zu bringen. Denn auch heute noch, 45 Jahre später, ist noch vieles unklar.

Klar ist, die Bombe hätte gar nicht die Swissair 330 treffen sollen, sondern eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al. Aufgrund einer Verspätung der israelischen Maschine wurde das Paket mit der Bombe in die Swissair-Maschine verladen.

Flugzeugabsturz in Würenlingen

Hinterbliebener kämpft für Aufklärung: «Das war ein Massenmord.» (1.4.2013)

Die Verantwortung für den Anschlag übernahm die «Popular Front for the Liberation of Palestine», die beiden mutmasslichen Attentäter konnte die schweizerische Bundespolizei identifizieren. Trotzdem: Es kam nie zu einer Festnahme.

«Das stört einen», sagt Buchautor Arthur Schneider. «Man hat keine Strafverfolgung aufgenommen, hat kein Auslieferungsgesuch gestellt – man hat das einfach alles unterlassen. Dafür muss es Gründe geben, und diese Gründe soll man doch einfach wissen.»

«Goodbye everybody»: Der Original-Funkspruch vom Swissair-Absturz 1970 bei Würenlingen.

«Goodbye Everybody»: So verabschiedete sich der Pilot von den Passagieren, nachdem die Bombe explodiert war. (Original-Funkspruch)

Über die Gründe schweigt die Bundesanwaltschaft bis heute. Für Schneider «ein katastrophaler Fehler». Er vermutet, dass man den Weg des geringsten Widerstands ging – aus Angst vor weiteren Anschlägen.

Ob der Fall jemals geklärt wird, ist fraglich. Schneiders Buch wird aber dazu beitragen, dass das Attentat nicht in Vergessenheit gerät. Wie auch der letzte Funkspruch des Co-Piloten: «I can’t see anything. Swissair 330 is going to crash. Goodbye everybody.»

Die Vernissage zum Buch «Goodbye Everbody» findet am Mittwoch, 11. November, 19.30 Uhr in der Aula Schulhaus Dorf in Würenlingen statt. 

Die ersten Fernsehbilder vom Absturz schockieren: Doku über das Swissair-Attentat 1970 bei Würenlingen.

Die ersten Fernsehbilder vom Absturz schockieren: Doku über das Swissair-Attentat 1970 bei Würenlingen.

Eine Untersuchung von Wolfgang Kraushaar unter dem Titel «Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?» über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Linksextremismus wirft neues Licht auf den Absturz einer Swissair-Maschine bei Würenlingen.

Eine Untersuchung von Wolfgang Kraushaar unter dem Titel «Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?» über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Linksextremismus wirft neues Licht auf den Absturz einer Swissair-Maschine bei Würenlingen.