Treffpunkt ist ein Café in Zürich. Es ist, als würde eine erfrischende Brise wehen, als Susanne Kunz hereinkommt. Wirblig, fröhlich, unkompliziert tritt sie auf, fast ungeschminkt, das Haar ziemlich ungekämmt und mit einem ansteckenden Strahlen auf dem Gesicht. Der weinrote Gehrock aus Samt steht ihr gut – Kompliment! «Den musste ich einfach haben, so ein bisschen Barock», lacht sie.

Künstlerkarriere statt Matura

Als das Schweizer Fernsehen 1997 Moderatoren für die Jugendsendung «Oops Live!» suchte, hatte Kunz ein Bewerbungsvideo eingeschickt. Sie war 19, lebte bei den Eltern in Meinisberg, einem Dorf im Berner Seeland und besuchte das Gymnasium in Biel. «Es war abgemacht, dass ich die Schule ein Jahr unterbrechen könnte, falls ich angenommen werde.» Aus der Unterbrechung war dann ein Dauerzustand geworden, statt der Matur hatte eine Künstlerkarriere begonnen – nein, deren zwei: Als Moderatorin und als Schauspielerin. «Seit ich denken kann, wollte ich auf Bühnen stehen. Ich war denn auch in verschiedenen Schul- und Laientheatergruppen aktiv.»

Drei Jahre «Oops»

Nach drei Jahren bei «Oops» hatte die Bernerin in Leutschenbach ihre eigene Rateschau bekommen. Wer erinnert sich nicht an ihre flippigen Frisuren und ihre Unbeschwertheit mit der sie «Eiger, Mönch und Kunz» zum Erfolg geführt hatte? 2004 hatte sie beim Fernsehen gekündigt, war nach Berlin gegangen, hatte Theaterworkshops besucht, in Paris Schauspieltraining absolviert und war einem Webdesigner namens David begegnet.

Inzwischen sind die beiden glückliche Eltern eines heute 6-jährigen Elfen und einer einjährigen Soane. «Beides sind bretonische, respektive keltische Namen», klärt sie auf. Und strahlt dazu, als ob es ein Klacks sei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Denn 2006 hatte das Fernsehen Susanne Kunz wieder an Bord geholt. Nach «Tapetenwechsel», «Genial daneben2 und «Happy Day» stellt sie jetzt ihr Moderatoren-Talent in der Quiz-Show «1 gegen 100» seit über drei Jahren mitreissend unter Beweis. Und fast genauso lang zieht sie mit ihrem ersten Soloprogramm durch die Deutschschweiz, gastiert heute Abend damit in Döttingen. «Ich habe ‹Schlagzeugsolo› inzwischen rund 80 Mal gespielt. Es ist die Geschichte einer Frau und Mutter, Elisabeth Schneider, aus dem Mittelstand.

Sie wird grundsätzlich realistisch erzählt, driftet aber immer wieder absurd und verquer ab. Das Ganze ist sehr komisch und damit ist ein lang gehegter Traum von mir in Erfüllung gegangen. Im Herbst übrigens bringe ich ein neues Soloprogramm heraus.» Kunz hat «Schlagzeugsolo» zusammen mit dem Luzerner Autor André Küttel entwickelt, der Aargauer Paul Steinmann hat es inszeniert.

«Kann meine Auftritte alleine terminieren»

«Ich hatte zuvor bereits in Ensembles aus der freien Theaterszene gespielt. Mit dem Soloprogramm bin ich selbstständig und unabhängig. Das heisst, ich kann meine Auftritte alleine terminieren und somit mit meiner 20-Prozent-Tätgkeit beim Fernsehen und meiner Familie koordinieren.» Was ist ihre grösste Stärke als Hausfrau? «Ich kann gut organisieren.» Und kochen? «Das kann mein Mann besser.» Und welches ist das Erfolgsgeheimnis von Susanne Kunz in den Fernseh-Shows?

«Ich denke die Zuschauer mögen mich, weil ich recht spontan bin, jeden ernst nehme und immer versuche, mich selbst zu sein, was sich, gottlob, auf Kandidaten und Publikum überträgt.» Welchen (noch) offenen Wunsch hat die Schauspielerin Kunz? «Ich würde gerne im Film Fuss fassen und in den nächsten 15 Jahren dort die eine oder andere interessante Rollen spielen.»

«Schlagzeugsolo» heute Abend, 20 Uhr, in der Turnhalle Boge in Döttingen.