Vernissage

Strassenkunst wird in Bad Zurzach salonfähig

An der Vernissage «Varietas» wird Kunst des öffentlichen Raums gezeigt. Ausgestellt ist auch das Werk eines Mannes, den sogar die amerikanische First Lady Michelle Obama lobte.

Während Ausstellungsleiter Peter Albiez mit einer Rede alle willkommen hiess, liessen die zahlreich erschienenen Gäste die vielseitigen Kunstwerke auf sich wirken. «Diese Galerie soll ein Begegnungsort von Kunst und Kultur sein. Kunst, die hier in verschiedensten Formen, Farben und Klängen kennen gelernt werden kann.», so Albiez.

Der Name «Varietas» äussert klar die Vielfältigkeit der Kunstwerke: Die bunten, wilden oder auch abstrakten Details besitzen unglaubliche Aussagekraft. Der Laie und der Künstlerkenner seien hier mit der Tatsache konfrontiert, dass die Kunst des öffentlichen Raumes in die Innenräume geholt wird. Die nicht kommerziell orientierte Eigenschaft der «Urban Art» mache sie so besonders und einzigartig.

Co-Kurator und zugleich ausstellender Künstler ist David Monllor, der die Künstlergruppe für diesen Anlass zusammengebracht hatte: Stefan Winterle, David Stegmann, Alexander Becherer, Fabian Hübner, Benjamin Solt und Marc Woehr bereicherten mit ihrer Anwesenheit die Vernissage. Nur durch die Kunstwerke anwesenden Künstler waren: Christian Krämer alias «Domeone» mit seinen filigranen und teilweise dreidimensionalen Kunstwerken, Jens Müller alias «Tasso» als bekannter deutscher Graffiti-Künstler und Andrew Hem (USA), der von Michelle Obama im Weissen Haus als Künstler von «faszinierenden Bildern» geehrt wurde.

Ob die Urban Art mit dem Hineinholen in die Räume salonfähig gemacht wird, ist eine ziemlich philosophisch angehauchte Frage. Monllor betont, dass die Kunst ein «stetiger, schleichender und natürlicher Prozess» sei, eine Aktivität, die nicht willkürlich von heute auf morgen entstehen könnte.

Es kann sein, dass während des Prozesses und der künstlerischen Entwicklung «formale» Grenzen überschritten werden und wie in seinem Beispiel, das Urbane sogar ein klassisches oder realistisches Gesicht erhält. «Oft passiert auch ein Transferieren der Kunstwerke von der Wand zur Leinwand – was wir heute hier auch vorfinden können», so Monllor.

Drei Ausstellungsräume

Im ersten Ausstellungsraum wird der Blick des Betrachters von «Hanami» gefesselt – ein Bild von Winterle, das in voller Pracht einen aufblühenden Frühlingsbaum zeigt. Weiter können Portraits von Hübner entdeckt werden, die der Perfektion mit eingearbeiteten Spuren buchstäblich einen Strich durch die Rechnung ziehen. Bevor der zweite Ausstellungsraum betreten wird, wo sich von Hem, Woehr und weitere Werke von Solt befinden, wird man von Stegmann («Dust») und Solt aufgefangen: Stegmanns Gegenstandslosigkeit im Ausgestellten soll Interpretrationsfreiraum bieten. Solts aus Beton gegossener «Riegel 2» hütet den Eingang und die Ausstellung zugleich. Im dritten Ausstellungsraum liessen sich die Besucher vor allem von Becherers Kunstwerk «Angst 2.0» mittels Präzision und Tiefe begeistern.

Bis zum 7. Juni steht für alle Kunstbegeisterten die Tür zu «Varietas» offen – eine Vielfältigkeit, die dem Auge nicht vorenthalten werden sollte.

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