Mellikon

Strasse gesperrt – damit die Amphibien nicht mehr in den Tod hüpfen

Jedes Jahr sterben viele Erdkröten auf dem Weg zum Laichplatz. Mellikon sperrt deshalb während Zugnächten die Rosswisstrasse.

Jedes Jahr sterben viele Erdkröten auf dem Weg zum Laichplatz. Mellikon sperrt deshalb während Zugnächten die Rosswisstrasse.

Mellikon sperrt die Rooswisstrasse, damit Kröten, Frösche und Molche sicher in die Kiesgrube zum Laichen gelangen.

Für Kröten, Frösche und Bergmolche war es eigentlich ein Glücksfall: Mit der 2008 erteilten Bewilligung für den Restabbau der Kiesgrube Wiesenächer in Mellikon ging auch die Auflage einher, ökologische Ausgleichsflächen in Form von Tümpeln und Teichen zu schaffen. Die Population von Amphibien und Reptilien nahm dadurch sprungartig zu. Sogar Ringelnattern haben sich in der Kiesgrube angesiedelt. Seither wandern jedes Jahr, wenn Ende Winter die Temperaturen langsam ansteigen und es feucht wird, immer mehr Bergmolche, Erdkröten und Grasfrösche vom nahen Wald am Tägerbach zu ihrem Laichplatz, der Kiesgrube. Nur: Ihr Weg führt in der Dämmerung und in der Nacht über die viel befahrene Rooswisstrasse und das Bahngleis. Eine Reihe von Massnahmen wurde bereits umgesetzt, um die Tiere vor dem Strassentod zu bewahren. Künftig wird in sogenannten Zugnächten Ende Februar, wenn es feucht und über fünf Grad warm ist, auch die Strasse gesperrt.

Thomas Urfer, Präsident des Vereins Naturschutz Rhytal-Studenland, begrüsst diesen Entscheid. In den vergangenen Jahren brachte er jeweils zusammen mit Stefan Kolb die Tiere sicher über die Strasse. Wenn es eindunkelte, an nassen Tagen sogar noch früher, liefen die beiden mit Kesseln ausgerüstet die Rooswisstrasse entlang, sammelten die Kröten, Frösche und Molche ein und brachten sie zu den Teichen, wo sie laichen. Trotz ihres unermüdlichen Einsatzes bis spät abends starben in den Zugnächten jeweils 20 bis 30 Tiere. Sind Weibchen unter den überfahrenen Tieren, trifft es die Population härter. «Auf einen Schlag sind 2000 Eier zerstört», sagt Thomas Urfer. «Und meist wandern die Kröten im Doppelpack», ergänzt der Melliker. Denn haben sich Weiblein und Männlein gefunden, klammert sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens fest und lässt sich herumtragen, bis die Paarung vollzogen ist. Oft reisen die Männchen so huckepack zum Laichplatz in die Kiesgrube – oder eben in den Tod.

Kanton, SBB und die Gemeinde seien sich der Bedeutung dieses vielseitigen Amphibienstandortes in der Kiesgrube bewusst, schreibt die Gemeinde Mellikon in der aktuellen «Strichpunkt»-Ausgabe, dem offiziellen Publikationsorgan. «Gemeinsam wurde nach Lösungen gesucht, wie die Tiere möglichst gefahrlos zum Laichgewässer gelangen können.» Der Kanton sanierte unterdessen die Weiher, damit diese weniger schnell austrocknen. Spezialisten der SBB montierten an den Schienen Abweisbleche und sparten Durchlässe im Schotter aus, damit die Tiere unter den Schienen durchkriechen oder hüpfen können. Und der Verein Naturschutz Rhytal-Studeland baute an mehreren Stellen Rampen für die Tiere.

Strasse an nassen Tagen von 18 bis 6 Uhr gesperrt

«All diese Massnahmen erhöhen das Überleben der ansässigen Amphibienpopulation», schreibt die Gemeinde Mellikon weiter. Eine Gefährdung für die Wanderung der Molche, Frösche und Kröten zu ihren Laichplätzen bleibe allerdings noch: die Überquerung der Rooswisstrasse. «Trotz der aufgestellten Warntafeln findet ein jährliches Gemetzel statt, mit zig plattgefahrenen Amphibien.» Deshalb möchte auch die Gemeinde, nach Kanton und SBB, ihren Beitrag zum besseren Schutz des Amphibienzugs leisten, begründet der Gemeinderat die jetzt beschlossene Strassensperrung. Diese erfolgt jeweils in feuchten, wärmeren Nächten voraussichtlich ab der zweiten Hälfte Februar bis Mitte März von 18 Uhr bis morgens um 6 Uhr.

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