Zurzibiet

Statt Turniere spielen Kuchen backen in Leuggern: Tennis-Profi Stefanie Vögele vermisst den Wettkampf

Stefanie Vögele backt Zurzibieter Torte

Stefanie Vögele backt Zurzibieter Torte und spricht über die Zeit, die sie während des Lockdowns im Zurzibiet verbrachte.

Die Aargauer Tennisspielerin Stefanie Vögele über die Coronazeit zu Hause und die Rückkehr auf den Platz.

Es war in der ersten Januar-Woche, als Stefanie Vögele aus Leuggern bereits ein erstes Mal mit dem Coronavirus konfrontiert wurde: In Shenzhen, China, wo sie das erste Turnier des Jahres bestritt, wurden am Flughafen Passagiere aus Wuhan gebeten, Schutzmasken zu tragen. Die Aargauerin flog weiter an die Australian Open, sowohl in Melbourne wie auch später am Challenger-Turnier in Newport Beach, USA, wo sie in den Final vorstiess, war das Virus noch weit entfernt. Erst nach der Fed-Cup-Woche und den Turnieren in Acapulco und Monterrey, Mexiko holte das Virus die 30-Jährige in Indian Wells, Kalifornien, ein. «Ich hatte gute Matches und viel Matchpraxis sammeln können. Ich hätte die Qualifikation spielen sollen, doch dann wurde das Turnier abgesagt. Wir reisten weiter nach Los Angeles, um möglichst schnell nach Hause zu kommen», erzählt Vögele.

Seit nunmehr acht Wochen verbringt sie die Zeit zu Hause in Leuggern. «Ich glaube, ich bin das erste Mal so lange daheim, seit ich mit 13 Jahren nach Biel ins Leistungszentrum ging», sagt Vögele und lacht. Umso mehr geniesst sie es, nahe bei ihrer Mutter zu sein und oft ihre Schwester zu sehen. Zudem schätzt es die Weltenbumm­lerin, mal nicht aus dem Koffer leben und nicht ständig wieder packen zu müssen. «Bei mir ist sonst alles immer etwas hektisch», sagt Vögele. Die entschleunigenden Tage nutzt sie, zu Hause mal wieder zu entrümpeln und aufzuräumen. «Aber da war die Motivation doch etwas schnell verflogen», sagt sie und lacht. Sie geht regelmässig für ihre Mutter einkaufen, kocht oder backt gerne. «Ich bin sonst immer unterwegs und koche nie. Es macht Spass, ein paar Rezepte auszuprobieren.» Davon bekam Bäcker Ruedi Alt Wind und lud Stefanie Vögele kurzerhand zum Backen von Zurzibieter Torten ein.

Zwei Monate Tennis-Pause

Während des Lockdowns hielt sich die Weltnummer 109 fit mit Joggen, diversen Fitnessübungen oder stärkte im täglichen Training ihre Muskeln mit einem TRX-Band. Nur hin und wieder schlug Stefanie Vögele ein paar Bälle gegen eine Ballwand, auf dem Tennisplatz hingegen stand sie zwei Monate nicht. Immerhin: In dieser Zeit konnte sie Blessuren, unter anderem an der Schulter, auskurieren und arbeitete daran, robuster zu werden. «Ich hätte trotz allem lieber Tennis gespielt. Ich vermisse den Wettkampf sehr.»

In dieser Woche, mit der Wiederaufnahme des Tennisbetriebs, hat Vögele auch ihr eigenes Training auf dem Platz wieder aufgenommen, trainiert mal in Leuggern, mal in Döttingen. Öffnen die Grenzen, dürfte bald auch ihr Coach aus Deutschland einreisen. Zudem will sie mit dem Fed-Cup-Team Trainings in Biel bestreiten, um die Qua­lität der Einheiten zu gewährleisten. Übertreiben will es Stefanie Vögele nach zwei Monaten Zwangspause zurück auf dem Tennisplatz dennoch nicht. «Ich will mich kontinuierlich steigern. Von den Schlägen her bin ich schnell wieder drin, muss aber auf meinen Körper Rücksicht nehmen», sagt sie und fügt an: «Aber ich habe ja jetzt Zeit für den Aufbau.»

Wann und wie es auf der WTA-Tour weitergehen wird, sei für sie «schwierig einzuschätzen». Die Ungewissheit sei plagend. Dass die Coronakrise im Alter von 30 Jahren das Ende der Karriere bedeuten könnte, darüber will sie keine Gedanken verlieren. Sie wisse, dass sie nicht ewig weiterspielen könne. Vor allem als Frau, wenn man einmal eine Familie gründen wolle. «Aber das Tennis macht mir noch grosse Freude. So lange ich gesund bin, versuche ich, so lange wie möglich zu spielen», sagt Vögele. Und so hofft die Zurzibieterin, die vor allem vom Preisgeld der vier grossen Grand-Slams lebt, dass wenigstens das eine oder andere Highlight noch stattfinden kann – allenfalls ohne Zuschauer. «Ich fände es nicht so toll ohne Fans, aber wenn das eine Möglichkeit ist, um wieder etwas zur Normalität zurückzukehren, dann würde mich das freuen. Aber ich verstehe auch die Veranstalter, dass sie Turniere ohne Zuschauer nicht durchführen möchten.»

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