Hettenschwil

Statt Schutzmasken gabs Sonnenhüte: Anna Rossinelli gibt ein intimes Open-Air-Konzert

Interview mit Anna Rossinelli

Interview mit Anna Rossinelli

Anna Rossinelli trat am Openair in Hettenschwil auf. Im Interview schildert sie ihre Eindrücke zur momentanen Situation.

Trotz Distanzregeln gab die «The Voice of Switzerland»-Jurorin im Hettenschwiler Schlossgarten ein Konzert. Nur ein Konzertgänger trägt eine Maske.

Direkt vor dem Schloss zum Einhorn im Leuggerner Ortsteil Hettenschwil parken Autos mit Basler und Thurgauer Kennzeichen. Der Wind trägt einen Güllegeruch in den Schlossgarten, den Anna Rossinelli später als «wie von Louis Quatorze» bezeichnen wird. Sie ist der Grund für das Kommen des Publikums in heller Sonntagskleidung. Wie jedes Jahr wollte der Kulturverein zum Einhorn auch diesen Sommer ein Open-Air-Konzert für bis zu 200 Personen veranstalten – Corona zum Trotz.

Kulturverein-Vizepräsident Markus J. Frey ist sichtlich erleichtert. Einige Tage zuvor, im Telefongespräch, klang er noch unsicherer. «In der Nacht nach dem Konzert werde ich sicher besser schlafen als vorher», sagt er. Es ist die grosse Ungewissheit aller Veranstalter dieser Tage, die auch ihn umtreibt. Nach einem Frühjahr, in welchem Kultur ausschliesslich Online stattfand, wähnte man sich im Sommer sicherer, wieder etwas unbeschwerter Veranstaltungen mit Publikum stattfinden zu lassen. Aber die Coronafallzahlen steigen und man fürchtet die zweite Absagewelle.

Erst eine Woche vor dem Konzert ist man sich gewiss, dass man die Veranstaltung durchführen wird. «Es wäre ja sehr traurig, wenn gar nichts mehr stattfinden könnte», so Frey. Die Tickets sind personalisiert, also habe man auch eine Liste aller Besucher, um diese im unschönen Fall der Infektion eines Konzertgängers zu kontaktieren. Frey: «Ich hoffe einfach, dass die Leute entsprechend Distanz halten. Da das Konzert draussen stattfindet, ist das ja weniger problematisch.»

Nur eine Besucherin trägt eine Maske

Bei Regen hätte die Bühne in die Scheune verlegt werden müssen. Die 175 angemeldeten Personen wären in diesem Szenario ziemlich zusammengepfercht gestanden. Entsprechend hat der Kulturverein genügend Masken angeschafft, um für den Fall der Fälle jeden Besucher damit auszustatten.

Nun meinte es Petrus aber gut. Statt Mundnasebedeckungen werden Sonnenhüte verteilt. «Den habt ihr nicht alle extra mitgenommen? Und nicht alle finden den schön?», fragt Anna Rossinelli. Der Humor einer erfahrenen Entertainerin kommt beim Publikum an. Es ist erst das zweite Konzert in diesem Sommer für die «The Voice of Switzerland»-Jurorin und ehemalige Eurovision Song Contest-Teilnehmerin. Sie wird von ihren Bandmitgliedern an Bass und Gitarre begleitet, manchmal steuert eine Drummachine den Takt bei. Sie schliesst die Augen beim Singen, ihre Arme schwimmen zum poppigen Singer-Songwriter-Sound.

Das Publikum sitzt brav auf den Stühlen und klatscht bei den flotteren Stücken mit. Nur eine Dame im Publikum trägt während des Konzerts eine Maske. «In meinem Alter bin ich nicht mehr so mutig, dass ich ohne Maske an so ein Konzert gehe – man hat hier ja doch keine 1,50 Meter zwischen sich», sagt Erna Maurer, die extra aus Winkel ZH angereist ist. Dass niemand sonst eine Maske trage, überrascht sie dann doch. «Ich hab ja auch hin und her überlegt, ob ich kommen soll. Aber wenn ich jetzt so hier sitze, bin ich doch froh darüber.»

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