Döttingen/Böttstein

Startschuss: Hirsch und Co. erhalten sichere Wanderwege

Zwischen Döttingen und Würenlingen wird die Wildunterführung gebaut.

Zwischen Döttingen und Würenlingen wird die Wildunterführung gebaut.

Die Bauarbeiten entlang der Kantonsstrassen für den Wildtierkorridor in Döttingen und Böttstein haben vor kurzem begonnen. Zwischen Döttingen und Würenlingen wird eine Wildunterführung gebaut, die 20 Meter lang und drei Meter hoch wird.

Quer durchs Zurzibiet führt ein Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung. Genauer: die Verbindung für alle Wildtierwanderungen entlang dem Jura von der West- in die Ostschweiz. Hirschen, Rehe, Iltisse, Marder oder auch mal ein Luchs bewegen sich in Wäldern, Bächen und Hecken vorwärts – aber ungern auf freien Flächen und schon gar nicht in Siedlungen.

Die Wanderungen sind wichtig für den Fortbestand der Tiere, weil sich nur so die «Familien» mischen können: Pflanzen sich die Tiere immer nur am selben Ort untereinander fort, stirbt die Population irgendwann aus. Frisches Genmaterial muss also her – und das geht nur, wenn die einzelnen Lebensräume miteinander vernetzt sind.

Allerdings ist dieser imaginäre Korridor von geeigneten Wanderflächen, der vom Bundesamt für Umwelt festgelegt wurde, nicht überall problemlos passierbar. Um das zu ändern, trifft der Kanton Aargau nun auch im Zurzibiet bauliche Massnahmen: An der Kantonsstrasse Villigen-Böttstein werden auf der Höhe Schmidberg und beim Abzweiger Beznau zwei Wildschutzzäune installiert – an Stellen, die für eine Wildquerung zu gefährlich sind. Während der Bauphase regelt eine Lichtsignalanlage den Verkehr.

Weitere Wildschutz-Massnahmen braucht es dort nicht, da die Strasse mit rund 4500 Fahrbewegungen pro Tag kein grosses Hindernis darstellt. Auch die Aare können die Tiere auf ihrer Reise durchschwimmen, sagt Thomas Gremminger, Leiter Fachbereich Landschaft und Vernetzung beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt. «Allerdings machen sie das nur, wenn es unbedingt sein muss – häufig dann, wenn sich Jungtiere aufgrund der dichten Population ein neues Revier suchen müssen.»

Probleme bereitet den Tieren das steile Ufer auf der Böttstemer Seite der Aare, kurz vor dem Kraftwerk Beznau. Hier ist jedoch ein kleines Auenprojekt mit einer Flachwasserzone vorgesehen, die den Tieren den Zugang zum Wasser erleichtern soll. Das Projekt liegt zwar «pfannenfertig» bereit, ist aber momentan zurückgestellt.

Nach dem Aareschwumm ziehen die Tiere via Döttingen, Tegerfelden und Zurziberg Richtung Ostschweiz – das Ruckfeld meiden sie, weil sie die weite offene Fläche nicht mögen.

Ein grosses Hindernis auf diesem Wanderkorridor stellt dabei die stark befahrene Kantonsstrasse Würenlingen–Döttingen mit 13 000 Fahrbewegungen pro Tag dar. Deshalb wird nun kurz vor dem Döttinger Vorhard eine Wildunterführung gebaut: 20 Meter breit, 3 Meter hoch. Damit sie von den Tieren auch wirklich benutzt wird, installiert man entlang der Strasse beidseitig auf einer Länge von 600 Metern Wildschutzzäune.

Um kleineren Tieren allzu weite Umwege zu ersparen, baut der Kanton zudem in Abständen von hundert Metern drei Kleintierdurchlässe aus Wellstahlrohr unter die Strasse. Das Bahntrassee im Aaretal ist derzeit noch kein Problem für die Wildtiere. Erst, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt auf weitere Spuren ausgebaut würde, müsste dort ebenfalls eine Unterführung her.

Die Bauarbeiten entlang der Kantonsstrassen haben bereits begonnen und dauern voraussichtlich bis November, wobei die Arbeiten bei Böttstein früher abgeschlossen sein werden. Die Kantonsstrasse Döttingen-Würenlingen ist lediglich am Wochenende vom 25./26. Juli voll gesperrt, wenn die Kleintierdurchlässe eingebaut werden. Ansonsten wird der Verkehr während der Bauphase teilweise auf eine provisorische Fahrbahn umgeleitet, sodass sich keine grösseren Störungen ergeben sollten.

Die Kosten für die Baumassnahmen entlang der beiden Kantonsstrassen betragen rund 4,05 Mio. Franken. Das Geld wird der Strassenkasse entnommen.

Meistgesehen

Artboard 1