Mit der Berchslete – einem alten Brauch am Nachneujahrstag – haben die Feierlichkeiten für das 900-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Tegerfelden begonnen. Der Ursprung der Berchslete ist nicht bekannt, hat aber mit grosser Wahrscheinlichkeit mit Reben und Weinbau zu tun.

Der vom verstorbenen Historiker Karl Füllemann verfassten Tegerfelder Dorfchronik ist zu entnehmen, dass sich am Bärzelistag (Berchtoldstag) die jüngeren, besser gestellten Tegerfelder Burschen als Rebleute und Stitzenträger vor den Häusern der bemittelten Einwohner versammelten, einen Tanz vortrugen und Glück für das neue Jahr wünschten. Als Dank durften sie die mitgebrachten Stitzen (Gefässe) in den Kellern der Beglückwünschten mit Wein füllen. Die so erheischte Gabe schenkten sie den Armen im Dorf, die keine Rebberge besassen. Als (vorläufiger) Schlusspunkt der Berchslete wurde dem Gemeinderat ein Ständchen dargebracht und ein noch dampfender, möglichst grosser Eierring übergeben. Die Berchtelisgesellschaft erhielt als Ehrengabe einen halben Saum (rund 80 Liter) Gemeindewein, der am Abend gemeinsam getrunken wurde. Um dies nicht alleine tun zu müssen, liess jeder Bursche seine auserwählte Tänzerin durch einen Abgeordneten ins Wirtshaus zum frohen Beisammensein bitten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging der Brauch mehr und mehr verloren und lebte lange Zeit nur noch in der Erinnerung der älteren Dorfbewohner weiter. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchten einige Unentwegte, den Brauch in abgeänderter Form wieder aufleben zu lassen. Seit ein paar Jahren ist die Berchslete wieder fester Bestandteil des Dorflebens.

Im Jubiläumsjahr wurde die Berchslete in nochmals abgeänderter Form durchgeführt. Als Auftakt und zugleich erster Höhepunkt der 900-Jahr-Feierlichkeiten trugen Kinder ein 16 Meter langes, von 40 Frauen gestricktes Halstuch durch das Dorf, begleitet von der Musikgesellschaft, von der Berchsletegesellschaft und von vielen Tegerfelderinnen und Tegerfeldern. Das Halstuch wird heute Samstag der Ruine an der Strasse hinauf zum Ruckfeld umgelegt.

Anlässe auf 12 Monate verteilt

Das Jubiläum «900 Jahre Tegerfelden» steht unter dem Motto «Gemeinsam feiern – Erlebnisse schaffen». Auf dem Programm stehen zahlreiche Anlässe, verteilt aufs ganze Jahr. Bereits eröffnet ist die Jubiläumsausstellung in der Chloretrotte. Im März wird ein Jassturnier durchgeführt, im April 900 Eichen gepflanzt und im Mai ein neuer Waldspielplatz auf der Raihalde eröffnet. Ebenfalls im Mai ist in der Chloretrotte ein Festbankett vorgesehen.

Einer der ganz grossen Höhepunkte der Feierlichkeiten ist das Jugendfest im Juni. Kinder und Jugendliche beschäftigen sich mit der Vergangenheit, mit der Gegenwart und mit der Zukunft ihres Dorfes. Im August und September gibt das Laientheater Latz (Bad Zurzach) Tegerfelder Sagen zum Besten. Das Programm des Jubiläumsjahres wird komplettiert mit einem Open Air auf dem Ruckfeld Ende August, mit einer Wanderung durch die Rebberge Mitte September sowie mit dem Schlussevent in der Chloretrotte kurz vor Weihnachten.