Klingnau

Städtli-Wiedereröffnung: Nach dem symbolträchtigen Akt ein unmissverständliches «Tschüss!!»

Feierlicher Akt – Städtchen Klingnau wieder offen

Feierlicher Akt – Städtchen Klingnau wieder offen

Anderthalb Jahre dauerte die Jahrhundert-Sanierung im Klingnauer Städtchen - mit dem Durchschneiden des Bandes wird es feierlich wiedereröffnet. 

Mit der offiziellen Feier setzen Gemeinde, Geschäfte und Restaurants ein Zeichen: Das Städtchen ist wieder offen und durchfahrbar.

Ganze neun Stunden lang sass Oliver Brun im Auto, ehe er am Samstag in Klingnau ankam. Der Gemeindeammann weilte am Freitag noch in den Ferien in Südfrankreich. Für die offizielle Wiedereröffnung des Städtchens, erst vor wenigen Wochen initiiert, hatte er sich aber auf keinen Fall entschuldigen lassen wollen. "Klingnaus Gründervater wäre bestimmt stolz, wie wir mit seinem Erbe umgehen", sagte er bei seiner Ansprache im Städtchen, in seinem Rücken das Schloss, vor sich mehrere hundert Zuhöher und wie alle anderen Redner leicht erhöht in einer Baggerschaufel stehend. 

Und tschüss - der letzte Bagger verlässt das Städtchen Klingnau

Und tschüss - der letzte Bagger verlässt das Städtchen Klingnau

Als symbolischer Abschluss der feierlichen Wiedereröffnung verlässt der letzte Baustellen-Bagger das Städtchen. 

Wenig später stand er mit Vertretern von Bauherrschaft, Geschäften und Restaurants sowie Anwohnern mit einer grossen Schere in der Hand vor einem farbigen Band. Zu einer feierlichen Fanfare durchschnitten sie dieses. Auf die symbolische Pflicht folgte die Kür, indem der letzte Bagger mit Applaus und einem "Tschüss!!" auf einem Transparent aus dem Städtchen fuhr, als letztem und unmissverständlichem Gruss der Anwohner.  

Klingnau hat kräftig in sein historisches Zentrum investiert: Auf 3,45 Millionen Franken beläuft sich der Kredit, den die Gemeindeversammlung im Mai 2015 für die Jahrhundert-Sanierung genehmigt hatte. Nebst der Neugestaltung mit nivellierten Trottoirs beinhaltet sie auch die Sanierung der Werkleitungen sowie den Ersatz der Beleuchtung. Auch Swisscom, die regionale Fernwärme Unteres Aaretal (Refuna) sowie Hausbesitzer haben die Gelegenheit genutzt, Leitungen respektive Hausanschlüsse zu sanieren. Vor kurzem wurden die Arbeiten abgeschlossen, nach rund anderthalb Jahren Bauzeit.

Fest im Städtchen nach Donnschtig-Jass

Eine kleine Gruppe von Gewerblern hatte die Aktion "Städtli Klingnau jetzt wieder offen!" kurzfristig initiiert und stiess damit bei anderen Geschäften, Restaurants und der Gemeinde auf offene Ohren. Auch die am Bau beteiligten Unternehmen haben die Aktion finanziell unterstützt. "Wir wollen den Leuten zeigen, dass man wieder durchs Städtchen fahren kann", führte Kilian Vogel als Sprecher der Initiatoren aus. "Es hat einige Geschäfte und Restaurants hier", rief er den Zuhörern in Erinnerung. "Jetzt nichts zu machen wäre verheerend gewesen." Wegen der Bauarbeiten haben Geschäfte und Restaurants erhebliche Umsatzeinbussen hinnehmen müssen. Für das nächste Jahr plant die Gemeinde noch ein Fest zur Sanierung des Städtlis. Es wird am Wochenende nach dem Donnschtig-Jass vom 5. Juli 2018 stattfinden.

Federführend an der Sanierung beteiligt waren das Klingnauer Ingenieurbüro Schifferli sowie das Döttinger Traditionsunternehmens Birchmeier Bau AG. Eigentümer Markus Birchmeier dankte für das Vertrauen und bat angesichts der komplexen Arbeiten um Verständnis für die mehrmonatige Verzögerung. Zudem kündigte er an, dass sein Unternehmen auch am nächsten Fasnachtsumzug mit einem Wagen teilnehmen werde. "Ich wünsche mir, dass das Städtchen wieder aufblüht", sagte er und warb dafür, in den Geschäften in der Region statt "wegen ein paar Cenfs" in der deutschen Nachbarschaft einzukaufen.

Matthias Schifferli stiess ins selbe Horn, indem er angesichts der Bauquerelen um Verständnis warb und allen wünschte, dass das Jahrhundert-Bauwerk lange halten und allen viel Freude bereiten solle. 

Kosten überschreiten 3,45-Millionen-Kredit

Dass die 3,45 Millionen Franken für die Sanierung nicht ausreichen werden, hatte Brun bereits an der letzten Gmeind angekündigt. Nicht dass die Kosten aus dem Ruder gelaufen wären, aber es kamen Ausgaben hinzu, mit denen man nicht hatte rechnen können, etwa für die Entsorgung uralter Brandrückstände im Boden. "Wir haben auch mehr saniert als ursprünglich geplant", sagte Brun am Samstag zur AZ. 

Zwar hat nun der letzte Bagger das Städtchen verlassen. Die Arbeiten sind aber noch nicht alle erledigt. So müssen noch die neuen Beleuchtungskörper montiert werden. Zudem sind die Parkplatzfelder im Städtchen noch nicht eingezeichnet. Der Gemeinderat hat kürzlich das neue Parkplatz-Konzept für die Altstadt verabschiedet. "Demnächst folgt die öffentliche Auflage", kündigt Brun gegenüber der AZ an. Gehen keine Einsprachen ein, können die Markierungen auf dem Strassenboden aufgetragen werden. 

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