Klingnau

«Städtli, läbig, sucht» – einen neuen Chef (oder eine neue Chefin)

Klingnau (mit Döttingen im Hintergrund) hat im Moment knapp 3270 Einwohner.

Klingnau (mit Döttingen im Hintergrund) hat im Moment knapp 3270 Einwohner.

Klingnau sucht einen neuen Ammann. Offen, kommunikativ und konsensfähig, soll er oder sie sein. Und es lockt sogar eine Lohnerhöhung: Der Jahreslohn von 31000 Franken soll laut Vizeammann Stefan Zurbuchen an der Wintergmeind erhöht werden.

Führerlos ist Klingnau nicht. Vizeammann Stefan Zurbuchen hat die Leitung der Exekutive interimistisch übernommen, seit der bisherige Ammann Peter Bühlmann sein Amt im Sommer aus gesundheitlichen Gründen abrupt aufgeben musste. Dennoch braucht das lebendige Städtli bald einen neuen Ammann. Nun sucht der Vorstand der FDP Klingnau in Absprache mit dem Gemeinderat nach einem geeigneten Nachfolger für Bühlmann.

In einem Schreiben, das den Klingnauern Mitte Oktober zugestellt wurde, heisst es: Die bisherigen Stadtratsmitglieder sähen selber kaum Möglichkeiten, das Amt zu übernehmen. «Es kann aber immer noch möglich sein, dass jemand aus den eigenen Reihen antritt», hält Vizeammann Zurbuchen auf Anfrage fest. Bis zum 23. Januar müssen die Wahlvorschläge eingereicht sein. «Ich meinerseits werde nicht antreten, da es sich mit meinem 100-Prozent-Pensum im Job nicht vereinbaren lässt.» Zurbuchen schätzt, dass man für das Ammann-Amt mit den heutigen Aufgaben ein Pensum von etwa 40 bis 50 Prozent aufwenden muss.

Kontaktfreudig und teamfähig

Wer aber ist geeignet, eine Stadt wie Klingnau zu führen? «Von mir aus gesehen müsste es eine Person sein, die offen, kommunikativ und konsensfähig ist und viel Zeit mitbringt», sagt Zurbuchen. FDP-Ortsparteipräsident Guido Vogel präzisiert: «Für das zweifellos interessante, aber auch anspruchsvolle Amt, wird eine Persönlichkeit gesucht. Eine Frau oder ein Mann, welche einen gewissen Rucksack an Lebenserfahrung und Allgemeinbildung mitbringt.»

Der Anspruch an eine solche Person sei «breit gefächert zwischen Wunschvorstellung und Realität». Es gebe aber Parameter, die bis zu einem bestimmten Grad Voraussetzung seien.

Ein neuer Ammann brauche Freude am Kontakt mit Menschen und eine gute Sozialkompetenz. Er müsse strategisch denken können und gewisse Führungsqualitäten mitbringen, gleichzeitig aber auch teamfähig sein. «Alles Eigenschaften, die auch bei Führungsverantwortlichen von KMU, Industrie und Dienstleistungsunternehmen vorausgesetzt werden – weitgehend aber auch in der Leitung von Vereinen und Organisationen», so Vogel. Ganz wichtig sei bei berufstätigen Angestellten ausserdem Verständnis und Unterstützung vonseiten des Arbeitgebers – «und die Bereitschaft, viel Freizeit zu investieren».

Die Suche nach einem neuen Stadtrat oder gar Nachfolger für Alt Ammann Bühlmann verlaufe planmässig, so Vogel. Bis Ende Oktober können sich Interessierte bei der Orts-FDP melden – natürlich unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Es sind alle Stimmbürgerinnen und Stimmbürger angesprochen, auch Neuzuzüger. «Wenn man mit der Gemeinde und dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld einigermassen vertraut ist, kann das für das Amt sicher von Vorteil sein, ist aber nicht Bedingung», sagt Vogel, der laut eigener Aussage nicht für das Amt zur Verfügung steht.

«Es kann durchaus eine gute Eigenschaft sein, wenn jemand nicht vorbelastet und damit unvoreingenommen ist – Hauptsache, er bringt die erwähnten Eigenschaften mit.»

Warum nicht ein Neuzuzüger...

Dass Neuzuzüger nicht nur Gemeinderat, sondern auch gleich Ammann werden, ist selten. Ein bekannter Fall findet sich aber nur wenige Kilometer von Klingnau entfernt, in Full-Reuenthal. Nachdem das Dorf lange nach einem neuen Ammann gesucht hatte und gar die Zwangsverwaltung drohte, erklärte sich Marcel Werder bereit, das Amt für die anstehende neue Amtsperiode zu übernehmen – obwohl er noch kein Jahr im Dorf wohnhaft war.

Anfang 2014 wurde er gewählt. «Ohne grosse Vorkenntnisse über die Gemeinde und ihre Einwohner bin ich mein Amt mit einer gehörigen Portion Respekt angegangen», sagt Werder. «Ich habe gewisse Arbeiten bestimmt anders angepackt als einer, der schon länger dort wohnhaft ist.» Die Bevölkerung habe ihm viel Dankbarkeit entgegen gebracht.

Seine Amtszeit sei bisher spannend gewesen: «Ich bin ein Arbeiter und werde es auch immer bleiben. Darum fallen mir die stillen Stunden im Büro bei Akten und Studium leicht. Öffentliche Auftritte, wo man interessante und lehrreiche Gespräche führen kann, sind natürlich auch angenehm.»

Sein Amt habe jedoch auch die eine oder andere Schattenseite: «Es ist menschlich, dass unangenehme Termine sicher nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung gehören – aber auch diese müssen halt erledigt werden. Ich versuche, mich dabei auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Gefühle so gut wie es geht beiseite zu lassen.»

Werder hält es nicht für entscheidend, wie lange ein Ammann schon in der Gemeinde wohnt. «Viel wichtiger ist es, dass man seine Arbeit macht – weil das ist das Amt: mit viel Arbeit verbunden. Wenn aber jemand bereit ist, diese Arbeit zu tun und sein Umfeld in Beruf und Familie auch hinter ihm stehen, sollte er nicht zurückschrecken, das Amt zu übernehmen.»

... oder eine Familienfrau?

Bei der Ammann-Suche sind alle Klingnauer Stimmbürger angesprochen – und natürlich auch die Stimmbürgerinnen. Derzeit gibt es im Zurzibiet nur eine einzige Frau Gemeindeammann – Heidi Wanner aus Koblenz. «Ich sehe keinen Grund, wieso sich eine Frau das Amt des Gemeindeammanns nicht zutrauen soll», sagt sie. «Frauen sollten sich vermehrt dieser Herausforderung stellen, indem sie sich auf ihre Stärken verlassen. Sie bringen neben ihrer individuellen Ausbildung auch Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent und Neugierde mit. Dies sind aus meiner Sicht wichtige Eigenschaften, welche durch familiäre Strukturen gefördert werden.»

Das Amt sei also auch für eine Familienfrau gut geeignet, falls sie gewillt sei, die Zeit zur Verfügung zu stellen. Der Aufwand dürfe aber nicht unterschätzt werden: «Gerade auch mit Familie und schulpflichtigen Kindern ist ein gutes Zeit- und Organisationsmanagement wichtig. Weder Familie noch Amt sollten zu kurz kommen.» Für Heidi Wanner muss ein guter Ammann – oder eine gute Frau Ammann – einen «schulischen Rucksack» mitbringen. Wichtig seien auch Neugierde und Interesse an verschiedensten Themen, Verhandlungsgeschick und Zeit. «Ich würde mich sehr freuen, wenn in Klingnau eine qualifizierte Frau Gemeindeammann gewählt würde, und darf darauf hinweisen, dass der Umgang mit männlichen Gemeindepräsidenten vielleicht nicht so leicht, aber auszuhalten ist», sagt Wanner, und fügt sogleich an, das sei natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Der Klingnauer Stadtammann erhielt bisher einen Jahresslohn von 31 000 Franken. Laut Vizeammann Stefan Zurbuchen ist es jedoch vorgesehen, die Entschädigungssumme an der Wintergmeind vom 20. November zu erhöhen.

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