«Projekt Mara» lautete das Motto bei der Auftaktveranstaltung des diesjährigen «Festivals der Stille» in der Stadtkirche Kaiserstuhl. «Mara» ist der Name eines Violoncellos, das der italienische Geigenbauer Antonio Stradivari im Jahre 1711 in Cremona gefertigt hat und das nun, gespielt von Christian Poltéra, in Kaiserstuhl zu hören war.

Rund 150 Besucher füllten das Gotteshaus bis auf den letzten Platz und waren begeistert – nicht nur wegen dem 37-jährigen Poltéra und seiner «Mara», sondern ebenso von Eleonora Contucci (Sopran), Daria Zappa (Violine), Massimiliano Matesic (Cembalo) und nicht zuletzt vom Barockensemble «I Baroccoli». Schon zwischen den einzelnen Vorträgen gab es lang anhaltende Beifallsbekundungen, und dann erst recht nach dem gut zweistündigen Konzert.

Cello erzählt Lebensgeschichte

Episoden aus der spannenden Geschichte des weltweit bekannten Violoncellos «Mara» erzählte Massimiliano Matesic während der einzelnen Konzertbeiträge. Er entnahm sie dem Büchlein «Mara», in dem der Autor Wolf Wondratschek das Cello seine Lebensgeschichte in der Ich-Form erzählen lässt. Erster Besitzer des Instruments war der Cellist Giovanni Mara – daher der Name –, der seine Reputation allerdings weniger seinem eigenen Spiel als viel mehr den gesanglichen Talenten seiner Ehefrau Gertrude Elisabeth Schmoeling zu verdanken hatte.

Wolfgang Amadeus Mozart jedenfalls fällte nach einem Konzertbesuch im Jahre 1781 in einem Brief an seinen Vater ein vernichtendes Urteil: «Ein hundsmiserabler Spieler». Überliefert ist, dass der Alkoholiker Mara sein kostbares Instrument alles andere als pfleglich behandelte. So musste es schon vom nächsten Besitzer wegen hässlicher Flecken und Blessuren gründlich restauriert werden.

Verbürgt ist auch, dass «Mara» in der Folgezeit mehrmals um die ganze Welt reiste und in zahlreichen Königsschlössern, Kathedralen und Konzertsälen gespielt wurde. Im Jahre 1963 überlebte es sogar ein Schiffunglück auf dem River de la Plata in Südamerika. Heute befindet sich das Instrument im Besitz des österreichischen Cellisten und Dirigenten Heinrich Schiff, der es seinem Schüler Christian Poltéra anvertraut hat.

Dass Poltéra einer der renommiertesten Musiker der Schweiz ist, stellte er in Kaiserstuhl unter Beweis. Ihm eigen ist ein Höchstmass Interpretationskunst und Virtuosität. Sein Spiel auf der «Mara», die mit ihrem warmen, weichen Klang das Kirchenschiff bis in den hintersten Winkel ausfüllte, schuf Erlebnischarakter. Zu hören waren Konzerte von Vivaldi, Händel und Boccerini; und nicht fehlen durfte eine Sonate von Giovanni Mara selbst, die erst vor kurzem aufgefunden worden ist.

Ergreifende Darbietung

Glanzlichter setzte auch die Sopranistin Eleonora Contucci, die mehrere Arien von Händel (aus den Opern «Rinaldo» und «Amadigi di Gaula») sowie eine von Vivaldi zu Gehör brachte. Contucci faszinierte nicht nur durch ihre wunderschöne Stimme, sondern auch durch ihre unnachahmliche Art der Ausdeutung.

Als Beispiel genannt sei die Arie «Lascia ch’io pianga» («Lass mich weinen») aus der Oper «Rinaldo», die nicht wenige Kenner zu den schönsten Kompositionen Händels zählen, und die ob der zum Ausdruck gebrachten Gefühlstiefe den Konzertbesuchern unter die Haut ging.