Rekingen

Sparen bei der Sicherheit: Kanton streicht Asyl-Patrouille

Kantonale Asylunterkunft am Rossweg in Rekingen: Seit Mitte August finden hier keine Kontrollgänge mehr statt. Alex Spichale

Kantonale Asylunterkunft am Rossweg in Rekingen: Seit Mitte August finden hier keine Kontrollgänge mehr statt. Alex Spichale

Neu gibt es keine Sicherheitspatrouillen mehr in kantonalen Flüchtlingsunterkünften. Rekings Gemeindeammann Werner Schumacher fühlt sich alleine gelassen und kritisiert den Kanton Aargau scharf.

Anfang August erhielt Gemeindeammann Werner Schumacher Post aus Aarau. Absender: das Departement Gesundheit und Soziales. Der Inhalt der Mitteilung: Einstellung der Securitas-Patrouillen per 15. August 2016 in der Kantonalen Asylunterkunft am Rossweg. Die Begründung: Die knappen finanziellen Ressourcen.

Die Kantonsregierung will das Budget 2017 um rund 126 Millionen Franken entlasten. Von der Streichung betroffen sind unter anderem die Patrouillentätigkeiten in diversen Asylunterkünften. Neben Rekingen sind auch die Kontrollgänge in Stein, Wohlen, Villmergen, Birr und Holderbank dem Rotstift zum Opfer gefallen. Die aktuelle Beurteilung der Sicherheitslage erlaube diese Reduktion, heisst es seitens der Regierung. Der Spareffekt für diese Massnahme wird auf knapp eine Million Franken beziffert.

Kein Verständnis für diesen Entscheid hat Werner Schumacher. Beim Gemeindeammann von Rekingen kommt der Entscheid verständlicherweise schlecht an. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagt er. Rekingen fühlt sich vom Kanton im Stich gelassen. «Einmal mehr werden auf diesem Weg Lasten auf die Gemeinden abgewälzt», kritisiert er. Schumacher stört sich ausserdem an der Kommunikation des Kantons. «Vier Wochen vor der Bekanntgabe hiess es noch, es würden nur 50 Prozent des bisherigen Pensums eingespart.»

Für ihn ist klar, dass im jetzigen Umfeld der Gemeindefinanzen keine zusätzlichen Mittel gestemmt werden können, um die Patrouillen weiter sicherzustellen.

Im Juli für Aufsehen gesorgt

Dass sich die finanzielle Lage der kleinen Gemeinde im Studenland, die mit 125 Prozent den höchsten Steuerfuss im Bezirk ausweist, angespannt präsentiert, wurde im Juli deutlich, als man mit einem ungewöhnlichen Aufruf im Mitteilungsblatt schweizweit für Schlagzeilen sorgte. Der Gemeinderat rief die Hausbesitzer im Dorf auf, keine Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. Dabei ging es nicht um Asylsuchende, sondern um anerkannte Flüchtlinge, die definitiv hierbleiben werden. Die Gemeinde werde ­ruiniert, hiess es, wenn sie deren Sozialhilfe berappen müsse.

Was der neueste Entscheid des Kantons für unmittelbare Folgen haben könnte, vermag Werner Schumacher momentan nicht abschätzen. Man werde die Lage beobachten. Er räumt ein, dass es seit längerem keine nennenswerten Zwischenfälle in der Unterkunft zu verzeichnen gab. Zu dieser Einschätzung kommt auch das Departement Gesundheit und Soziales: «Es hat sich gezeigt, dass der Einsatz der betreffenden externen Sicherheitsdienstleistungen nicht unmittelbar notwendig ist», sagt Mediensprecher Balz Bruder. Eine externe Firma führte Zutrittskontrollen, die Nachtwache Haus für unbegleitete minderjährige Asylsuchende und Patrouillentätigkeiten aus. «Dort, wo es Sicherheitsdienstleistungen aufgrund sich verändernder Situationen braucht, wird es solche auch in Zukunft geben», sagt Bruder weiter.

In der Asylunterkunft leben aktuell rund 140 Männer. Innerhalb des Gebäudes wird die Betreuung durch kantonales Personal geregelt, im öffentlichen Raum sind es die Polizeiorgane. Im neuen Regime könnten demzufolge auch zusätzliche Aufgaben für die regionale Polizei Zurzibiet anfallen.

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