Thermalbad Zurzach

So sieht die geheime Welt unter den Badenden aus

Fast jeder war schon einmal im Thermalbad in Bad Zurzach. Aber kaum einer weiss, was sich darunter befindet. Die Aargauerzeitung hat sich einmal im Untergrund umgeschaut.

Nummer 705. Die orangefarbene Türe steht offen. Diese Garderobe wird momentan nicht benutzt – perfekt! Zielstrebig läuft Dominik Keller durch die kleine doppeltürige Kabine und biegt links ab. Dort befindet sich eine weitere Türe, diesmal grau. «Erschrecken Sie nicht ob den Dimensionen», warnt er und fügt an, «Hier unten ist es heiss.» Mit diesen Worten schliesst der Geschäftsführer des Thermalbads Bad Zurzach auf und öffnet damit das Tor zur Unterwelt. Denn hinter der Tür befindet sich das, was die Gäste des Thermalbads ansonsten nicht zu sehen bekommen: das Herzstück der Therme, die technischen Anlagen.

Labyrinth unter dem Bad

Wir sind zwei Stockwerke unter der Erde. Hinter der Tür ein grosser Raum. Überall verlaufen Rohre, Kabel und Leitungen. Hier eine Wasserleitung, dort der Zugang für die Luft der Sprudelbäder. Blau, Gelb, Schwarz, Grau; diese Farben dominieren. Drei enge Gänge führen von diesem Raum weg, weiter hinein in das Labyrinth unter dem Bad. Wir nehmen den Mittleren. «Bleiben Sie bei mir, hier unten kann man sich rasch verlaufen», sagt Keller und läuft los. Er erklärt, wie der Wasserlauf funktioniert, wie das Wasser gereinigt wird und dass das Thermalbad jährlich rund 500000 Liter Heizöl spart, indem es das Wasser durch eine Wärmerückgewinnungsanlage laufen lässt. Und all das, während wir weiter und weiter in den Schlund des Thermalbaduntergrunds wandern. Es sind komplexe Prozesse, die Keller beschreibt und doch sind sie interessant. Wären da nur nicht die Hitze und der Lärm! Von überall her rattert und knattert es, die Temperatur beträgt konstante 29 Grad. Ferien im Keller, sozusagen.

Zerstörer auf der Herrentoilette

Ein vergilbtes Badetuch hängt vergessen an einem Rohr, während wir die Becken unterirdisch umrunden. Irgendwo hängt eine tannengrüne Wand, ein Sammelsurium von kaputten Gegenständen. «150W ist einfach zu viel!» steht auf eine Lampenabdeckung gekritzelt. Warum, wird rasch klar: In der Mitte des Plastikgehäuses prangt ein fast fünf Zentimeter langes Loch mit braun verkohlten Rändern. Der Plastik ist geschmolzen. Gleich ist es einem Handtuchdispenser ergangen. Gemäss Etikett wurde der zerstörte Spender auf der öffentlichen Herrentoilette gefunden. «Täter unbekannt», hat jemand notiert. Darüber das Datum: «3. 11. 80.»

Weiter gehts zur Quelle. Hier wurde 1955 erstmals Wasser für die Therme entdeckt. Aus 430 Meter Tiefe schiesst es heute noch hoch und fliesst in die vier Becken. Direkt über der Quelle befindet sich ein Liegedeck. «Die Leute sitzen buchstäblich auf der Quelle und wissen es nicht», sagt Keller und lacht.

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