Die Situation hatte etwas Komisches, fast schon Komödiantisches: Eine Hand ging zaghaft in die Höhe, als Döttingens Ammann Peter Hirt die Versammlung fragte, ob sie dem neuen Gemeindeverband Oberstufe Aaretal beitreten und dessen Satzungen genehmigen wolle. «Einer», hielt Hirt fest, und fügte nach einer kurzen Pause an – fast, als hätte er es vergessen: «Plus der Gemeinderat.» Hirts mathematische Kosmetik sorgte bei den 184 Stimmberechtigten für Lacher, dabei hatte die Oberstufe Aaretal (OSA) in den vergangenen Monaten vor allem für rote Köpfe gesorgt.

Schülerzahl wird nicht erreicht

Das OSA-Projekt sah einen neuen Bezirksschul-Standort im Böttstemer Ortsteil Kleindöttingen und SeReal-Schulen in den bisherigen Bez-Standorten Klingnau und Leuggern vor. Nun zeigt sich: Die Oberstufe Aaretal findet beim Volk nicht die nötige Mehrheit. Das Nein aus Döttingen bedeutet das vorzeitige Ende des geplanten Gemeindeverbands: Die benötigten Schülerzahlen werden nicht erreicht. In diesen Tagen stimmten und stimmen acht Zurzibieter Wintergmeinden über das Projekt ab. Klar ist: Die Schullandschaft im Aaretal soll, ja muss umgestaltet werden. Der Kanton verlangt per Schuljahr 2022/23 grössere Real-, Sekundar- und Bezirksschulen. Dies hat zur Folge, dass im Aaretal eine von zwei Bezirksschulen schliessen muss.

Neun Gemeinden lancierten dazu im Frühling 2016 Arbeitsgruppen unter der Leitung von Böttsteins Ammann und SVP-Grossrat Patrick Gosteli. Bis auf Koblenz traktandierten alle den OSA-Beitritt an der Wintergmeind.

Die Zwischenbilanz nach sechs Abstimmungen fällt verheerend aus: Döttingen und Leibstadt lehnten die OSA ab. Die Gemeindeversammlungen in Klingnau und Full-Reuenthal liessen es gar nicht erst zur Abstimmung kommen, sondern stimmten einem Rückweisungsantrag zu: Der Gemeinderat erhielt den Auftrag, beim Planungsverband ZurzibietRegio vorzusprechen, damit unter dessen Führung eine zukunftsfähige Oberstufenlösung für das Zurzibiet erarbeitet wird. Auch in Döttingen wurde ein gleichlautender Überweisungsantrag angenommen. Ja zur OSA sagten bisher einzig Leuggern (89:11) und Böttstein (113:43). In Schwaderloch und Mandach stehen die Abstimmungen noch aus.

Der zuständige Döttinger Gemeinderat Peter Schödler pries das OSA-Projekt als kleinsten gemeinsamen Nenner aller beteiligten Gemeinden an. Intensiver und emotionaler als seine Darlegungen waren die anschliessenden Wortmeldungen. Ein Votant nannte die OSA ein «Gosteli-Projekt». Dieser wolle bloss die prestigeträchtige Bezirksschule in seine Gemeinde holen. Ein halbes Dutzend Stimmbürger meldete sich zu Wort. Kein Einziger sprach sich für die OSA aus.

Auch die Döttinger FDP-Grossrätin Claudia Hauser machte sich für ein Nein stark. «Der Kanton empfiehlt für die Zukunft einen typenübergreifenden Unterricht mit Bez, Sek und Real unter einem Dach. Die OSA ist ein dezentrales Modell mit drei Standorten und drei Schulleitungen.» Sie kritisierte, wie andere auch, dass die Schulpflege durch den Vorstand und nicht durch das Volk gewählt wird. «Geben wir uns noch ein Jahr Zeit bis Ende 2018», schloss sie ihr Votum und erhielt dafür viel Applaus.

Gosteli weist Kritik zurück

Patrick Gosteli zeigte sich am Donnerstag enttäuscht über die negativen Ergebnisse. Kritik am Vorgehen oder an seiner Person weist er zurück. «Es waren stets gemeinsame Entscheide. Ich würde wieder so vorgehen.» Sei es bei der Kommunikation, die oft bemängelt wurde, oder bei der Wahl der Schulstandorte.

«An den Gmeinden zeigte sich: Alle wollen das Bisherige bewahren und nicht wahrhaben, dass die Region handeln muss.» Nun gelte es abzuwarten, ob andere eine bessere Lösung finden. «Aber das wird schwierig», glaubt Gosteli.

Es ist wahrscheinlich, dass sich der Planungsverband ZurzibietRegio nun der Thematik annehmen wird. Sollte sich keine Lösung abzeichnen, wird der Regierungsrat im Zeitraum 2018/19 einen Entscheid diktieren.