Ab Freitag werden Kaiserstuhl und zwei besondere Orte ennet dem Rhein während vier Tagen zu Hochburgen klanglicher Vielfalt. Bereits zum zehnten Mal laden Daria Zappa Matesic und Massimiliano Matesic zu ihrem spartenübergreifenden «Festival der Stille».

Dieser Titel für ein Festival, in dessen Zentrum die Musik steht, mag auf den ersten Blick irritieren. Doch das in Kaiserstuhl lebende Gründer-Ehepaar hatte von Anfang an eine klare Philosophie: «Mit Stille ist die innere Ruhe gemeint, welche den Menschen in unseren hektischen Zeiten – besonders in dieser von Flug- und Verkehrslärm geplagten Region – exzellente Musik schenken kann», so Daria Zappa.

Mit einem fulminanten «Vorklang» war im Juni in der Oberen Kirche in Bad Zurzach die Lust auf das diesjährige Festival geweckt worden: Ein Quintett aus Russland hatte mit seinem Temperament, Können und überbordender Spielfreude das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Nun werden vom 24. bis 27. August Musikerinnen und Musiker aus der Schweiz, Italien, Russland, Bulgarien und Ungarn am eigentlichen Festival das Publikum mit klassischer und Crossover-Musik, Jazz, Gesang und Rezitation unterhalten.

Voll auf Liebe eingestellt

Zum Auftakt sind die Zuhörer am Donnerstag um 20.30 Uhr gebeten, in den Keller vom Kaiserstuhler Amtshaus auf die Kaiserbühne hinabzusteigen. Dort werden sie entführt in die schillernde Kulturmetropole der Weimarer Republik, ins Berlin um 1930. Zu hören gibt es Texte von Bert Brecht, Kurt Weill, Kurt Tucholsky (gelesen von Theaterleiter Peter Niklaus Steiner) und Lieder wie das unvergessliche «Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt» der feschen Lola aus dem «Blauen Engel, hier gesungen von Maria Gerter, am Klavier begleitet von Massimiliano Matesic.

Klarinette, Akkordeon, Schlagzeug, klassische sowie doppelt, nämlich zwölffach besaitete, Gitarre werden am Freitag um 20.30 Uhr Freunde von altem Jazz rechtsrheinisch auf ihre Kosten kommen lassen. Im Engelhof, dem südlichsten Weingut Deutschlands, bieten drei Musiker aus Italien und der aus dem Tessin gebürtige Marco Santilli nostalgisch anmutenden, so genannten «Smooth Jazz». In einer Zeit, da Smoothies trinken zum Trend gehört, darf man gespannt sein, womit das «Cheroba»-Quartett die Ohren verwöhnt.

Zurück ins Städtchen und dort in die Kirche zieht es Klassikfans am Samstag um 21 Uhr: «Wir lassen Franz Schuberts einziges Streichquartett in der Besetzung mit zwei Celli bei Kerzenlicht und damit in ähnlicher Atmosphäre erklingen wie in dessen Entstehungsjahr 1828, das zu-gleich Schuberts Todesjahr war», sagt Daria Zappa, die in diesem Konzert als eine der beiden Violinistinnen zu hören ist.

Wenn der Wettergott mitspielt, erklingt das vierte Konzert am Sonntag um 17 Uhr unter freiem Himmel bei der Bergkapelle von Erzingen. Sie war zum Andenken an die Ereignisse am Kriegsende 1945 errichtet worden. Daria Zappas älterer Bruder, der Cellist Mattia, und der bulgarische Pianist und Komponist Ivo Kova spielen Musik, welche über die Grenzen verschiedener Stile wie Klassik, Jazz, Rock, Funk hinausgeht. Ausweichadresse bei schlechtem Wetter ist die Matthäus-Kirche in Erzingen.

Mehr Informationen auf der Webseite des "Festival der Stille".