Im März 2013 lehnten die Döttinger die Fusion mit der Nachbargemeinde Klingnau mit 67 Prozent Nein-Stimmen wuchtig ab. Die Klingnauer dagegen sprachen sich mit 59 Prozent Ja-Stimmen für das Zusammengehen aus. Zwei Gründe gaben den Ausschlag für das Döttinger Nein: die Finanzen und die Emotionen. Döttinger Fusionsgegner befürchteten, die Klingnauer hätten es nur auf ihre Millionen abgesehen – und schürten mit entsprechenden Voten die Emotionen. 

Unwahrscheinliches Szenario wird wahr

Doch nun hat der Döttinger Gemeinderat mitgeteilt, dass er den Steuerfuss von 80 auf 105 Prozent erhöhen will (die az berichtete). Die Aktiensteuer-Einnahmen von der Axpo schrumpfen schon dieses Jahr massiv – und werden in den nächsten Jahren kaum wieder steigen. 

Sagt die Gemeindeversammlung Ja zum Steuerfuss von 105 Prozent, würde Klingnau plötzlich einen tieferen Satz ausweisen. Ein solches Szenario galt im Vorfeld der Fusionsabstimmung als sehr unwahrscheinlich. Wobei der Döttinger Gemeinderat immer wieder darauf hingewiesen hatte, dass der Steuerfuss von 80 Prozent auch bei einem Alleingang mittelfristig nicht zu halten sei.

Müssen die Klingnauer nun gar froh darüber sein, dass ihnen die Döttinger damals eine Abfuhr erteilt haben? «Ich glaube nicht, dass wir jetzt froh sein müssen», sagt Vizeammann Stefan Zurbuchen, der nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt von Peter Bühlmann als Ammann der höchste Klingnauer ist.

«Ja war richtig»

Die geplante markante Steuerfuss-Erhöhung überrasche ihn schon. «Mit 25 Prozent auf einen Schlag hätte ich nicht gerechnet.» Doch auch wenn man heute die finanzielle Lage Döttingens anders beurteilen würde, so sei das Klingnauer Ja damals richtig gewesen. Dies wegen struktureller Gründe und Synergien, etwa bei Verwaltung, Schule oder wegen der nicht immer einfachen Besetzung von öffentlichen Ämtern.

Zudem stünden in den nächsten Jahren in Klingnau einige Investitionen an. Eine Erhöhung des Steuerfusses von 103 Prozent sei zurzeit allerdings nicht vorgesehen. Klingnau verfügt gegenüber dem Nachbardorf über deutlich höhere Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen. 

«Entscheid war richtig»

Auch FDP-Ortspräsident Guido Vogel, der sich stark gemacht hatte für die Fusion, ist nicht überrascht über die stark rückläufigen Axpo-Millionen, schon eher über die geplante massive Steuerfuss-Erhöhung auf einen Schlag. An seiner Einstellung ändert das allerdings nichts. «Ich glaube nach wie vor, dass der Entscheid für den Zusammenschluss richtig gewesen wäre», sagt er. «Auch wenn es für Döttingen schlechter aussieht als damals angenommen.»

Er und andere Befürworter hätten sich unabhängig von den Finanzen für ein Ja ausgesprochen. «Das Geld stand nicht im Vordergrund. Es gab eine Reihe von wichtigen Gründen, wieso ein Zusammengehen langfristig sinnvoll gewesen wäre.» Und es sei ja absehbar gewesen, dass der Döttinger Steuerfuss steigen werde. Zudem ist er sicher, dass die höhere Steuerbelastung für Döttingen bei einem Zusammenschluss besser hätte abgefedert werden können.