Die Zeiten, in denen Fussballerinnen als Exotinnen betrachtet wurden, sind längst vorbei. Zwar hat der Frauenfussball noch immer bei weitem nicht denselben Stellenwert wie bei den Männern, aber spätestens seit den WM-Auftritten der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft im letzten Sommer treten die Fussballerinnen auch hierzulande Schritt für Schritt aus dem Schatten ihrer männlichen Kollegen.
Viele Mädchen beginnen ihre Fussballkarriere bei den Jungs. Je älter sie werden und je höher die Spielklasse, desto weniger Mädchen sind in den Juniorenmannschaften anzutreffen. Umso beachtlicher ist daher die Leistung von Désirée Meyer. Die 15-jährige Zurzacherin spielt als einziges Mädchen bei den C-Junioren im Aare-Rhy-Team, das in der ersten Stärkeklasse dieser Alterskategorie aufläuft. Auf diesem Niveau sind Mädchen, die noch immer bei den Jungs mitspielen können, eine Seltenheit. In der vergangenen Saison traf Meyer bloss in einem Spiel auf eine Gegenspielerin. Ansonsten stieg die linke Mittelfeldspielerin ausschliesslich gegen Jungs in die Zweikämpfe.

Den Respekt erkämpft

Eine Tatsache, welche die angehende Polygrafin überhaupt nicht stört. Sie hat sich längst daran gewöhnt. «Ich verstehe mich mit den Jungs ohnehin besser. Mit ihnen zu spielen, ist viel unkompliziert als mit Mädchen. Da gibt es immer mal wieder Zickereien», sagt Meyer, die Teil der kantonalen Juniorinnen-U13- und -U15-Auswahl war.

Den Respekt ihrer Teamkollegen hat sie sich auf dem Platz erarbeitet. «Natürlich gab es immer mal wieder einen Trainer oder einen Mitspieler, der glaubte, ich sei nicht gut genug. Aber dann hab ich mich halt noch ein bisschen mehr angestrengt und noch etwas härter trainiert, dann hat das geklappt», nimmt Meyer die Situation gelassen.

Und auch das derzeitige Trainer-Duo Marco Di Raimondo und Michi Bée sieht überhaupt keine Probleme. «Désirée spielt so gut, dass sie längst respektiert wird und sich einen Platz in der Stamm-Elf gesichert hat», so Bée, der Meyer seit vielen Jahren kennt und betreut.

Cupsieg als Ziel

Angefangen hat die Fussballkarriere von GC-Fan Désirée Meyer schon früh. Sehr früh sogar. An der Taufe ihrer Cousine trat sie erstmals gegen den Ball. Damals war sie gerade mal zwei Jahre alt. Zwei Jahre später besuchte sie beim SC Zurzach ihr erstes Fussballtraining. Seither blieb sie dem Fussball treu. Eine andere Sportart kam für sie nie infrage. «Ich habe zwar auch mal Volleyball gespielt, aber Fussball gefiel mir einfach besser», sagt Désirée Meyer, die seit fünf Jahren im Aare-Rhy-Team aufläuft und am Samstag in die neue Saison startet.

Und schon Ende Monat wartet das erste Highlight der neuen Saison: Meyer und ihre Teamkollegen treffen im Halbfinal des Aargauer Cups auf die C-Junioren des FC Lenzburg. Doch das Ziel ist klar: «Wir wollen natürlich wieder den Titel holen, wie wir das vor drei Jahren bereits getan haben», sagt Meyer, die noch so lange wie möglich bei den Jungs mitkicken will. Später kann sie sich durchaus auch den Wechsel in eine Frauenmannschaft vorstellen. «Aber nur, wenn ich das mit meiner Lehre verbinden kann und noch genügend Zeit für die Familie habe.»