Durch die grossen Fenstertore der Vögeli-Halle, einer ehemaligen Schreinerei in Kleindöttingen, scheint die Frühlingssonne, in der Luft liegt der Geruch von Holz. Das Radio spielt «Don’t Worry, Be Happy», wird aber von tüchtigen Hämmern und Gesprächen übertönt. Hier wird gewerkelt, auf der einen Seite der Halle stapeln sich Paletten mit Holzscheiten, auf der anderen Seite lagern die fertigen Holzroste. An fünf Arbeitsplätzen werden die Holzscheite an Seilen entlang zusammengesteckt. Ist ein Rost fertig, wird das Seil gespannt und abgeklemmt. «Ich weiss noch, als wir die ersten 20 Roste fertig hatten. Wir hatten noch grosse Bedenken, dass wir rechtzeitig damit durchkommen», erinnert sich Roman Uhland.

Uhland ist Bereichsleiter Tagesstrukturen des Arbeits- und Wohnzehntrums (AWZ) für Menschen mit Beeinträchtigung in Kleindöttingen. Bei den Arbeiten in der Vögeli-Halle handelt es sich um die letzten Schritte eines Projekts, das sich seit November hinzieht. Die Holzroste werden nämlich als Gehwege für das Eidgenössische Turnfest in Aarau, dass vom 13. bis 21. Juni stattfindet, genutzt. Das Festgelände befindet sich auf einer Wiese, ohne die Holzroste würde diese kaputt gehen – bei Regen würde auf dem Gras eine Schlammlandschaft sondersgleichen entstehen. Die Bieler Firma Passareco hat die Bodenschutz-Roste entwickelt, ihr Name prangt vereinzelt auf den Holzscheiten. 3500 Holzroste, verteilt auf 20 000 Quadratmeter, mussten also her, das Holz sollte aus Aargauer Wäldern stammen und letztlich auch in Aargauer Betrieben verarbeiten werden.

«Schicksalhafte Begegnung»

Dass diese Aufgabe der AWZ zufiel, ist für Uhland eine grosse Freude. Beim Neujahrsapéro des Aargauer Gewerbeverbands lernte er den Besitzer der Ruedersäge in Schlossrued kennen – eine «fast schon schicksalhafte Begegnung». Der Besitzer der Säge befand sich im Austausch mit Passareco, und bereits wenige Wochen später war die AWZ in die Gespräche involviert. 125 000 Franken erhält sie für den Grossauftrag. Ob der ungeheuren Menge an Rosten, die produzierten werden sollen, trat Uhland mit weiteren lokalen Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung in Kontakt. Letztlich spannte die AWZ mit fünf anderen Einrichtungen aus der Region zusammen, um den Grossauftrag anzunehmen. Die Arbeit wird geteilt: So werden in Brugg die Löcher in die Holzscheite gebohrt (1,4 Millionen Löcher insgesamt, wie Uhland betont) und in Kleindöttingen die Latten zum Rost zusammengelegt.

Mit diesem Arbeitsschritt ist auch Michael Bolliger gerade beschäftigt – er fädelt Holzscheite auf das Seil. Bolliger besucht die Stiftung Orte zum Leben in Lenzburg, die sich ebenfalls an dem Projekt beteiligt. Seit November ist er in Kleindöttingen mit dem Zusammenbau der Roste beschäftigt. Siebeneinhalb Stunden täglich arbeitete Bolliger in der alten Schreinerei. «Die Abläufe kennt man mit der Zeit», erklärt er und demonstriert, in welcher Reihenfolge man beginnen müsse, damit der Rost in Form kommt.

Eidgenössisches Turnfest – die Aargauer Vereine stellen sich vor:

Roman Uhland versichert, dass seine «Klienten», wie er die Menschen mit Beeinträchtigung nennt, viel Freude an der Arbeit haben: «Die Aufgabe mit den einfachen und sich wiederholenden Arbeitsschritten ist wie für sie gemacht.» Er erläutert, wie bei den Arbeiten Rücksicht auf individuellen Beeinträchtigungen der «Klienten» genommen wird. Manche Teams haben am Ende des Tages sieben, andere ein bis zwei Roste fertiggestellt, für Uhland ist jedes Arbeitstempo in Ordnung. Trotzdem spricht der 54-Jährige auch von «schlaflosen Nächten», weil zeitweise Unsicherheit aufkam, ob man rechtzeitig fertig wird – ursprünglich wurde die Beendigung der Arbeiten auf Ende März anvisiert und zwischenzeitlich auf Ende Mai hinausgeschoben. Mittlerweile wurden mehr als 3000 Roste nach Aarau transportiert, die letzten befinden sich noch «in der Mache», in dieser Woche werden die Arbeiten niedergelegt – ein bisschen Stolz, die Aufgabe gemeistert zu haben, schwingt auch bei Uhland mit. Lächelnd weist er erneut auf die ersten 20 gefertigten Roste hin, die nun nicht mal ein Prozent der fertiggestellten Holzgitter ausmachen. Die Vollendung des Grossauftrags, der schliesslich ein halbes Jahr in Anspruch nahm, wollen die sechs Einrichtungen mit allen Helfern gebührend feiern.