Bad Zurzach

Sie ist im Verenaspiel für die Kostüme verantwortlich

Janina Ammon ist nicht nur hierzulande eine gefragte Kostümbildnerin.

Janina Ammon ist nicht nur hierzulande eine gefragte Kostümbildnerin.

Kleider machen auch auf der Bühne Leute. Das zeigt das Beispiel von Janina Ammon. Die 27-Jährige ist im Verenaspiel in Bad Zurzach verantwortlich für die Kostüme. «Ich habe einen Traumberuf», sagt sie und lacht.

Im Haus «A la Fleur» an der Hauptstrasse in Bad Zurzach tritt man durch die Haustür zunächst in einen dunkeln Gang. Er mündet in einen verträumten Innenhof mit viel Grün, wie sie im Flecken zahlreich sind. Rechts führt eine Tür in einen grossen Raum, in dem ein sichtbar kreatives Chaos herrscht.

Schachteln voll bunter Garnspulen liegen auf dem Boden, ein Bügelbrett thront daneben, auf einem Tisch stehen drei Nähmaschinen, an einer langen Wand reiht sich ein Kleiderständer an den nächsten.

Daran hängen, dicht an dicht, Männer- und Frauenkleider. Seit sieben Wochen ist hier das Reich von Janina Ammon, der Kostüm-Verantwortlichen fürs Verenaspiel.

Textildesign studiert

27-jährig ist sie, Luzernerin und total aufgestellt: «Wenn meine Arbeit am 6. August hier getan ist, habe ich vier Wochen Zeit, mich um die Kostüme für die Donizetti-Oper ‹L’elisir d’amore› zu kümmern. Sie wird von Gesangsstudenten im Ateliertheater Meilen aufgeführt. Vor drei Jahre wäre ich deswegen schier durchgedreht, aber man lernt rasch, mit Stress umzugehen.»

Ammon trägt ihre langen Haare zu einem eindrücklichen Turm drapiert, und wenn sie lacht – was sie oft tut –, werden ihre Augen zu Schlitzen. Zu einem Laster steht sie offen: Sie raucht mit Genuss selbst gedrehte Zigaretten.

In der Leuchtenstadt, in der sie heute noch wohnt, hatte sie ohne konkretes Berufsziel Textildesign studiert und am Luzerner Theater ein Praktikum absolviert. Dort hatte sie anschliessend eine Festanstellung als Kostümassistentin.

«Der Job hat mir so gut gefallen, dass ich nun seit drei Jahren freiberuflich als Kostümbildnerin tätig bin.»

Inzwischen hat sie unter anderem am Theater Regensburg die Kostüme für Puccinis «La Bohème» geschaffen.

«Vor drei Jahren war ich in Aarau für den szenischen Rundgang ‹WohlTäter› unter der Regie von Hannes Leo Meier engagiert. Er hat mich jetzt auch fürs Verenaspiel geholt.»

Traumberuf in Zauberwelt

Für die 49 Spielerinnen und Spieler müssen 76 Kostüme bereitgestellt werden. «Dazu kommen 275 Kostümteile, also Schuhe, Hüte, Schmuck, Gürtel, Krawatten und andere mehr. Da das Spiel modern umgesetzt wird, mussten wenige Kostüme von Grund auf genäht werden. Ich habe zahlreiche Teile einkaufen und anpassen können.»

Neun Frauen aus der Region – gelernte und Hobby-Näherinnen – arbeiten unter Ammons Leitung. «Und ein grosser Glücksfall ist auch Mimi Hölzl. Sie studiert am Mozarteum in Salzburg Bühnenbild und Kostüm und absolviert hier bei uns ein Praktikum.»

Partner, Hobby, Ferien? Janinas Augen werden zu Schlitzen – sie lacht fröhlich beim Antworten: «Meinen Freund sehe ich – na ja – ab und zu. Ich habe einen Traumberuf in der Zauberwelt Theater, da brauche ich kein Hobby. Und Ferien, wer weiss, vielleicht im Dezember?

Wohl kaum, denn in der kommenden Saison warten auf die Kostümbildnerin Janina Ammon weitere Verpflichtungen. So ist sie schon in Regensburg für die Puccini Oper «Madame Butterfly», dann in Saarbrücken für Rimski-Korsakows «Der goldene Hahn» und in Luzern für die Operette «Die lustige Witwe» von Franz Lehár. Dazu kommen weitere Verpflichtungen für Schauspiele in der freien Szene.

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