Sie erklärte uns die deutsche Politik. Zuerst aus Bonn, später, nach der Wiedervereinigung, aus Berlin. Sie moderierte das Nachrichtenmagazin «10 vor 10» und die Tagesschau-Hauptausgabe im Schweizer Fernsehen.

Sie fühlte den Politikern im Bundeshaus auf den Zahn und – sie war bis vor wenigen Tagen die Stimme vom «Echo der Zeit», der abendlichen Informations- und Hintergrundsendung von Radio SRF. Die journalistische «Voice of Switzerland».

Ursula Hürzeler sitzt in einem Kaffee in Baden, draussen ist es düster und der Regen prasselt an die Fensterfront. Sie nimmt ihren Lippenstift aus der Handtasche und zieht nach. Sie blickt auf den Theaterplatz.

«Ehrlich gesagt, eine gewisse Wehmut ist schon dabei», gibt die 65-Jährige zu. Seit dem 1. Januar ist die gebürtige Zurzacherin nicht mehr berufstätige Journalistin, sondern staatlich anerkannte Jung-Pensionärin.

Der legendäre Satz «Das Interview führte Ursula Hürzeler» gehört der Vergangenheit an. Nach 40 Jahren hat die Vollblut-Journalistin Politik ihr Büro geräumt. Die Arbeitskollegen bereiteten ihr zum Abschied ein herzliches Fest.

«Es hat mich zutiefst gerührt», sagt sie. «Ich empfand es als eine riesige Wertschätzung.» Und es machte den Abgang nicht eben leichter. Hürzeler hätte problemlos noch ein paar Jahre «draufpacken» können. Ihr Tatendrang ist ungebrochen. Wenn sie spricht, ist sie auf Sendung.

Nicht im Mittelpunkt stehen

Aber, so hat Hürzeler gelernt und es zu ihrem Credo gemacht: «Man soll sich nie zu wichtig nehmen.» Schon gar nicht als Medienschaffende. Zwei Schritte nach vorne und einen zurück. Nicht der Fragende steht im Mittelpunkt.

Sie hielt es wie der verstorbene Hans-Joachim Friedrichs, einer der profiliertesten deutschen Journalisten der Nachkriegszeit. «Sich nie mit einer Sache gemein machen. Sich nie vereinnahmen oder ausnützen lassen.» Auch wenn ihr Gegenüber Angela Merkel, Joschka Fischer, Indira Ghandi oder Christoph Blocher hiess.

Hürzeler ging es darum, komplexe Themen in eine klare, einfache Sprache zu verpacken und auf den Punkt zu bringen. Damit die Leute es verstehen. «Ich hoffe, dass mir das einigermassen gelungen ist.»

Der Regen wird stärker. Hürzeler greift in die Handtasche. Sie hat Baden als Treffpunkt nicht zufällig gewählt. Hier begann ihre journalistische Laufbahn. Nach der kaufmännischen Lehre bei einem Unterwäschehersteller in Zurzach und einem England-Aufenthalt wechselte sie zum «Aargauer Volksblatt». Hürzeler hinterliess in der damals noch überschaubaren Medienwelt früh ihre Spuren. 

Als Redaktionssekretärin war sie gleichzeitig Verfasserin der «Uschy-Kolumne». Ihre genauen Beobachtungen und zugespitzten Formulierungen sorgten für Aufsehen und gelegentlich für Ärger.

«Ich kritisierte einmal das dürftige Angebot im Kino in Zurzach.» Hans Jörg Huber war darüber «not amused». Der spätere Ständerat aus dem Bezirkshauptort stutzte die übermütig gewordene Jung-Journalistin zurecht. Kurz darauf erhielt Hürzeler das Angebot vom «Echo der Zeit». Als erste Frau und erste Nicht-Akademikerin.

Der prominente Bruder

Ursula Hürzeler und ihr Ehemann wohnen seit bald 30 Jahren in Bern und haben eine erwachsene Tochter. Den Kontakt in den Aargau hat die Heimweh-Zurzacherin indes nie abgebrochen.

Man trifft sie regelmässig in der Region an. Ihre jüngere Schwester lebt in Baden. Der eine Bruder wohnt in Wettingen, der andere in Rietheim. Und der dritte hält sich gerade in Thailand auf.

Im Bekanntheitsgrad steht er seiner Schwester in nichts nach. Max Hürzeler wurde 1987 Radbahn-Weltmeister. Später gründete er ein erfolgreiches Unternehmen. Hürzeler organisierte Veloferien auf Mallorca und wurde zum Millionär.

Nicht auf die Mittelmeerinsel, sondern nach Asien führt Ursula Hürzelers erste Reise danach. In Indien wird sie ab nächster Woche Zeit und Ruhe finden, ihr neues Leben einzuordnen. So wie sie es als Journalistin mit den Informationen tat. «Ich muss jetzt lernen, pensioniert zu sein.»