Jedes Jahr wird eine der vier Chemiewehren des Kantons Aargau durch den Kantonsexperten Chemiewehr, Walter Fiechter, mit einer Alarmübung getestet. Diesmal war die Chemiewehr BASF an der Reihe, als Übungsobjekt diente der Umschlagplatz der LGZ Hochrhein AG, überprüft wurden die Alarmkette des Störfallobjekts und der Wassertransport ab Rhein.

Flüssigkeit auf der Strasse

«Chemieunfall beim Hochrheinterminal» lautet die Meldung von Fiechter an die Alarmstelle. Angenommen wurde folgendes Szenario: Beim Umplatzieren von Containern wird der Kranführer abgelenkt und touchiert einen Tankcontainer mit Flüssigkeitsgefahrgut. Der Container schlägt leck, der Kranführer kann ihn aber gerade noch in der mobilen Auffangwanne platzieren und damit verhindern, dass sich die Flüssigkeit auf dem Gelände ausbreitet. Bei diesem Manöver atmet er giftige Dämpfe ein und erleidet einen Schock, zwei Mitarbeiter werden verletzt, ebenso der Chauffeur des Lastwagens. Später entzündet sich die ausgelaufene Flüssigkeit.

Als erster Offizier ist Guido Jetzer von der Feuerwehr Rümikon-Mellikon-Rekingen auf dem Schadenplatz und übernimmt die Einsatzleitung. Er bietet umgehend die Stützpunktfeuerwehr Bad Zurzach-Rietheim und die Chemiewehr auf und führt in der Folge die Einsatzleitung gemeinsam Ruedi Indermühle, Vizekommandant des Stützpunktes.

Erschwerte Arbeitsbedingungen

Nach der üblichen - allerdings etwas langen - Chaos-Phase gehen die Arbeiten zügig voran: Der Kranführer wird mittels Autodrehleiter aus seiner Kabine geholt, die drei anderen Verletzten müssen unter Atemschutz gerettet werden, da die auslaufende Flüssigkeit als gefährlich bezeichnet wird; sie gibt «ätzende, reizende Dämpfe» ab und ist leicht entzündlich. Die abgesperrte Zone 1 darf deshalb nicht ungeschützt betreten werden. Die «Geretteten» werden dekontaminiert (von den Kleidern befreit und abgeduscht), in der Übung allerdings in einem abgekürzten Verfahren, und den Rettungssanitätern übergeben.

Parallel dazu haben die Angehörigen der Stützpunktfeuerwehr den Wassertransport vom Rhein her aufgebaut. Die auf einem Fahrzeug montierte Pumpe liefert 5000 Liter pro Minute. Mit Wasserwerfern werden die neben dem havarierten Tankcontainer liegenden Tanks gekühlt.

Inzwischen ist die Chemiewehr eingetroffen und die mit Atemschutz und speziellen Schutzanzügen versehenen Fachleute machen sich in Absprache mit den Chemiefachberatern daran, das Leck abzudichten und pumpen anschliessend die ausgelaufene Flüssigkeit aus der Auffangwanne in Spezialbehälter.

Gefahren erkannt

«Die Gefahren wurden erkannt und die Sicherheit der Mannschaft beachtet», stellt Walter Fiechter bei der Übungsbesprechung fest. Er lobt insbesondere die Vollständigkeit der persönlichen Schutzausrüstungen, die rasche Einsatzbereitschaft der Atemschutzträger und die vorbildliche Sicherung der Fahrzeuge. Als positiv erwähnt er unter anderem auch die gute Funkdisziplin, die klaren Aufträge, den Einsatz von Frontoffizieren und allgemein die Schadenplatzorganisation. «Übung erfüllt», lautet sein Fazit.

Allerdings weist er auch auf Mängel hin und gibt der Einsatzleitung mit auf den Weg, in einem ähnlichen Fall noch schneller alle Mittel zu alarmieren und die Partnerorganisationen besser zu integrieren. «Zum Glück ist so etwas noch nie passiert», sagt Walter Menig, Geschäftsführer der LGZ Hochrhein AG. Und stellt gleichzeitig beruhigt fest, dass die Rettungskräfte auf solche Fälle vorbereitet sind.