Der heute knapp 20-jährige Kevin (alle Namen geändert) war angeklagt vor dem Bezirksgericht Zurzach der sexuellen Handlungen mit einem Kind.

In den Sommerferien letzten Jahres hatte er Seraina kennen gelernt, einen Monat, nachdem sie 14 geworden war.

Obwohl sie den strammen, blonden Burschen mit den markanten Gesichtszügen «eigentlich ziemlich primitiv» fand, verliebte sie sich in den Lehrling.

Und er sich in die Sek-Schülerin. Am Ende der Ferien allerdings wars mit der Liebe wieder vorbei. Kevin hatte Seraina aus Spanien angerufen und gestanden, er habe sie dort betrogen.

Trotzig und blass geschminkt

Ziemlich viel später, ab Mai dieses Jahres, hat Seraina, traumatisiert vom Sex mit Kevin, sich in Psychotherapie begeben.

«Meinen Eltern war es wahrscheinlich egal, aber das Gesetz verbietet es», sagte sie vor Gericht. Etwas stämmig gebaut, das dunkle Haar halblang, das Gesicht blass geschminkt, wirkte Seraina trotzig.

Mit Kevin habe sie mehrfach geschlafen, meist ohne Gummi und wenn mit, habe sie die Dinger gekauft.

Auf die Frage von Richter Cyrill Kramer, warum Kevin abstreite, Sex mit ihr gehabt zu haben, meinte Seraina: «Als wir zusammen waren, hat er gesagt, er habe Angst – wahrscheinlich vor einer Strafe.»

Die drohte Kevin nun laut Anklageschrift in Form einer bedingten Geldstrafe von 2700 Franken.

Plus einer Busse, denn der 20-Jährige war auch noch beschuldigt, mit 1,07 Promille intus Töff gefahren zu sein. Nur fünf Monate nach Erwerb des Billetts und nur gut einen Kilometer von daheim entfernt, war er im Mai dieses Jahres erwischt worden. Das Billett ist jetzt für drei Monate weg.

Auch Serainas Mutter sagt aus

Mit Seraina habe er «eine gute Beziehung und eine schöne Zeit» gehabt. Man habe sich geküsst – mehr nicht: «Ich war mir bewusst, dass Sex mit ihr Konsequenzen hätte und ich Riesenprobleme bekäme.»

Als Zeugin schilderte Serainas Mutter, Kevin habe, als er die Geschenke ihrer Tochter zurückbrachte, ihr gegenüber erwähnt, dass er mit Seraina geschlafen habe. Nein, sie habe ihm deswegen keine Vorwürfe gemacht, sei aber enttäuscht gewesen von ihm und ihrer Tochter.

Erhebliche Zweifel

Richter Kramer verurteilte Kevin wegen der 1,07-Promille-Fahrt auf dem Töff zu einer bedingten Geldstrafe von 600 Franken und 800 Franken Busse.

Vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind sprach er ihn frei. «Es gibt erhebliche Zweifel an der Qualität von Serainas Aussagen, die sie gegenüber der ermittelnden Polizeibeamtin in einer Videobefragung gemacht hatte.

Und auch hier vor Schranken kam zu den entscheidenden Vorwürfen nichts Konkretes heraus. Hingegen hat Kevin seine Glaubwürdigkeit aus den Ermittlungsprotokollen hier bestätigt», so Kramer. Bezüglich der Aussage von Serainas Mutter ging er davon aus, dass sie Kevin damals wohl missverstanden hatte.