An mehreren Standorten sitzt seit einigen Tagen in der Hauptstadt Albert Einstein und wartet geduldig auf fotofreudige Gäste. Bern Tourismus hat zu Ehren des grossen Physikers Bänke aus Bronze aufgestellt. Die Figuren sind die neueste Attraktion. Sie zeigen den Nobelpreisträger in seinen jungen Jahren. Ziel der Aktion: Bern will sich als Einstein-Stadt einen Namen schaffen. Die Besucher sollen mit dem Nobelpreisträger ein Selfie schiessen und damit in den sozialen Netzwerken Twitter, Instagram oder Facebook Werbung machen. Der Begründer der Relativitätstheorie wohnte in der Hauptstadt, als er 1905 mit seinen Berechnungen die Vorstellungen von Raum und Zeit auf den Kopf stellte.

Drunter und drüber geht das Leben momentan auch bei Urs Hofstetter. Der Inhaber der Firma «Le Passioni» in Rietheim handelt mit Bronze-Skulpturen. Vor drei Jahren meldete Bern Interesse an. Es folgten lange Verhandlungen, ehe er diesen Frühling schliesslich den Zuschlag erhielt. «Für uns ist das schlicht eine unglaubliche Geschichte», sagt der 57-Jährige, der zusammen mit seiner Frau Eveline «Le Passioni» führt.

So wirbt die Stadt Bern für Einsteins Bank

So wirbt die Stadt Bern für Einsteins Bank

Noch immer ein Nebenjob

Auf Einladung der Stadt Bern nahmen die Hofstetters nun an der Einweihung der ersten Bänke teil. Sie stehen vor dem Hauptgebäude der Universität, im Rosengarten und beim Bärenpark. Eine weitere Bank wurde beim Historischen Museum diese Woche aufgestellt. Insgesamt sollen sechs «Einsteins» das Stadtbild aufwerten. Die Hofstetters gehörten zu den Ersten, die sich mit dem Genie abbilden lassen durften. «Eine grosse Ehre», so der umtriebige Zurzibieter.

Was der Auftrag für die Firma «Le Passioni» bedeutet, die Hofstetter vor rund 15 Jahren gründete, vermag er noch nicht abzuschätzen. Nach wie vor betreibt er das Geschäft nebenbei. Hauptberuflich arbeitet er in Leuggern in einer Autogarage als Verkäufer. Mit dem Einstein-Auftrag könnte sich dies unter Umständen ändern. «Unser Name wird nun einem breiten Publikum bekannt.» Hofstetter hofft, dass sich bald weitere Interessenten bei ihm melden werden.

Hergestellt werden die Bronze-Figuren nicht bei ihm. Urs Hofstetter entwirft sie und lässt sie anschliessend bei Künstlern giessen. Vor kurzem hat bereits eine andere bekannte Persönlichkeit die Räumlichkeiten in Rietheim verlassen: Im Juni stellte die katholische Albanermission in Wil SG eine Figur von Mutter Teresa aus dem Hause Hofstetter auf.

Die Einstein-Bänke sind nicht die ersten Skulpturen aus dem Zurzibiet, die in diesem Jahr für Aufsehen sorgen. An den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz erlangte «Edy», die 19 Meter hohe Holzfigur, die von einer Firma aus Leibstadt gefertigt worden war, nationale Berühmtheit. Geht es nach Urs Hofstetter, soll der Auftrag aus Bern seinem zeitaufwendigen Hobby zusätzlichen Schub verleihen. An Kreativität mangelt es dem gebürtigen Rümiker nicht. Anfang Dezember präsentiert er sein nächstes Projekt: Zwölf Aktunikate sollen Neugierige nach Rietheim locken.