Klingnau

40 Jahre lang vermisst: Wie die schwarze Madonna plötzlich wieder auftauchte

Jahrzehntelang musste die Klingnauer Loretokapelle auf eine schwarze Madonna verzichten. Bis sich der Sigrist wehrte.

Seit 2005 steht in der Klingnauer Loretokapelle wieder eine schwarze Madonna – nachdem die ursprüngliche Figur 40 Jahre vermisst worden war. So zumindest liest es sich auf der Webseite der Aargauer Kapellen: «Anlässlich einer Renovation 1965 verschwand der Altaraufbau von 1864 samt der schwarzen Madonna.» Was passierte mit der Marienfigur?  

Ein früheres Mitglied der Kirchenpflege kann das Rätsel lösen: «Die Madonna befindet sich im Turm der Stadtkirche.» Bei der Renovation der Stadtkirche 1970 wurde einer der Seitenaltare in das Gotteshaus auf dem Achenberg eingebaut. Die schwarze Marienfigur sei zu klein gewesen für den grossen Altar, ihre Restauration zu teuer. Die Kapelle erhielt eine grössere, weisse Madonna.

Die Gläubigen vermissten ihre schwarze Marienfigur, die als besonders wundertätig verehrt wird. Jene von Loreto ist eine der am meisten verbreiteten Darstellungen. «Der damalige Sigrist Armin Landös war federführend, dass die Klingnauer Loretokapelle ihre schwarze Madonna zurückerhielt.»

An Mariä Himmelfahrt 2005 erfüllte sich der Wunsch: Die Kapelle erhielt eine neue und grössere Marienfigur.

Früher ein Wallfahrtsort, heute finden Gottesdienste und Hochzeiten statt

Das Gotteshaus von 1662 steht auf dem Achenberg auf der Grenze von Klingnau und Bad Zurzach. Der Weg vom Städtli führt an 14 Stationen des Kreuzwegs vorbei, den der Holzbildhauer Beat Gasser nach dem Zweiten Weltkrieg schuf.

Die Kapelle ist eine Nachbildung der Santa Casa von Loreto in Italien, einem der grössten Wallfahrtsorte der Christenheit.

Früher war auch die Klingnauer Loretokapelle ein Wallfahrtsort. Heute werden hier Hochzeiten oder wie diesen Sonntag der Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt gefeiert, Wanderer zünden regelmässig Opferkerzen an. Seit diesem Sommer findet auch der Morgengottesdienst am ersten Donnerstag im Monat statt.

«Die kleine Kapelle zieht dann mehr Besucher an als die Stadtkirche», sagt Fridolin Böhler, der seit drei Jahren als Sigrist zum Rechten im Gotteshaus schaut. Da das Kirchlein nur für 25 Personen Platz bietet, findet die Messe draussen statt. «In der freien Natur ist das etwas ganz Besonderes.»

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