Heidi Wanner, Gemeindeammann von Koblenz, fordert die SBB und die Deutsche Bahn auf, das Eisenbahnbrücken-Problem so schnell wie möglich zu lösen. Die Rheinbrücke ist zu schwach für die neuen Domino-Züge, die ab dem 11. Dezember auf der Strecke von Baden nach Waldshut zum Einsatz kommen sollten. Die Folge: Die Passagiere müssen in Koblenz wieder auf die alten Züge umsteigen, um nach Waldshut zu gelangen (az Aargauer Zeitung vom 22.9.)

«Ich möchte wissen, was bisher zur Lösung des Problems unternommen wurde. Und ich möchte, dass uns Lösungsvorschläge präsentiert werden», sagt Wanner. «Wir setzen uns dafür ein, dass die Leute möglichst oft mit dem Zug fahren.» Das sei wichtig für die Gemeinde Koblenz, weil es den Zollübergang entlaste, wenn nicht alle mit dem Auto über die Grenze fahren. «Dass Passagiere auf der Strecke Baden-Waldshut in Koblenz umsteigen müssen, torpediert unsere Bemühungen. Die Attraktivität des Zugverkehrs sinkt so massiv.» Es seien sowieso schon zu viele Pendler mit dem Auto unterwegs.

«Umstieg ist inakzeptabel»

Auch auf der anderen Seite der Grenze befassen sich jetzt Politiker mit dem Eisenbahnbrücken-Problem. «Für uns ist dieser Umstieg nicht akzeptabel», sagt der Waldshuter Landrat Tilman Bollacher. «Ein Umstieg bedeutet für die Berufspendler in die Schweiz und die Einkaufspendler nach Deutschland – auch wenn man einen direkten Anschluss hat – mehr Aufwand, weniger Komfort und die Gefahr, dass der Anschluss auch einmal nicht funktioniert.»

Seit Jahren hätten alle Beteiligten den Schienenverkehr über die Grenzen hinweg attraktiver gestaltet, die Fahrgastzahlen konnten verdoppelt werden. Eine grosse Anzahl dieser Pendler sei nun vom Umstieg negativ betroffen.

Die Stausituation am Zoll sei besonders zu den Berufspendlerzeiten kritisch und teilweise mit längeren Wartezeiten verbunden, so Bollacher. «Hier sorgt gerade die Schiene mit mehr Fahrgästen für eine gewisse Entspannung. Ich sehe die Gefahr, dass eine sinkende Attraktivität der Schiene einige Pendler zur Rückkehr zum Pw oder zu Park and ride an einem Schweizer Bahnhof bringt und damit die Situation am Zoll weiter verschärft wird», sagt Bollacher.

Schlüsselrolle der deutschen Seite

Die Brücke müsse in einen Zustand versetzt werden, dass sie zuverlässig die Anforderungen des Verkehrs der nächsten 50 Jahre im wahrsten Sinne des Wortes tragen könne. Dabei habe die deutsche Seite eine Schlüsselrolle inne. Bollacher hat bereits den Stuttgarter Verkehrsminister kontaktiert. Er sehe aber auch die Schweizer Seite in der Pflicht. «Die SBB als «Auslöser» sei gefordert, denn es sind deren Kunden, die negativ betroffen sind.»

Die SBB suchten insbesondere mit der DB Netz nach Lösungen, damit bald kein Linienbruch mehr nötig sei, sagt dazu Daniele Pallecchi von den SBB. Dieses Problem noch zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 zu lösen, werde sehr schwierig, fürchtet Bollacher. Heidi Wanner ist überzeugt, dass mit Hochdruck gearbeitet wird. «Ich hoffe, dass es verhindert werden kann, dass Zugpassagiere in Koblenz zum Umsteigen gezwungen sein werden.»