Bad Zurzach

Schwelgen in närrischer Erinnerung – Im Angesicht der Fasnacht

Fasnächtler sind kreative Menschen. Das zeigt eine Ausstellung in der Galerie Mauritiushof im Haus der Kunst.

«Schau mal, de Ruedi. Und da, de Eddi.» Im Fotoarchiv der Guggenmusik «Se Barzlis» zu stöbern, dürfte für so manchen Besucher der neuen Fasnachts-Ausstellung in der Hauptstrasse 41 den grössten Reiz ausmachen. Und die ältesten Schnappschüsse reichen ja auch weit zurück, bis ins Jahr 1979, als die Guggenmusik gegründet wurde. Seinerzeit hauchte diese Gründung der Fasnacht im Flecken wieder neues Leben ein, nachdem sie zuvor etwas an Schwung verloren hatte.

Ein Elferrat war einige Jahre zuvor neu entstanden. Doch auch diesen gab es schon einmal, in den 50er-Jahren, wie in der Ausstellung zu sehen ist. Noch von seinem Vater hatte Pierre Elmer entsprechende Dokumente, die das belegen: Schnitzelbank-Liedtexte und Exemplare einer Fasnachts-Zeitung namens «Zurzihegel» aus den Jahren 1951 bis 1954. Elmer hatte sie in seinem Privatarchiv liegen. Als er den Aufruf der Ausstellungsmacher las, Fasnächtliches als Leihgabe zur Verfügung zu stellen, brachte er das Material spontan vorbei.

Was die Schnitzelbänke der Zorzi-Fasnacht in den 50ern aufs Korn nehmen, wird sich dem heutigen Leser kaum mehr erschliessen. Dennoch sind sie Zeugen dafür, dass die Tradition, in der fünften Jahreszeit, das Zeitgeschehen mit gesungenen Versen zu kommentieren, im Flecken weit zurückreicht. Was es wie lange schon an fasnächtlichen Bräuchen in Bad Zurzach gibt, lässt sich aber nicht immer mit Exaktheit sagen.

Die Chesslete, den frühmorgendlichen Auftakt am Schmutzige Donnschtig, die Beizenfasnacht, den Kinderball und natürlich die «Lätschete» am Aschermittwoch – das, erinnert sich Pierre Elmer zurück, hat es irgendwie immer schon gegeben. Auch die Figur des «Ättirüedi», der Süssigkeiten und Würstli an die Kinder verteilt, geht auf alte Überlieferungen zurück.

Schweizer Meister 1983

Schwer hat es der «Ättirüedi», der in der Ausstellung als kleine Marionette zu sehen ist, gegen alle die prachtvollen und verspielten Gewänder der «Se Barzlis», welche die Besucherblicke auf sich ziehen. Jedes Jahr lassen sich die rund 30 Aktiven der Truppe ihre Kostüme neu schneidern. Es gibt ein Basismodell für alle, das dann jeder Musiker individuell ausgestalten kann. Den genaueren Blick lohnen auch die zahlreichen Plaketten – zum Beispiel von den Fläcke Schnüfflern aus dem Jahr 1982 und vom ersten internationalen Narrentreffen in Zurzach 1984. Eine hält ein Schlüsselereignis für «Se Barzlis» in Erinnerung – den Gewinn des Schweizer-Meister-Titels im Jahr 1983 beim Guggenmusik-Festival im Tivoli Spreitenbach.

Kreativität & Fasnacht: Galerie Mauritiushof, Haus der Kunst, Hauptstrasse 41, noch bis 22.Februar, Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr.

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