Dass der Kanton Aargau uns insbesondere das Zurzibiet eine Velohochburg ist, wurde nur kurz nach den Gippinger Radsporttagen und der Zielankunft der Tour de Suisse in Gansingen einmal mehr eindrücklich unter Beweis gestellt. Bereits am frühen Mittwochnachmittag haben in und um Schneisingen zahlreiche Radsportfans ihre Position bezogen. Ausgerüstet mit Fahnen, ausreichend Verpflegung, Klappstuhl und den nötigen Lärminstrumenten. Besonders laut wurde es natürlich immer, wenn Silvan Dillier vom VC Alpenrose Schneisingen angekündigt wurde oder er in horrendem Tempo an den Zuschauern vorbeiraste.

Am Ende musste sich Silvan Dillier im 37,3 Kilometer langen Zeitfahren dem Titelverteidiger Stefan Küng beugen. Küng konnte seinen Meistertitel erfolgreich mit einer Zeit von 49,37 Minuten verteidigen und der Schneisinger musste wie schon letztes Jahr mit der Silbermedaille vorliebnehmen (Rückstand 1,26 Minuten). Auf den dritten Rang kam Tom Bohli vom VC Eschenbach. «Das war genau meine Prognose», sagte OK-Präsident Gusti Widmer. Er ist nicht nur ein hervorragender Organisator, sondern auch seit Jahrzehnten ein äusserst versierter Kenner der Radsportszene.

Auftakt mit den Handbikes

Organisatorisch klappte alles wie am Schnürchen. Nur ganz vereinzelt war mal einer der vielen Motoradfahrer fast zu langsam für die Velofahrer unterwegs. Aber selbst das kleinste Steinchen wurde von den vielen Helfern sorgfältig von der Strasse gewischt, um allen Teilnehmern eine möglichst optimale Strecke zu präsentieren.

Den Auftakt machten die Paracycling-Athleten mit ihren Handbikes. Es war beeindruckend wie die Teilnehmer mit nur einem Bein oder auf dem Rücken liegend, nur wenige Zentmeter über dem Asphalt, um die Kurven brausten.

Kurzfristig entschied sich die Triathlon-Olympiasiegerin von 2012, Nicola Spirig, zu einem Start an den Meisterschaften in Schneisingen. Die 35-jährige Spirig, die 2016 an den Olympischen Spielen den zweiten Rang belegte, ging im Einzelzeitfahren an den Start. Am Ende musste sie sich genau wie Silvan Dillier mit der Silbermedaille begnügen. Am Strassenrennen am Sonntag wird sie nicht dabei sein, weil dann die Schweizer Meisterschaften in ihrer Kernkompetenz dem Triathlon ausgetragen werden.

Ganz anders dagegen der Lokalmatador, der es am Sonntag nochmals wissen will und einen erneuten Anlauf auf die Goldmedaille nimmt. Damit besonders für ihn die Nationalhymne gespielt wird. Denn Schneisingen hatte eine Besonderheit zu bieten: Die Hymne wurde nicht ab Tonband oder CD abgespielt, sondern live von der Jugendmusik vorgetragen.

Jetzt gibt es für die Organisatoren eine kurze Verschnaufpause, bevor am Samstag die U15 um 12.30 Uhr auf die Strecke gehen. Danach jagt ein Rennen der Jugendlichen und Junioren das andere. Am Sonntag gehen die Master bereits um 7.30 Uhr auf die Strecke, bevor nur 15 Minuten später die Frauen auf ihre knapp 120 Kilometer gehen. Die Elite der Männer legen gar 200 Kilometer in der wunderschönen Gegend um Schneisingen herum zurück, werden diese aber wohl kaum wirklich geniessen können. Dann werden die Fans bestimmt noch zahlreicher ihre Positionen an den neuralgischen Punkten bezogen haben. Das Zurzibiet kann sich auf ein weiteres Radsportfest am nächsten Wochenende freuen.